CD-CHECK: „Stadtrandlichter“ von Clueso

Veröffentlicht: September 19, 2014 in Neuerscheinungen
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CluesoMehr als 3 Jahre nach seiner letzten Platte An und für sich  meldet sich Thomas Hübner aka Clueso mit seinem neuen Studioalbum „Stadtrandlichter zurück, das heute veröffentlicht wird. Stadtrandlichter entstand in kompletter Eigenregie und wurde von Clueso nicht nur geschrieben, sondern auch selbst produziert, und wird erstmalig auf dem eigenen Label Text und Ton veröffentlicht. Ob sich das als gute oder schlechte Idee rausstellt, lest ihr in unserer Rezension.


Drei Jahre sind eine lange Zeit. Eine lange Zeit, um sich frei zu machen, frei zu drehen. Mit seiner ersten Single-Auskopplung „Freidrehen“ hat Clueso seine Fans bereits überrascht; die einen negativ, die einen positiv, aber das haben Überraschungen halt so an sich. Die Hauptsache ist doch im Endeffekt, dass der Künstler sich wohl fühlt und vollkommen hinter seiner Kunst steht – und das tut Clueso, das konnten wir uns auf der Platte „Stadtrandlichter“ bereits anhören, und das geht deutlich aus der Tatsache hervor, dass er sie unbedingt vorab einem kleinen Publikum präsentieren wollte: Mit seinem guten Freund Tim Neuhaus, der übrigens auch sehr viel an dem Album mitgewirkt hat, packte er seine Sachen und gemeinsam reisten sie durch die Republik, gaben recht spontan Gigs in kleinen Cafés und stellten die neuen Songs mit einem Lächeln auf dem Gesicht vor.

Clueso „Freidrehen“ offizielles Musikvideo:

Kürzlich bekamen wir das Gesamtwerk dann zu hören und sagen vorab: Gratulation. Die Entscheidung, sich von allem loszulösen, war die richtige, das hört man aus den Songs heraus, die jetzt viel einfacher, viel leichter klingen, wie im Opener „Pack meine Sachen„: „Geh‘ meinen Weg / Und komm‘ nie wieder / Kein Bock mehr auf Krawall / Ich zieh‘ los und sing‘ meine Lieder„. Clueso muss sich keinem Urteil mehr stellen, wenn er seine Platte in der Rohversion fertig hat – kein Labelboss sagt mehr ‚änder doch noch dies, mach vielleicht noch das‘, allerhöchstens geben ihm seine engsten Freunde gut gemeinte Ratschläge, wie in einer perfekten, kleinen Familie eben. Neben aller Musik, die wir zu hören bekommen, fällt jedoch vor allem eins auf: Noch mehr wird das Hauptaugenmerk auf die Texte gelegt, die von leichten und erfrischenden Tönen geprägt werden, während Clueso Worte wie „Nichts muss mehr so sein“ oder „Du hast dich verändert – tut irgendwie gut“ im Titel „Alles leuchtet“ wählt.

Viel mehr spricht der Deutschpoet, der sein eigenes Label nach seinem Debüt „Text und Ton“ benannt hat, die Worte plötzlich unfassbar deutlich aus, sehr explizit, sodass man gar nicht anders kann, als den Text der Musik vorzuziehen, die jedoch auch sehr detailliert ins Ohr geht. Doch um auch diese hervorzuheben, wurden drei Interludes produziert. Mit dem ersten Interlude wird dann auch das nächste Kapitel eingeleitet, in dem die Töne wesentlich sanfter werden, der Text wieder etwas emotionaler, wie man es aus diversen Clueso-Hits kennt. Besonders der Titeltrack „Stadtrandlichter“ ist textlich so gut aufgebaut, dass er schon fast zum Favorit wird, obwohl er am wenigsten zu dem Rest passt. Vielleicht ist der Track einfach so wertvoll, weil aus ihm die Platte entstanden ist, weil es eben jene Stadtrandlichter waren, die Clueso zu dem inspiriert haben, was dann überhaupt entstehen konnte. Auch „Unter Strom“ gehört in dieses Kapitel und ist ebenfalls ein ruhiger und nachdenklicher Titel, der wirklich und absolut auf jedem Stadtrandlichter von Clueso - ab sofort erhältlich!vorherigen Clueso-Album hätte zu finden sein können – und deshalb passt er auch so gut auf genau diese Platte, weil der großartige Texter nun zu sich selbst gefunden hat.

Das nächste Kapitel wird mit einem weiteren Udo-Lindenberg-Feature namens „Sein Song“ eingeleitet und enthält zudem noch grandiose Tracks wie „Still„, der den elektronischen Hauch der Single „Freidrehen“ beibehält und auch noch in einer Remix-Version am Ende des Silberlings zu finden ist. „Ich falle noch“ oder „Geradeaus“ sind ebenfalls in der Sektion, wobei ersterer einen hymnischen Charakter hat und einer solcher Songs ist, die man hört und dabei in irgendwelchen Zwischenwelten versinkt, bis man vom darauffolgenden „Geradeaus“ mit ein paar Special Effects wieder zurückgeholt wird.

Abschließend ist auf dem Album das sehr emotionale „Nebenbei“ zu finden. Ein Song, ein echter Song. Man kann kaum eine Beschreibung finden: Pop-Blues-Ballade mit Schlagzeug. Vielleicht so. „Wir sitzen und lachen uns frei„. 3 Interludes, 2 Remixe (Still„, „Lass den Kopf nicht hängen) und 12 reine Tracks befinden sich unter den Stadtrandlichtern. Und was soll man dazu groß sagen. Das meiste ist bereits gesagt, und den Rest hört man am besten selbst. Endlich mal wieder ein Album, das sehr viel Interpretationsspielraum bietet – aber es ist ja auch eins von Clueso. Und dann noch eins von Clueso auf seinem eigenen Label Text und Ton ohne Fremdeinwirkungen.

Stadtrandlichter“ von Clueso | VÖ 19.09.14 | als CD, Download und Vinyl!

(c) Pressefoto: Christoph Köstlin

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