REVIEW: Paper Aeroplanes + Lee MacDougall | 22.03.2014 Dortmund FZW

Veröffentlicht: März 23, 2014 in Live-Reviews
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Lee MacDougall und die Paper Aeroplanes "Tales from Britain"Der englische Singer-Songwriter Lee MacDougall trifft auf das Waliser Duo Paper Aeroplanes. Geprägt vom rauen Leben an Britanniens Küste und inspiriert von Freundschaften, der Liebe, Enttäuschungen und dem Leben an sich, bringen sie gemeinsam Lebensfreude auf die Bühne. Eine gemeinsame Tour – ohne Support, ohne Headliner. Fast. Denn Lee MacDougall und die Paper Aeroplanes supporten sich gegenseitig und sind beide Headliner, mal er, mal sie.


Die Paper Aeroplanes haben am 14. März ihr eigentlich schon etwas älteres Album „Little Letters“ inkl. der Single „When The Windows Shook“ re-released, Lee MacDougall veröffentlichte am selben Tag seine Single „Falling In Love For The Last Time“ – beide Songs kann man zur Zeit in den deutschen Radios hören. Leider nicht in einer starken Rotation, da sowieso-schon-Hitsongs diese Spots natürlich wegnehmen – aber man ist ja froh, dass solch unbekannte(re) Acts überhaupt Airplays bekommen.

Am Abend des 22. März machten wir uns auf ins FZW Dortmund, um uns die drei Briten live anzuschauen. Hierzu hatte sich ebenfalls ein kleiner Kreis entschieden, sodass das kleine FZW mit ungefähr 70 Leuten jeder Altersklasse gemütlich gefüllt war.

Es ist schön, wenn man zu einem Konzert kommt und das geboten kriegt, von dem man eben auch genau das erwartet hat. Um kurz nach 20 Uhr betreten die Paper Aeroplanes zuerst die Bühne und starten mit ihrem Song „Ribbons“ aus der „The Circus„-EP – das Publikum ist ganz schweigsam und lauscht andächtig. Auch mit „Days We Made“ und „Skies On Fire“ widmen sich die ‚Papierflugzeuge‚, wie sie sich selbst zu Beginn der Show vorstellen („Das ist das einzige deutsche Wort, das wir kennen!„) zunächst ihren älteren Songs – mal ruhiger, mal ein wenig rhytmischer, doch immer mit Richard an der Gitarre – und auch Sarah greift häufig in die Saiten.  Sarah Howells Stimmvolumen wird beim neueren Song „Palm Of Your Hand“ hörbar, als sie zum Ende hin eine hohe Tonlage anschlägt und den kleinen, ruhigen Raum nur mit ihrer Stimme füllt. Sehr schön! „Red Rover“ überzeugt ebenfalls sehr: „Es gibt eine Geschichte zu dem Song. Die ist aber zu lang. So können wir lieber ein längeres Set spielen, statt sie zu erzählen!„.

Paper Aeroplanes „Fable“ live and acoustic:

Die smarte Sängerin fragt das zunächst verwirrte Publikum: „Habt ihr schon von One Direction gehört?„. In den Gesichtern ist die fragende Angst zu sehen, ob nun denn ein Cover der Jungs kommt. Nein! Sie klärt die Situation umgehend auf: Bei ihrem letzten Konzert in Dortmund (bei dem übrigens 4 der heute Anwesenden ebenfalls dabei waren), stellte sie dieselbe Frage und eine Person antwortete mit Ja – heute waren es schon mehrere. Der darauffolgende Song „Same MistakesPaper Aeroplanes“ hat den gleichen Songnamen wie ein Lied von One Direction, jedoch handelt es sich um kein Cover. Puh! Nochmal davon gekommen. Dennoch stellt Sarah fest: „Ihr seid so ruhig in Dortmund. Ihr braucht mehr Bier!„. Mit „Fable“ spielen Richard Llewellyn und Sarah Howells ihr Lieblingsslied vom „Little Letters„-Album und natürlich dürfen auch die aktuelle Single „When The Windows Shook“ sowie der Titeltrack „Little Letters“ nicht fehlen. Das Duo bedankt sich: „Danke, dass ihr gekommen seid, um Lee und uns zu sehen. Wenn ihr auf Twitter seid, schreibt uns – wir sind den ganzen Tag über sehr gelangweilt im Auto…„. Der letzte Song des heutigen Sets ist „Circus„. Der Name des letzten Titels ist Programm: Die Paper Aeroplanes haben es mit ihrer zauberhaften und ruhigen Musik geschafft, das aufmerksame Publikum für gute 45 Minuten aus dem Alltagszirkus zu entreißen und etwas Ruhe zu schenken.

Wenige Zeit später kommt Lee MacDougall auf die Bühne, sein Set mit einem Song über „Joanna“ beginnend, gefolgt von „Handsight„. Schnell hat er die Fans auf seiner Seite: „Mein Manager hat mir gesagt, dass es gut ankommt, wenn ich Deutsch spreche.“ – und da man auf seinen Manager hört, spricht Lee zwischen mindestens jedem Song ein paar deutsche Worte oder erzählt Anekdoten, allen voran diese: „Auf der letzten Tour hatte ich keinen ’stand‘ für meine Gitarre. Dieses Mal wollte ich jedoch einen. Also bin ich in einen Musikladen gegangen und habe der Verkäuferin gesagt: ‚Auf meiner letzten Tour hatte ich keinen Ständer…‘, sie guckte verdutzt, ich hab‘ weitergeredet: ‚Dieses Mal hätte ich gerne einen Ständer … können Sie mir helfen?‘“ – natürlich sind ihm die lauten Lacher des Publikums bereits hier sicher. Und wie! Die Chance möchte Lee auch nutzen, um Tom Lüneburger zu danken, den er an diesem Abend auch noch häufiger erwähnt – insbesondere im Zusammenhang mit solchen Geschichten über peinlichen Gebrauch deutscher Worte: „Aber irgendwie sind wir noch immer Freunde!„.

Lee MacDougall „Joanna“ Moonlight Session:

Lee MacDougall ist ein Entertainer, das steht fest. Mit seinem Reden zieht er das Publikum fast mehr auf die Seite als mit seinen Songs, aber auch diese singt er gefühlvoll und stets mit seiner Gitarre in der Hand. Es folgen „London In The Summer“ und „The Star Hotel„. Mit „She“ geht es weiter und MacDougall erreicht auf der „Wie entertaining ist ein Konzert“-Skala die 10 von 10. Hier verschwindet er doch glatt von der Bühne und gesellt sich ins Publikum, das einen Kreis um ihn bildet. Mit seiner Stimmkraft und Gitarre präsentiert er hier mal etwas komplett akustisch und erinnert beispielsweise an Lee MacDougallSinger-Songwriter-Größen wie Passenger. Es herrscht absolute Wohnzimmerkonzert-Atmosphäre, gemütlicher geht’s kaum (nur die Couch fehlt). Den „Girls just wanna have… fun, girls…„-Part aus selbigem Song singt das Publikum lautstark mit, bevor Lee wieder auf die Bühne geht und erzählt: „Es war den Paper Aeroplanes und mir eine Ehre. Wir wünschen uns, dass wir öfter in Deutschland touren. Schaut bei uns bei Facebook vorbei, stalkt uns wie wild. Wir sind heute 5 Stunden von Stuttgart nach Dortmund gefahren – irgendwann hatten wir uns nichts mehr zu sagen und haben alle 5 Minuten unsere Seiten aktualisiert: Gibt’s einen neuen Like? Das ist das Einzige, was uns auf der Fahrt noch freut. Mein persönliches Highlight des Tages war als ich sah, dass McDonald’s ein McCafé hatte.“ Na, wenn’s mehr nicht ist. Nach der Unplugged-Erzähl-Einlage gibt Lee „Stay“ zum besten, worauf ein großartiges Mash-Up folgt – „Clint Eastwood“ (Gorillaz) / „Fresh Prince Of Bel Air“ (Will Smith) / „Amadeus“ (Falco) / „MfG“ (Die Fantastischen Vier) / „Billie Jean“ (Michael Jackson) – wobei „Clint Eastwood“ der upgemashte Song ist, der die Zuhörer sogar zum Tanzen animiert und „MfG“ sorgt natürlich für großen Jubel, ein Brite singt Deutsch. Nach der kleinen Party spielt der Anzugträger mit „Smile“ ein Liebeslied und verabschiedet sich von der Bühne, um ganz kurz darauf gemeinsam mit den Paper Aeroplanes schon wieder auf die Bühne zu steigen und die Songs „A Girl In New York“ und „Newport Beach“ abschließend zu singen.

Auch wenn eine Zugabe gefordert wurde: Sie konnte nicht gegeben werden, da um 22 Uhr bereits der Einlass für die nächste Veranstaltung stattfand. Doch das hielt die Anwesenden nicht davon ab, sich am Merchandise-Stand noch mit CDs einzudecken. Ein rundum gelungener Abend, bei dem uns drei Briten mit ihren Liedern wunderschöne Geschichten erzählten – und zu den Geschichten innerhalb der Lieder gab’s noch Geschichten zu den Liedern und zum Leben, aus dem Leben. Tales from Britain eben, vom Feinsten.

 

(c) Fotos: Paper Aeroplanes, Lee MacDougall
(c) Konzertfotos: C. Söhnchen, R. Bektas

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