REVIEW: Clueso | 26.11.2014 Oberhausen, König-Pilsener-ARENA

Veröffentlicht: Dezember 3, 2014 in Live-Reviews
Schlagwörter:, , , , , , , , , , , , , , , ,

Clueso LIVEDas Ergebnis seiner Kreativpause, die über ein Jahr Bühnenpause beinhaltete, legte Clueso im September in Form seines neuen Albums ‚Stadtrandlichter’ vor. Zum ersten Mal bringt Clueso ein Album komplett in Eigenregie heraus, erschienen ist es auf seinem eigenen Label Text und Ton, das nach seinem ersten Album benannt wurde. Ende Oktober startete der Sänger mit einer kurzen, ausverkauften Clubtour durch Österreich, Schweiz, Niederlande und Luxemburg, um anschließend auf große Hallentour durch Deutschland zu gehen. Wir waren in Oberhausen dabei!

Nach vielen kleinen Club-Konzerten in diesem Jahr, war es mal wieder Zeit, uns eine Arena-Show anzuschauen – aber nein, es ist nicht die Rede von P!nk oder Co., die generell nur Arenen buchen, sondern es ging in die König-Pilsener-Arena nach Oberhausen zur „Stadtrandlichter“-Tour von Clueso.

Durch das leider nicht bekannte Timing für die Vorband, ist es um kurz vor 19:30 Uhr noch verhältnismäßig leer der Halle: AnnenMayKantereit stehen schon auf der Bühne, als wir um kurz nach halb 8 reinkommen und glücklicherweise erst einen halben Song verpasst haben. Der Beginn war AnnenMayKantereit LIVEüberall für 20:00 Uhr verzeichnet, sodass wir uns auch danach richteten. Die Kölner Jungs spielen ihre Songs ohne großes Gerede runter, vergessen dabei aber nicht, sich bei Clueso zu bedanken und hin und wieder doch ein paar Worte zu finden: „Mein Vater hat sich den Titel selbst ausgesucht. Das ist ein Liebeslied für ihn!“, leitet Sänger Henning May „Oft gefragt“ ein und setzt sich für „Altbauwohnung“ ans Keyboard. Die Herren lachen eher selten, sind sehr fixiert und konzentriert auf das musikalische Geschehen, welches wir übrigens sehr gut finden. Uns wundert nur, dass eine SO dunkle Stimme aus einer eher so ‚mickrigen‘ Person kommt. Wahnsinn! Auch aus dem Publikum ertönt ein „Geile Stimme“-Ruf. Die Kombination aus der Klarheit des Sängers‘ Stimme und den prägnanten, klaren Texten macht das Zusammenspiel nahezu unperfekt perfekt. „Also, wir bedanken uns recht herzlich und wünschen gleich viel Spaß mit Clueso!“, verabschieden sie sich nach einer halben Stunde Spielzeit. Und wie es sich für Freunde gehört, gibt’s noch eine Umarmung zum Abschluss.

Eine ungewohnt kurze Pause lässt gerade einmal Zeit, nochmal die Toilette aufzusuchen und ein ziemlich teures Getränk zu holen, da steht die Band samt Clueso auch schon auf der großen Bühne – 20:15 Uhr, passend zur Prime Time. „Pack meine Sachen“ ist der große Opener des Clueso LIVEAbends und versprüht direkt ein bisschen „Liebe überall“ und animiert die Besucher der nicht ausverkauften Halle zum Mitmachen, bevor es eine Begrüßung gibt: „Einen schönen guten Abend Oberhausen! Clueso und Band!“, heißt es kurz und knapp, und schon spielen selbige auch schon den HitZu schnell vorbei“. Doch so schnell vorbei wird es heute Abend nicht sein, es warten noch einige Überraschungen auf die Zuschauer, die mit ca. 40 Euro einen fairen Ticketpreis gezahlt haben und beim Einlass sogar noch einen liebevoll gestalteten Clueso-Tourguide zum Mitnehmen und Erinnern sowie über die Leinwand teilweise selbstgedrehte Videos dazu erhalten.

Beim dritten Titel „Mitnehm‘“ in der Reggae-Version kommt Clueso bereits ins Schwitzen, sodass er sich die Jacke auszieht und die Fans weiterhin zum Mitklatschen animiert. Ein Energiebündel, das über die Bühne sprintet. „Es wär schön, wenn ihr dazu euren Arsch bewegt, bitteschön“, kündigt der Erfurter „Freidrehen“ an und die Masse bewegt sich im Takt, bevor mit „Beinah“ ein ein wenig ruhigerer Titel den Weg auf die Setlist gefunden hat: Der Fokus liegt auf der Bühne und der Leinwand dahinter, denn darauf ist das rote Licht gerichtet. „Ich überlege, ob ich ‘ne Ansage mache oder nicht“, sagt Clueso, „Kannst du mal eben Licht machen? Ich will mal die Leudde sehen!“, wünscht er sich, „Mal sehen, ob ihr den nächsten Song kennt, wir machen eine kleine Reise in eine schöne Stadt… Chicago!“, prophezeit er die kurz darauf folgende Tatsache. Oberhausen singt und jubelt laut mit, besonders im Refrain! Die Hände schunkeln in einem schnelleren Takt hin und her, wie eine Welle. Nicht nur wegen der Bühnenbildeinblendungen wird man zum Träumen eingeladen – so bekommen übrigens auch die hinteren Reihen und Sitzplätze etwas von der schönen Inszenierung mit.

Zwischendurch werden die Bandmitglieder immer wieder namentlich genannt, wie auch vor dem Titel „Keinen Zentimenter“, als ein „Philipp an den Keys“ ertönt, der ein schönes Interlude abliefert. „Einen haben wa noch“, leitet Clueso den letzten Part des Songs ein und hält sein Mikro dafür in die ersten Reihen, die kontinuierlich mitmachen. Well done! Es scheint wirklich ein Konzert zu sein, wie es immer wieder betitelt Clueso LIVEwird: Clueso & Band. Denn im Gegensatz zu zahlreichen anderen Künstlern, ist Clueso hier einfach Bandleader, aber keinesfalls jemand, der sich als solcher ausgeben möchte. So oft wie sie genannt werden, sollte jeder zum Ende des Konzerts die Namen der wunderbaren Clueso-Band kennen. „Manchmal hat man so Momente, da möchte man einfach die Augen zu machen. Wir haben einen Song drüber geschrieben!“, leitet der Sänger „Augen zu“ ein, der sodann mit einem Trompeten- und Schlagzeugintro startet – doch damit nicht genug, erwartet das Publikum noch ein richtig geiler (das darf man hier mal so direkt sagen) harmonischer Part von Schlagzeug und Trompete, der richtig rockig daher kommt, sodass man sich kurzzeitig wirklich wie in einer Rock-Show fühlt, völlig unerwartet und ziemlich großartig.

Barfuß über Glas“ hat er mit seinem Schlagzeuger und Kumpel Tim Neuhaus geschrieben, „der Song markiert den Übergang vom Rap zum Songwriter“, erzählt er, bevor das Dreiergespann Christoph Bernewitz an der E-Gitarre sowie Clueso und Tim jeweils an der Akustikgitarre allein auf der großen Bühne stehen und im Anschluss in dieser minimalen Besetzung auch noch „Ich bin für’s Rollen“ zum Besten geben, das thematisch an das vorangegangene „Barfuß“ anknüpft und auch neue Wege und Unsicherheit beschreibt. „Stadtrandlichter“ lockt wieder die vollständige Band auf die Bühne, die ein langes Intro zu „Alles leuchtet“ spielt, während Clueso, von Nebel umgeben, auf dem Podest steht und der gesamte Zuschauerraum mit klatscht, fast schon feiert. Auch von seinem WG-Leben spricht Clueso. Er beschreibt es grundsätzlich als „immer sehr lustig“, doch es gibt auch mal Momente, in denen das Leben nicht so schön ist, und da sagte jemand: „Ey der Regen ist wie Applaus für dich! Gruß an Max Herre!“, scheint die Einladung für den DJ zu sein, „Immer wenn es regnet“ von selbigem anzuspielen, bevor Clueso dann loslegt. Zwischendurch ist es schon wie ein Erlebnis, dem smarten Sänger zuzuhören: „Muss mal überlegen, wie ich den Twist hinbekomme. Es ist ein Song mit Udo. Es ist ein Song über einen Traum. Ich finde Träume sehr wichtig! Es ist ein Song von einem kleinen Jungen, ‚Sein Song‘ heißt er. Oberhausen, alles cool?“, schreit er, als etwas Unerwartetes passiert: „Mir ist grad ‘n Vieh in den Hals geflogen. Kein Scheiß. Tut mir auch leid, dass wir uns jetzt so getroffen haben!“, lacht er, als die nächste Überraschung bevorsteht und Wolfgang Niedecken auf der Bühne steht: „Es ist mir immer wieder eine Ehre, von Clueso eingeladen zu werden!“. Gemeinsam singen sie den Hit „Verdamp lang her“ von BAP, was Niedecken freut: „Dass ihr so schön singen könnt, wusste ich gar nicht. Es war mir ein Fest, vielen Dank!“, bedankt er sich, und auch Clueso muss noch was loswerden: „Ihr habt’s gar nicht Clueso LIVEmitbekommen, aber mitten im Song hat er sich umgedreht ‚Kann man die mieten?‘“. Was ein Kompliment für Oberhausen!

Es scheint fast, als würde die Tour von großen Überraschungen getragen: Norman Sinn und Steer MC betreten die Bühne, um Clueso bei seiner Ansage zu unterstützen: „Wenn der Beat einsetzt, müsst ihr alle bouncen! Ihr müsst!“. Doch es ist nicht nur ein Song, die drei Rappenden präsentieren mit „Gib mir Mut / Da wohnt so’n Typ / Sonne geht auf / Spiel da nicht mit / Stumme Königin / Love The People / Gib mir Mut“ ein richtig fettes Hiphopmixmedley, auf das die Leute völlig abgehen. Doch auch, als Clueso das Medley mit „Gib mir Mut“ an der Gitarre beendet, sind sie voll bei ihm und der Übergang vom Rapper zum Songwriter ist völlig perfekt dargestellt. „Muss ich wohl doch noch ‘n paar Rapsongs schreiben“, reagiert er auf den großen Jubel aus dem Publikum, und brettert mit „Vielleicht muss ich noch ein paar mehr Rapsongs schreiben, der nächste Song kommt bestimmt, Rapsongs sind Quatsch, Rapsongs sind einfach schwer. Man, ich hab keinen Plan, Oberhausen, ich hab die tighteste Band hinter mir, auch die Band braucht mal ‘n Applaus! Yeahyeahyeahhh. Vielleicht gibt jemand dem Norman Sinn nochmal das Mikrofon, der kann so gut freestylen, Norman braucht nochmal ‘n Mikrofon, die Session ist noch nicht vorbei, das war ‘ne spontane Idee grad eben, ich hab’s selbst noch nicht ganz kapiert [uswusf]“ einen Freestyle hin, als Norman Sinn weitermacht und die Message rausgibt, die sie wirklich zu fühlen scheinen: „Ihr gebt die Energie, wir geben sie zurück“. Krass. Ist das da gerade wirklich passiert?! Jedenfalls ganz großes Kino, man weiß gar nicht so recht, wo man zuerst hinschauen und -hören soll. „Vielen Dank für die Mitarbeit, vielen Dank für’s Bouncen!“, bedankt Clueso sich angemessen, bevor der lange Konzertabend mit den Hits „Cello“ und „Gewinner“ langsam dem Ende zuneigt, „Clueso und Band, Dankeschön!“.

Für die Zugabe fällt der Vorhang runter und so bleibt er auch während dem bassigen „Out Of Space“ in einer neu gemixten Version: Plötzlich kommt man sich vor, als säße man inmitten einer Show eines US-Stars á la Pharrell Williams – krasse Projektionen, durchsichtiger Vorhang, hinter dem man die Band und Clueso tanzen sieht, ein Publikum, das alles völlig abfeiert. Wahnsinn! Clueso LIVEAuch während der zweiten Zugabe „Geisterstadt“ ist der Vorhang noch unten, als er synchron mit Cluesos „Yeeeeeah“ plötzlich langsam und sanft fällt und die Band noch einmal vorgestellt wird: „Vielen Dank für diesen wundervollen Abend, Oberhausen. Dankeschön!“, versucht er, sich zu verabschieden, „Noch einen drauf? Dann müsst ihr auch tanzen. Letzter Song vielleicht. Wirklich. Irgendwann glaubt mir keiner mehr. Let’s dance..! Leute, bewegt euch zu dem Beat, ihr seht sexy aus!“, wird „Bleib hier“ eingeleitet. „Küsse gehen raus an Viva Con Agua. Die sammeln heute hier Pfand für eine gute Aktion ein!“, supportet er die Organisation noch, ehe es zur Eigenwerbung kommt: „Achja, ich muss noch Werbung in eigener Sache machen. Wir sind für die 1Live Krone nominiert. Und ich möchte dieses Ding haben!“, bittet er die Besucher der KöPi-Arena, um dann mit „So sehr dabei“ den letzten Song zu spielen: „Holt eure Handys raus und bastelt uns einen Sternenhimmel!“.

2 ½ Stunden Live-Dröhnung von Clueso und Band, auf dem man trotz des ungemütlichen Arenacharakters eine familiäre Atmosphäre geboten bekommt und sich absolut frei bewegen und tanzen kann. Eine Live-Empfehlung, die man kaum beschreiben kann, sondern erleben muss, da sicherlich ein paar Details verloren gehen; aber WIE positiv wir das Erlebnis fanden, ging hoffentlich nicht unter.

>> Hier geht’s zur Foto-Galerie Clueso / AnnenMayKantereit, 26.11.2014 Oberhausen.

(c) Konzertfotos: R. Bektas

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.