|| IM DIALOG MIT … LYGO

Veröffentlicht: Dezember 9, 2021 in Interviews, Musik, Verlosungen
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LYGO haben die angekündigte Pause zu einer produktiven Verschnaufpause gemacht und melden sich mit ihrem neuen Album „Lygophobie zurück! Wir hatten Fragen – ein Interview!

LYGO machen Deutschpunk eigenhändig wieder relevant. Ende Oktober erschien mit „Lygophobie“ das dritte Album des Ex-Bonner-jetzt-Kölner Trios auf Kidnap Music. Mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und klugen Texten schafft die Band es, unsere große, komplexe Welt für dreieinhalb Minuten ein bisschen verständlicher zu machen.

25 Sekunden Zeit zum Luftholen gönnen einem LYGO ganz am Anfang ihres neuen Albums, bevor „Schockstarre“ losbricht, danach bleibt nicht mehr viel Zeit zum Atmen. Für 42 Minuten reißt „Lygophobie“ mit. Aber es hätte ganz anders kommen können: Mit ihrer letzten Tour im September 2019 verkünden sie eine Pause auf unbestimmte Zeit – nicht etwa, weil sie sich auflösen wollen, nein, einfach um die letzten Jahre mal wirken zu lassen und Platz zu schaffen für den ganzen Kram, für den man sonst neben der Band kaum Zeit hat.

Doch Zeit nimmt sich Simon Meier (Gitarre/ Gesang) von LYGO für ein paar spannende Antworten in unserem kleinen Talk!


IM DIALOG MIT… LYGO

Schockstarre“ als Opener – also habt Ihr es geschafft, aus genau dieser rauszukommen. Glückwunsch. Welcher Moment der Pandemie war der größte Schockstarre-Moment?
In meiner Erinnerung war der Anfang der Pandemie der größte Schockmoment, weil so vieles, was vorher selbstverständlich war, auf einmal nicht mehr ging. Die erste Reaktion war aber ja nicht wirklich eine Schockstarre, sondern viele haben erstmal einen recht hektischen Umgang mit der Situation gewählt. Die Starre kam dann eher als klar wurde, wie lange sich das ganze ziehen wird, vor allem der Winter 2020/21 war schon ziemlich zäh.

Bei Euch geht es mit „Schockstarre“ wahrscheinlich auch primär um die Bandpause, aus der Ihr Euch zum Glück rausgeholt habt. Wie war der kalte Entzug ohne Probenraum, Studio, Bühnen und ohneeinander als Band?
Der Aufruf ‚Raus aus der Schockstarre‘ lässt sich in verschiedener Weise verstehen, von sehr persönlich auf die eigene Situation bezogen bis hin zu größeren gesellschaftlichen Zusammenhängen. Das Gefühl des Stillstands und die Frage, wie man da rauskommt, waren ja sehr präsent über die letzten anderthalb Jahre. Aber klar lässt sich der Song auch auf uns als Band beziehen. Wir haben September 2019 mit unserer „Irgendwann ist auch mal gut mit der Scheiße, aber heute noch nicht“ -Tour die letzten Konzerte gespielt und dann zum ersten Mal eine Pause eingelegt. Dass wir als Band gar nichts gemacht haben, waren nur wenige Monate, aber die waren hilfreich, um mal den Kopf freizukriegen und zu überlegen, wie die letzten Jahre waren, wie wichtig uns LYGO ist und ob es auch ohne gehen könnte. Bei den ganzen Einschränkungen durch die Pandemie hat uns mehr das ganze Drumherum, das Unterwegssein und das Besuchen von Konzerten gefehlt, als dass wir uns unbedingt nach eigenen Konzerten gesehnt hätten.

Wie kam der erste Kontakt zum Weitermachen zustande – und wann wurde welcher Song zuerst aufgenommen?
Wir haben schon Ende 2019 wieder angefangen, neue Songideen zu sammeln. Es gab weder Druck von außen, noch wollten wir selbst unbedingt ein neues Album schreiben und irgendwie kamen aus dieser zwanglosen Situation sehr viele Ideen in kurzer Zeit zusammen. Tatsächlich gibt es eine Demoversion von „Schockstarre“ , wo auch schon der Refrain gesungen wird von Februar 2020, also bevor die Pandemie hier wirklich zum Thema wurde. Dann kam der erste Lockdown, es gab wenig Ablenkung und viel Zeit, um Songs aus den vielen losen Ideen zu machen. Und im Laufe des Sommers war dann klar, dass es auf ein neues Album hinauslaufen wird.


„Dass wir als Band gar nichts gemacht haben, waren nur wenige Monate, aber die waren hilfreich, um mal den Kopf freizukriegen und zu überlegen, wie die letzten Jahre waren, wie wichtig uns LYGO ist und ob es auch ohne gehen könnte. „


Ist der Name LYGO durch das Wort Lygophobie entstanden – oder kam der Titel jetzt durch Zufall, weils einfach passt?
Unser Name LYGO kommt woanders her, wir machen aber gerne ein Geheimnis daraus. ‚Lygophobie‘ ist ein Begriff, über den wir schon vor Jahren gestolpert sind und bezeichnet die übermäßige Angst vor der Dunkelheit. Bei der Suche nach einem Albumtitel haben wir gemerkt, dass sich viele der Songs mit diesem Motiv der Angst vor der Dunkelheit in Verbindung bringen lassen. Teilweise recht konkret im wörtlichen Sinne, etwa wenn es in ‚Kommentarspalte‘ oder ‚Auf deine Bitte‘ darum geht, die ganze Nacht vor dem Bildschirm zu verbringen. Vor allem aber ist es als Metapher zu verstehen. In ‚Altersheim‘ geht es zum Beispiel um die Angst vor der eigenen Endlichkeit, aber auch um Zukunftsängste, die die Existenz von Menschheit und Erde betreffen.

Habt Ihr selbst Angst vor der Dunkelheit – im Sinne von Schattenlichtdunkelheit oder aber von der ‚darkness‘ , die auf der Welt teilweise abgeht?
Angst im Dunkeln haben wir nicht, aber diese existenziellen Fragen, die ich gerade schon angerissen habe, beschäftigen uns natürlich. Im Endeffekt sind es ja Fragen, die alle Menschen irgendwie mit sich ausmachen müssen, manche machen das im Stillen für sich und andere sehr offen. Für uns ist halt ein Teil des Umgangs mit solchen Ängsten, sie in Songs zum Thema zu machen. Aber auch die oft ja sehr düsteren Nachrichten und die Art, wie wir diese wahrnehmen, haben wir an mehreren Stellen des Albums zum Thema gemacht.

„Kommentarspalte“ – wie handhabt Ihr es selbst? Lest Ihr gern Kommentare bei Zeitungsartikeln oder regt Euch das nur auf? & wenns um Eure Musik geht?
Kommentarspalten unter Zeitungsartikeln zu lesen macht ja meistens schlechte Laune und wir halten uns alle nicht wirklich damit auf. Die Kommentare auf unseren eigenen Kanälen lesen wir schon. Das ist bei uns auch recht überschaubar. Wir freuen uns natürlich, wenn wir lesen, dass Leute mit unserer Musik was anfangen können oder sich auf anstehende Konzerte freuen.


„In ‚Altersheim‘ geht es zum Beispiel um die Angst vor der eigenen Endlichkeit, aber auch um Zukunftsängste, die die Existenz von Menschheit und Erde betreffen.“


Im Song an und für sich geht es um Schlafgestörte und Ihr habt original YouTube-Kommentare vertont. Wie kamt Ihr auf die Idee und wonach habt Ihr gesucht?
„Kommentarspalte“ war neben „Schockstarre“ einer der ersten Songs, von denen es eine komplette Instrumentalversion gab. Dann bin ich nachts über die Kommentare eines einzelnen YouTube-Videos gestolpert, ohne nach irgendwas Bestimmtem zu suchen. Aber ich fand interessant, was da so von sich gegeben wurde, habe ein paar englische Kommentare ins Deutsche übersetzt und ein bisschen rumgeschoben, bis es auf die Länge der Verse gepasst und sich einigermaßen gereimt hat. Irgendwie hat der Song mit uns was gemacht. Und der Gesang hat einen recht positiven Unterton. Ich habe jetzt schon mehrfach mitbekommen, dass Leute anhand des Titels dachten, der Song würde irgendwelche total negativen Kommentare zitieren und dann überrascht waren, dass er eine völlig andere Richtung einschlägt.

Denkt Ihr jetzt an live – welchen neuen und alten LYGO-Song würdet Ihr am liebsten jetzt sofort in die Meute knallen?
Vom neuen Album freue ich mich vor allem auf „Warmes Bier & Kalter Kaffee“ . Der macht einfach Bock, ich mag das Gitarrengedudel und den eingängigen Chorus. Von den alten Songs ist Störche der, den die meisten Leute hören wollen und glücklicherweise spielen wir den selbst immer noch gerne.


„Ich habe in der Zeit, wo wir „Lygophobie“ aufgenommen haben, viel Popmusik gehört, vor allem das Album „Future Nostalgia“ von Dua Lipa lief bei mir rauf und runter.“


War für Euch schon immer klar, dass Euer Sound Punkrock werden wird – ist das das, was Ihr selbst auch immer gehört habt oder gibts ‚Guilty Pleasures‘?
Wir haben das, was wir machen, von Anfang an in Richtung Punkrock wahrgenommen, aber das heißt ja nicht, dass wir auch den ganzen Tag solche Musik hören. Daniel hört in letzter Zeit unter anderem gerne instrumentalen Post-Rock. Ich habe in der Zeit, wo wir „Lygophobie“ aufgenommen haben, viel Popmusik gehört, vor allem das Album „Future Nostalgia“ von Dua Lipa lief bei mir rauf und runter. Ich schätze, das passt am ehesten zu dem, was du mit Guilty Pleasure meinst.

Und wenn wir schon einmal dabei sind, lasst auch den Gegenpart machen: Welche ‚upcomping bands‘ Eures Genres könnt Ihr empfehlen?
Mr. Linus aus der Schweiz singen auch auf deutsch und haben mit der „Revue“ EP bisher erst vier Songs veröffentlicht. Das letzte Leto-Album „Wider“ hat mir auch gut gefallen, aber die Band gibt es auch schon eine Weile. Was ganz Neues habe ich gerade spontan nicht auf dem Schirm.

Welches Fahrgeschäft oder welche Süßigkeit der guten alten Kirmes wär denn wohl die Platte „Lygophobie“ ?
Eine Achterbahn im Dunkeln mit ganz vielen Neonröhren.


VERLOSUNG
Gewinnt 2x 1 CD:
LYGO – „Lygophobie

Mailt uns einfach bis zum 19.12.2021, 23:59 Uhr unter dem Betreff “LYGO CD” an win(at)the-pick.de und gebt bitte Eure vollständige Anschrift an und schreibt uns doch bitte, warum ‚Lygophobie‘ von LYGO nicht in Eurer Sammlung fehlen darf. Unvollständige Mails und Mehrfacheinsendungen können wir leider nicht berücksichtigen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. ++ Hinweis: Aufgrund der Corona-Pandemie (bzw. des Lockdowns) wird sich der Versand voraussichtlich verzögern, da die Labels aktuell nicht in die Büros dürfen. Wir bitten um Verständnis!
Viel Glück!




Fotocredits: Sebastian Igel

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