Das zweite Reeperbahn Festival (in der kulturell wertvollen Hansestadt Hamburg) inmitten der Pandemie darf aufgrund von „3G“ stattfinden und gibt der Kultur- und Musikszene eine große Chance, die von vielen Menschen wohlwollend angenommen wird. Ein Nachbericht.

Corona. Pandemie. 3G. Worte, die unser aller letzten Monate bestimmten. Die Clubs waren dicht, keine Tanzveranstaltungen, keine (Groß-)Events, keine Livemusik. Totenstille, fast 2 Jahre. Zwischendurch durften dank gut durchdachter Hygiene-Konzepte einige Open Airs im Sommer stattfinden – und irgendwie im letzten Jahr auch das Reeperbahn Festival. Dieses Jahr machen drei große Gs noch mehr aus und möglich: geimpft, genesen, getestet (täglich frisch) – so darf man am Reeperbahn Festival teilnehmen und darauf wird akribisch geachtet, denn man lässt vorher seine Zertifikate überprüfen und erhält ein „3G-Wristband“ , sodass jede*r sofort erkennen kann. Doppelte Sicherheit gibt es mit der partymate App, mit der man sich für jeden Spielort gesondert eincheckt. Warum schreiben wir darüber so ausführlich? Weil wir finden: Safety first. Denn ja: Corona. Pandemie. Gibt es natürlich noch. Sind wir mittendrin, quasi. Leider. Aber: 3G und Masken helfen uns, die Ausbreitung (hoffentlich) zu minimieren und vor allem darf so endlich wieder Kultur stattfinden und das Reeperbahn Festival im schönen Hamburg ist vielleicht das Paradebeispiel dafür, wie man es richtig und kontrolliert machen kann, sodass sich alle wohl- und niemand benachteiligt fühlen muss.

Genug von dieser Covid-Thematik – da wir uns auf dem Reeperbahn Festival endlich mal wieder „normal“ und frei gefühlt haben, möchten wir dieses Wörtchen auch kaum noch erwähnen, denn davon haben wir alle im Alltag ja schon genug, oder?!

Überhaupt herrschte von jetzt auf gleich eine verrückte Normalität auf dem Reeperbahn Festival, die man so gar nicht mehr gewohnt ist; die aber unfassbar gut tut und dem Wohlbefinden mehr Vitamin D als Sonne (damit ist es in Hamburg ja manchmal etwas schwieriger, aber hey – wir hatten nur einen Tag Regen, den anderen okayes nordisches Wetter und am letzten gab es sogar Sonne on top, wie wunderschön) gibt: Schlange stehen vor Clubs, in denen es gleich Livemusik gibt; mit fremden Menschen reden, die das alles genauso vermisst haben wie wir; die Hüften zu guten Vibes schwingen; frei durch die Stadt laufen; die wichtige „Fridays For Future“ -Demo von der vollen Brücke aus beobachten (es waren unfassbar viele Menschen da!) und irgendwie Teil von etwas Großem sein; Döner nachts um halb 1 essen und über die überfüllte Reeperbahn spazieren (okay, das war etwas strange, WIE krass überfüllt sie war und WIE dicht man an anderen Menschen war); altbekannte Gesichter endlich wiedersehen und etwas über die letzten zwei Jahre quatschen; ein Bierchen in einem Konzertclub genießen und einfach die pure Freiheit erleben – und fühlen. Und Livemusik wahrhaftig erleben. In einem Club. Ey… Dieses Gefühl. Dieses Vibrieren unter den Füßen. Das Glück der Menschen vor und auf der Bühne zu sehen. Zu merken, dass man vor Freude platzen könnte. Dankbar. So unendlich dankbar dafür, dass das Reeperbahn Festival alles dafür getan hat, genau das möglich zu machen im Jahr 2021 – und auch 2022 wieder tun wird, denn dafür gibts schon die Early Bird Tickets, exakt hier.



Wir sind erst am frühen Donnerstagnachmittag angereist, haben einige Highlights leider verpasst, wiederum aber auch einige vor uns – und durften mit den lieben Menschen vom Stadtmarketing Hamburg Tourismus (@hamburgahoi im Social Media) auch noch ein paar Highlights der Hansestadt erleben und Insidertipps erhaschen und möchten Hamburg-Visitern an dieser Stelle sehr gerne ein paar Sachen empfehlen, die Ihr Euch auf den HH-Seiten aber auch nochmal genauer anschauen könnt: Hamburger Kunsthalle; Alster- bzw. Hafenrundfahrt (mal ehrlich: was wäre Hamburg schon ohne ein Astra und Fischbrötchen auf dem Wasser?); die schöne Innenstadt ist für einen Bummel immer gut zu besuchen; die Elbphilharmonie ist schon von außen ein Kunstwerk für sich – eine wahrhaftige Sehenswürdigkeit; abseits des Mainstreams gibt es für Szenegänger*innen einen Tipp – Karo(linen)- und Schanzenviertel rund um das Schulterblatt und die Schanzenstraße begeistern mit speziellem Flair, sehr alternativ; den Beatles-Platz mit Metallfiguren von Lennon & Co. – von denen aus man in die Große Freiheit gelangt und als Seitenstraße zur Reeperbahn nochmal ein bisschen Las-Vegas-Atmosphäre (was die Lichter betrifft) aufsaugen kann; der Hamburger Fischmarkt (jeden Sonntag ab 5 Uhr ist es hier Kult – ein Muss für den Besuch, auch für Nicht-Fischesser*innen) oder auch die Speicherstadt im Hafen. Fazit: Überhaupt ist diese Großstadt immer wieder eine Reise wert, die man auch sehr gut mit einem Musical-Besuch (Hamburg ist neben New York gefühlt die Musical-Hauptstadt der Welt) oder einem Kurztrip an die nahegelegene Ostsee verbinden kann; oder sogar sollte.



… und was uns besonders beeindruckt hat, war die Ausstellung (ja, vielmehr war es eine interstellare Mission) in den DeichtorhallenSPACE PROGRAM: RARE EARTHS“ von Tom Sachs. Wow! Direkter Hinweis: Bis zum 10. April 2022 könnt Ihr noch in den Genuss kommen. Überhaupt ist diese Location wunderbar, unsere Führung von und mit Rahel Bruns gab uns intensives Insiderwissen; ohne Führung wird die Fantasie noch mehr angeregt – man muss auf jeden Fall auf die Details achten, mehr möchten wir gar nicht verraten, damit jede*r sich sein eigenes Bild machen kann. „Man kennt ihn nicht – oder man liebt ihn!“ , war die Aussage während unserer Rundführung und wir können sagen: Wir kannten ihn nicht, haben uns in seine Kunst und Liebe zum Detail sofort verliebt, auf den ersten Blick. Wer es nicht nach Hamburg schafft, sollte sich mit seinem YouTube-Channel beschäftigen und wird danach vielleicht den Blick auf die Welt und Menschheit leicht verändern. Ein Satz: „Die eigentliche Pandemie ist die Handysucht!“ . Ertappt!



Entschuldigt, ein bisschen Hamburg-Liebe mussten wir kurz versprühen, denn rund um das Reeperbahn Festival gibt es eben auch noch Highlights zu entdecken, wenn man denn Zeit hat und nicht irgendwo 1-2 Stüdchen in einer Schlange verbringt, um dann Artist XY zu sehen. Die Bühnen sind vielfältig, vor allen Dingen ist das dem Key Change zu verdanken – mehr Sichtbarkeit für alle Geschlechter, checkt das unbedingt aus. Bei uns wurde daraus ein schöner Zufall, denn wir haben tatsächlich fast ausschließlich Frauen live gesehen.



Angefangen hat unser Musikprogramm im Festival Village (wo es übrigens auch viel an Kunst zu sehen gab, kleine Marktstände, leckere Snacks und Getränke, ein Paradies für Musiker*innen und viele Plätze zum Verweilen und Quatschen!) auf der Bühne von fritz kola mit einem Act, den wir tatsächlich noch nicht kannten (und das ist das Schöne beim Reeperbahn Festival: Man stolpert doch immer an neuer Musik vorbei!): The Hanged Man aus Schweden machen irgendwie Indie-Rock, Dream-Pop, Post-Punk und ziehen uns sofort in ihren Bann, ein bisschen psychadelisch klingt alles. Wie sie da stehen und ihre Songs performen, lässt uns sofort shazamen und ein bisschen in love zur Bühne schauen. Zack: Erster Act, erste neue Songs für die Lieblingsplaylist und ein erster Artist-Tipp, den wir Euch geben können. Said and done. Die nächste Station ist für uns der Lattenplatz vor dem Knust, denn hier möchten wir uns bewusst MOLA anschauen, die aufmerksame Leser*innen unseres Blogs schon kennen: Indie-Flair und Elektro-Beats, ruppige Texte, Girlpower en masse, Dancehall, Trap, wasauchimmer, Gegenwarts-Pop auf hohem Niveau und ohne Mainstream (zum Glück!), irgendwie quasi Anti-Pop. (Hamburger*innen können MOLA aus München übrigens auf dem Further Festival am 9./10. Oktober live erleben – neben Kat Frankie, Layla, Fuffi Fufzich usw.) Yeah!



Es wird schnell klar, dass wir leider nicht all unsere angepinnten Acts aus der klugen Reeperbahn Festival-App werden mitnehmen können, da wir es zeitlich nicht schaffen, auf dem Weg wen anders sehen oder aber die Location bereits voll ist (so zB. wie es zu erwarten war bei dem aktuellen Hype Schmyt im Uebel&Gefährlich, zu dem wir um 18:20 Uhr ungefähr 5 Minuten zu spät waren für den Einlass um 19:00 Uhr, denn ab 7 Leuten vor uns kam niemand mehr rein {aber knapp daneben ist eben auch vorbei} oder aber Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys im Mojo, aber da gehen wir im nächsten Jahr safe zur Tour, denn diesen Italiano-Schlager muss man mal live erleben). Halb so wild, denn zum Glück kamen wir zu Antje Schomaker ins Uebel&Gefährlich und durften so unsere erste richtige Clubshow nach fast 2 Jahren erleben: Mit einem Warsteiner aus der Flasche in der Hand standen wir im hinteren Mittelfeld und hatten einen perfekten Überblick über das gesamte Geschehen. Die Bühne war perfekt einzusehen, wir hatten alle(s) sozusagen vollständig im Blick und konnten zudem die Emotionen der Leute um uns herum ebenfalls aufsaugen. Plötzlich war dieses Gefühl wieder da, als erst die Band und dann Antje Schomaker auf die Bühne stürmte: Bauch. Herz. Kopf. Dieses Vibrieren unter den Füßen. Im gesamten Körper. Uff. Die Musik in uns, wirklich aus dem Moment heraus, von der Bühne direkt in uns gebeamt. Wir sind alle eins, während wir den altbekannten Songs ( „Ganoven“ , „Für einen Funken Euphorie“ , „Gotham City“ ), neuen Ohrwürmern (das sind die absoluten Hits „Verschwendete Zeit“ und „Zeichen“ sowie dem wichtigen Song „Auf Augenhöhe“ ) oder dem neuen Track ( „Ich muss gar nix“ ) lauschen, den wir am liebsten sofort pre-saven würden, denn das wird der neue Hit (HITHITHITHIT! aber jetzt erstmal fleißig „Zeichen“ streamen und bei den Radios wünschen) und ist an ironischem Humor (mixed with bitterer Wahrheit) kaum zu übertreffen. Chapeau – und wir stimmen zu, wenn sie sagt: „Das ist ein richtig guter Song!“ – all ihre Ansagen sind übrigens Gold wert und voller Wortwitz, Humor, Ironie und Leichtigkeit geprägt; aus Antje Schomaker strömt alles so heraus und das fühlt sich verdammt nochmal echt an und ist so selten im Deutsch-Pop. Wären wir nicht eh schon verliebt in Antje Schomaker, dann wären wir es spätestens nach dieser Clubshow, denn mit ihrer grandiosen Live-Band hat sie uns so richtig umgehauen und war für uns eines der Highlights auf dem Reeperbahn Festival, sodass wir uns sie am Tag danach gleich nochmal auf der ARTEconcert Stage angeschaut haben (der Auftritt wurde live gestreamed und ist on demand hier zu sehen). Verbraucher*innen-Hinweis: Im Spätherbst 2022 ist Antje Schomaker auf „Irgendwohin“ -Tour, die von Gastspielreisen und uns präsentiert wird, Dates und Tickets hier.



Von dort aus ging es zu JEREMIAS, die wir schon seit (Moment, wir checken mal eben, wann wir sie das erste Mal vertagged haben bei Insta – aha, das war der 26.11.2019 und kurz darauf hatten sie einen Takeover auf unserem Insta-Account) gefühlten Ewigkeiten echt gern hören, stark abfeiern und kurioserweise noch NIE live gesehen haben (whaaaat), aber ihr Debüt-Album „golden hour“ quasi dauerhaft hören, weil es so viele gute Vibes und Ohrwürmer hat und diese Stimme uns einfach wohlgesonnen ist. Wir schweifen schon wieder ab. JEREMIAS sind ebenfalls auf der ARTEconcert Stage aufgetreten (on demand hier zu sehen) und starteten mit „paris“ in ihr Set, wurden sofort mit großem Applaus begrüßt, der Platz war rappelvoll – und zack, da kommt eine Push Nachricht aufs Handy (Fluch und Segen diese mobile phones, ist ja wirklich so), die uns sagt, dass Leslie Clio bei Draußen im Grünen im wunderschönen Planten un Blomen Park spielt. Ähhh? Wie bitte? Ja, offensichtlich. Kurze Überlegung, aber da wir JEREMIAS auf jeden Fall auf ihrer Tour (Dates und Tickets hier) besuchen werden, sind wir rüber zu Leslie Clio, die wir bereits seit 20schießmichtot richtig doll lieben (vor allem wirklich live, da neben der großartigen Musik mit Band und dieser Stimme auch der teilweise sarkastische und trockene Humor eine Bereicherung ist, denn wir wissen ja alle: lachen ist gesund!), also wirklich seit ihrem Major-Debüt „Gladys“ – aber jetzt möchten wir sie natürlich nochmal eine Nummer mehr supporten, da sie ihr eigenes Label House of Clio gegründet hat. Girlboss at its best! Obwohl es ziemlich kalt war, haben sich einige hierher ins abgelegene Musikpavillon verirrt und tanzen, lachten, klatschten und sangen mit der Soul-Pop-Queen Leslie Clio um die Wette – denn wer so viel Spaß an dem Entertainment hat, was er gibt, der muss auch belohnt werden.



Wen wir natürlich auch unbedingt sehen wollten, war Mia Morgan (ja, die aus dem Internet), die wir schon einige Male live erleben durften (for the first time im August 2019, Live-Review hier nachzulesen) und die uns immer wieder begeistert hat – ob als Support für K.I.Z., bei einer Headliner-Show oder aber als Add-on bei einem Konzert von Drangsal oder BLOND. Diese Goth-Pop-Lady ist nicht nur ein wahrer Hingucker, sonndern vor allem auch die Frau der Ohrwürmer – ihre Indie-Hits „Valentinstag“ , „Es geht Dir gut“ oder „Waveboy“ haben wir gefühlt wöchentlich im Kopf oder auf der Playlist. Auch auf dem Reeperbahn Festival trat sie mit Band auf, was richtig einnehmend war; und das sogar auf der verhältnismäßig kleinen fritz kola Bühne. Normalerweise gibts auf Konzerten der Goth-Queen noch mehr Action und Bewegung, aber wichtig ist doch, – Achtung, cheesy upcoming – dass Mia Morgan herself bewegt (im Sinne von berührt, Ihr wisst schon). In der ersten Reihe gab es jedoch einige Tanzwütige, die mit Abstand in ihrer kleinen Goth-Gruppe mit bunten Haaren und spannenden Outfits nonstop die Hüften schwungen und offenbar eine richtig kleine Fan-Gang sind, was total schön anzusehen ist. Auch außerhalb des Bereichs der Truck-Bühne konnte man die Show sehen und sie wurde wohlwollend auf dem Festival-Village-Gelände angenommen. Mia Morgan, next best Goth-Star, for sure – wenn nicht jetzt schon.



Leider mussten wir den Auftritt ein bisschen eher verlassen, da um 22 Uhr der Auftritt von Balbina im Grünspan anstand. Eine Clubshow – da muss man beim Reeperbahn Festival besonders früh da sein. So trafen wir einen älteren Herrn, der direkt von der Edwin-Rosen-Show (zu der wir auch so unbedingt gern gegangen wären, but… Mia Morgan caught our hearts first!) zurück in die Grünspan-Schlange ging: „Das ist echt heftig dieses Jahr. Man muss mindestens eine Stunde vorher anstehen, um überhaupt reinzukommen. Jetzt ist heute auch noch Freitag. Aber hier an der Position haben wir Glück, bei der Show vorher stand ich noch weiter hinten.“ Tja. Puh. Durchatmen. Wir kommen wohl rein und können Balbinas erstes Konzert nach fast 2 Jahren live erleben. Oh mein Gott. Aufregung. Damals (2019) haben wir uns Tickets für die Elbphilharmonie gekauft, um „PUNKT.“ das erste Mal in voller Gänze und live mit Band zu hören. Das Schicksal, das diese Künstlerin (und viele weitere) ereilte: Die Pandemie ließ es nicht zu, mit dem Album, das am 10.01.2020 erschien, auf Tour zu gehen. Heute, anderthalb Jahre später, wäre es also nicht mehr angebracht, nur diese Songs zu spielen und so gibt es ein Balbina-Potpourri der „Balbina-Hits“ , wie sie selbst ein wenig ironisch scherzt: Von „Seife“ über „Nichtstun“ bis hinzu „MACHEN“ (eigentlich ein Feature mit Herbert Grönemeyer) ist alles dabei – jede Stimmung, jeder Song. Es gibt in der Tat Lieder von allen Alben, jede*r dürfte zufrieden sein. Wie immer gibt es von Balbina eine intensive Show voller Kunst, Mimik/Gestik auf den Punkt, krasser Band und eine Wucht an Songs – hier sticht wohl besonders „Sonne“ ins Gehör – ja, der bekannte Rammstein-Song, den sich Balbina zu eigen gemacht hat. Wortwörtlich. Wüsste man es nicht besser, würde man denken, das sei ihr Song, weshalb man es auch nicht als Cover bezeichnen kann. Eine sehr eigene, kunstvolle Interpretation trifft es schon eher. Fasziniert blicken die Leute zur Bühne, zwei können wohl nicht viel mit der Darbietung anfangen und gehen, andere stehen wie gefesselt da und lassen sich in den Balbina-Bann ziehen. Mal ehrlich: Sowas haben wir hier in Deutschland eigentlich kaum noch. Eine große Show im kleinen Club – und das ohne ausgedehnte Effekte, nur ein passender Lichtwechsel (mal heller, mal dunkler), der die Stimmung untermalt; ansonsten eine 4-Mann-Band und diese Wahnsinnsfrau, der Kunst so unglaublich wichtig ist. Übrigens: Balbina kämpft auch dafür, dass Künstler*innen wahrgenommen werden, gerade im Spotify-Streaming – hier sei Euch die Arte-Tracks-Dokumentation „Die Ungerechtigkeiten des Musikgeschäfts ans Herz gelegt und daraufhin eine bisschen weitere Selbstforschung zum wichtigen und spannenden Thema. Wer also den neuen Song „Hallo“ sucht, wird aus offensichtlichen Gründen ausschließlich via Apple(Music) fündig – oder kann sich im Musikvideo hier etwas Kunst (ja, das Wort taucht im Zuge der Künstlerin Balbina oft auf) anschauen. Nur wer wagt, der gewinnt!



Zwischendurch haben wir auf dem Reeperbahn Festival noch einige spannende Künstler*innen sehen dürfen, von denen man mit Sicherheit noch einiges hören wird: Pippa, Mulay, M.ByrdROTE MÜTZE RAPHI. & das ist es, was diese vier Tage Reeperbahn Festival  immer so besonders macht: Man ist mitten im schönen Hamburg, trifft viele spannende Menschen, hört interessante Geschichten, ist jederzeit mitten im Geschehen und entdeckt vor allen Dingen Unmengen an neuer Musik. Am liebsten würden wir uns wirklich das gesamte Line-up anschauen, jedes Konzert mitnehmen – aber auch das ist das Spezielle am Reeperbahn Festival: Es spielen so viele verdammt gute Leute parallel, dass es schier ungmöglich ist, alle(s) zu sehen. Und dann verquatscht man sich oder bleibt doch woanders hängen. Vorher erstellt man sich einen Plan und am Ende sieht dieser ganz anders aus – gewollt, ungewollt. Die Hauptsache ist: Das Reeperbahn Festival sorgt für eine Vielfalt in jeder Hinsicht und lässt uns auf den Seiten allein schon Bands (wieder-)entdecken.



Kritisch wird die Einlasssituation, die wir vorher schon angeschnitten haben, beschrieben; das hört man aus jeder Ecke. Man kauft sich ein Ticket und kommt nicht in jedes Konzert – manchmal sogar in mehrere nicht. Natürlich gibt es hier und da Hype-Bands, bei denen das klar ist, so wie bei uns Schmyt. Und deshalb finden wir das Gute: Das Reeperbahn Festival bietet eben nicht nur Jetzt-Hypes, sondern auch Gestern- und Morgen-Hypes. Will heißen: Irgendwo kriegt man immer Live-Musik und wenn ’nur‘ bei den Open-Air-Stages. Aber vielleicht sollte man trotzdem mal darüber nachdenken (obwohl es klischeemäßig für Hamburg natürlich schwieriger ist), mehr auf die Bühnen im Freien zu setzen: „Draußen im Grünen“ (Musikpavillon im Planten un Blomen), der NRJ-Reeperbus, die Bühne am Spielbudenplatz, die Festival Village (fritz kola Bühne) oder die arte Stage sind gelungene Beispiele mit großer Kapazität – und der Möglichkeit, die Musik selbst dann live zu erleben, wenn eigentlich schon „voll“ ist; denn natürlich sind Clubs wie der Grünspan, das Mojo oder Uebel&Gefährlich von der Kapazität her kleiner … und das sowieso, wenn wegen der Abstandsregel noch weniger Platz als ohnehin schon ist. Aber das Reeperbahn Festival wäre nicht das Reeperbahn Festival, hätten sie nicht längst ein Statement abgegeben, hier nachzulesen.



Unser Resümee ist immer wieder zwischen den Zeilen zu lesen, abschließend möchten wir aber noch sagen: Wir waren sehr gerne für zwei Nächte in Hamburg und haben Kunst, Kultur und Live-Musik endlich wieder völlig frei erlebt, neue Leute kennengelernt, alte Bekannte getroffen, nicht alle treffen können – und viel Astra (und auch mal Warsteiner) getrunken, coronakonform getanzt und neue Lieblingssongs shazamed. Und irgendwie doch kein Fischbrötchen gegessen, damn. Hamburg ist immer eine Reise wert und das Reeperbahn Festival hat sich unter sehr erschwerten Bedingungen die größte Mühe gegeben, zahlreichen Menschen ein schönes langes Wochenende zu bieten. Liebes Reeperbahn Festival, wir sehen uns 2022 wieder, vielleicht ist das ja dann sogar nach der Pandemie – Early Bird Tickets habt Ihr Euch hoffentlich schon gesichert, oder?!


Danke an das Stadtmarketing / Hamburg Tourismus, das Reeperbahn Festival und alle Spielstätten, Clubs, Open-Air-Stages, Kolleg*innen, Gastros, Macher*innen vor und hinter der Bühne (ein wirklich hilfreiches Security-Team!) und vor allem an die Künstler*innen, die wir live (und auch leider nicht) erleben durften. Ganz wichtig: KEYCHANGE beweist, wie divers vielfältig die Musiklandschaft sein kann, pardon, IST (!!!) – und da könnten sich bitteschön die Booker*innen der großen Festivals was abgucken. Denn ja: Es gibt mehr als alte weiße Männer (auch wenn genau ein solcher für viele das Highlight auf dem #RBF21 zu sein schien)



Ihr findet uns bei Insta @thepickde und da gibts unter den Highlights ein paar Eindrücke in Bild und Ton zu sehen. Privat gibt es uns @christbellchen & @iwishilivedinberlin. Say Hi!
& lasst uns 2022 gemeinsam ein Astra trinken, haben wir jetzt schon Bock drauf.


Oh. & hier gibts noch einiges zu entdecken, macht mal Shuffle an:



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