|| IM DIALOG MIT … KID DAD

Veröffentlicht: September 22, 2021 in Interviews, Musik
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KID DAD haben mit „As Soon As America“ gerade einen Wahnsinnssong rausgehauen – im Dezember folgt die EPBloom“ , im Februar 2022 eine Tour! Ein Interview!

Mit „As Soon As America“ veröffentlichen KID DAD nicht nur ihren bisher wahrscheinlich reifsten Song, sondern auch den ersten mit politischer Deutungsebene. Bisher waren die Songs und Texte von KID DAD introvertiert, behandelten (meist) das konkrete Innenleben von Sänger und Gitarrist Marius Vieth. Doch diesmal nicht. Wie der Titel bereits vermuten lässt, spannt die Auskopplung den großen Bogen vom Individuum zu globalen Problematiken, die im Leben jedes Menschen eine Rolle spielen – wie man es dreht und wendet, das Private ist politisch.

Auch die musikalische Seite ist spannend: „As Soon As America“ klingt fast wie eine andere Band, bietet Bedroom Pop mit Drum Machine, lässt aber auch HipHop- und Gospel-Einflüsse zu. Das Experiment glückt und unterstreicht einmal mehr, dass KID DAD eine von den heimischen Bands sind, die wir hier nicht verpennen dürfen. Außerhalb von Deutschland hat man das bereits kapiert: Sirius XM Radio in den USA spielt die KID DAD, genau wie BBC1 und Radio X in England oder TodayFM in Irland. Your turn, Germany.

Marius Vieth, Sänger von KID DAD, hat uns anlässlich des Single-Releases einige Fragen beantwortet, die ihn und die Band vorstellen – und garantiert noch mehr Bock auf die Musik machen, oder? Uns jedenfalls schon. As Soon As America“ von KID DAD berührt uns so sehr und ist seit Tagen in unserer Dauerschleife.


IM DIALOG MIT… KID DAD

Alter Falter. Eine musikalische Wandlung vom Emo-Rock Richtung Art-Pop. War das von
vornherein klar oder kam die Änderung mit den Lyrics?
Wie sich unser Sound verändert, planen wir eigentlich nie voraus, aber Genrebezeichnungen fielen
uns ehrlich gesagt schon immer schwer! Wir schreiben sehr sehr intuitiv und aus dem Gefühl heraus. Andersherum kann man an unserer Musik immer relativ zuverlässig ablesen, wie die letzte Schaffensperiode für uns war und was wir gefühlt haben – so wie in einer Art Tagebuch. So hat alles und jede*r um uns herum irgendwie die Chance, unseren Sound zu beeinflussen.

A propos: Wo schreibt Ihr Eure Songs – spontan, geplant im Studio zusammen, unterwegs?
Was kommt zuerst: Musik oder Text? Skizziert mal einen typischen Songwritingprozess bei
KID DAD.
Den ‚typischen‘ Songwriting-Prozess gibt es bei uns nicht. Jeder Song entsteht sehr, sehr individuell,
ich kann aber gern ein aktuelles Beispiel zu unserer neuen Single ‚As Soon As America‘ geben!
Als ich vor etwa einem dreiviertel Jahr auf der Arbeit Musik gehört habe lief in meiner Spotify Playlist
der Song ‚People‘ von The1975. Die Energie und die Message haben mich so dermaßen am Kragen
gepackt, dass ich mir direkt die Hörer aus dem Ohr gerissen, mich an den Straßenrand (für’s Bild: ich
bin als Nebenjobber Postbote) gestellt und die erste Zeile, die mir in den Sinn kam, in mein Handy
geschrien habe. Ich wollte auch so etwas aggressives, lautes, politisches, undynamisches. Als ich
mich dann zu Hause an meinen Rechner gesetzt habe, um dem Song mehr Gestalt zu geben, habe
ich Akkorde und Beat drunter gelegt und plötzlich war die Punk-Attitüde total fehl am Platz, während
die Message genauso gut – wenn nicht besser – rüber kam. Ich hab das dann so angenommen und
entstanden ist ein Gospel/Rap/Indie Track, mit dem ich so nie gerechnet hätte, aber es hat sich
wahnsinnig gut angefühlt.
Und das liebe ich an dieser Band: wir machen das, was sich richtig anfühlt.

Ohne zuviel zu verraten: Was wird uns Hörer*innen auf „Bloom“ noch erwarten?
Dicke Gitarrenwände, Techno-Synths, Bedroom Pop & ganz viel Farbe!


„Und das liebe ich an dieser Band: wir machen das, was sich richtig anfühlt.“


Debüt 2020, im Dezember 2021 schon wieder eine krasse EP. Gut so, denn wir kriegen nicht
genug von Euch! War das klar, dass eine EP folgt oder wäre eigentlich 2022 direkt ein Album
gefolgt – können wir da was warten und ist das noch nicht spruchreif?
Das ist lieb, schön, dass es euch gefällt! Wir würden natürlich immer gern so viel releasen, wie es geht, aber das bedeutet auch immer längere Schaffenspausen zwischen den Releases. Wir wollten nach dem Corona-Knick direkt was hinterherschieben und glücklicherweise hatten wir mehr als genug Songs geschrieben, um direkt wieder ins Studio fahren zu können. Wie auch in Sachen Genre legen wir uns da nur ungern fest – was kommt, das kommt, jetzt konzentrieren wir uns aber erstmal voll auf „Bloom“ .

Welche Bands oder Künstler*innen habt Ihr in der Pandemie am meisten gehört, woher kommt
Inspiration für „Bloom“ ?
Wir sind eine Band, die einflusstechnisch nicht unterschiedlicher sein könnte. Es gibt diese interne
ungeschriebene Faustregel, dass wir uns nie alle vier zufällig auf demselben Konzert treffen würden.
Das ist aber irgendwie auch das Geheimnis und die Basis für einen individuellen, eigenen Sound.
Soweit ich weiß waren, wie ja bereits verraten, The1975 ein großer Einfluss für mich persönlich. Hinzu kommen aber auch Künstler*innen wie Billie Eilish, Moses Sumney, Yungblud, Dominic Fike etc.
Außerdem war unser Leadgitarrist Joshi auf einem kleinen 70s Trip, während unser Bassist Max viel
Rap hört zur Zeit. Da kann man stundenlang so weitermachen, das ist ein riesiger Pott an großartiger
Musik, die uns beeinflusst.

Und wahrscheinlich auch durch Medien und Politik, denn mit „As Soon As America“ werdet Ihr
sogar gesellschaftskritisch, politisch. Warum ist Euch das als Band wichtiger als Pseudo-Pop?
Genau, dass wir das letzte mal in Songs ansatzweise politisch wurden, ist fast 5 Jahre her. Dieses Mal
ist es aber anders. Uns durchdrangen schon immer der Wille und der Anspruch, über Themen und
Erlebnisse zu singen, die uns am Herzen liegen. Wir würden anders klingen, ginge es uns
ausschließlich um den kommerziellen Erfolg. Mal gleichen unsere Songs den Pop-Tracks im Radio,
mal nicht, aber sie sind nie hingeklatscht, das ist uns sehr wichtig, weil wir die Musik nicht nur für
andere machen, sondern auch für uns. Es ist irgendwie wie ein langes Telefonat mit einem alten
Freund oder einer alten Freundin um 3 Uhr Nachts auf dem Balkon. Würde diese
Mitteilungskomponente komplett wegbrechen, würde uns das alles hier nicht genug geben.


„Es gibt diese interne ungeschriebene Faustregel, dass wir uns nie alle vier zufällig auf demselben Konzert treffen würden. Das ist aber irgendwie auch das Geheimnis und die Basis für einen individuellen, eigenen Sound.“


Wenn Ihr tourt, dann richtig – viele Städte hierzulande, groß und klein; aber auch UK. Welche
Verbindung habt Ihr zum UK?
Ja und wie LIEBEN es!
Neben den großen Bands und Künstler*innen aus UK – darunter Oasis, die Stones, Radiohead, die
Beatles usw. – sind es aber auch die Musiker*innen, mit denen man sich vernetzt hat über die Jahre
und die jede Tour dorthin wunderschön machen. Dazu zählen z.B. Acts wie Fatherson & Bryde. Mit
letzterer habe ich 2018 zum Beispiel den Song ‚Limbo‘ für unser letztes Album geschrieben. Ich freue
mich vor allem auf London, damit ich diese Zeit nochmal rekapitulieren kann & natürlich auch, weil wir
uns dann wiedersehen! Gesellschaftlich wird das natürlich spannend. Seit dem Brexit wird sich auf der Insel einiges verändert haben, aber wir hoffen, dass sich alles so gut anfühlt, wie beim letzten Mal!

Auf welchem Festival (weltweit) würdet Ihr gerne mal spielen – und welche Acts (dead or alive)
wären am besten mit Euch dort?
Puuuh, ich glaube, dass ich da eine langweilige Antwort geben muss. Rock am Ring ist gefühlt DER
Ritterschlag für eine Band aus Deutschland (zumindest lokal) – das ist unser Etappenziel. Wenn wir
das von unserer Checkliste gestrichen haben, fände ich persönlich ein Summer Sonic in Japan
wahnsinnig spannend. Die Hauptsache ist aber sowieso, dass das Publikum Bock hat – egal, wo man
spielt! Bzgl. der Acts kann ich jetzt gerade leider nur für mich sprechen, aber wenn schon, denn schon:
Mac DeMarco, 2Pac, Amy Winehouse, Dominic Fike, Green Day & FKJ!


„Puuuh, ich glaube, dass ich da eine langweilige Antwort geben muss. Rock am Ring ist gefühlt DER Ritterschlag für eine Band aus Deutschland (zumindest lokal) – das ist unser Etappenziel.“


Denkt Ihr, dass Ihr es einfacher gehabt hättet, wärt Ihr in Berlin ansässig – gibt es den Wunsch,
irgendwann mal in eine Großstadt zu ziehen als Band?
Das wurden wir interessanterweise schon ziemlich häufig gefragt – sowohl im Pressekontext, als auch
privat. Wir glauben, dass es gerade unser Ass im Ärmel ist, dass wir nicht dort oder in einer anderen
Großstadt leben. Das klingt vielleicht erstmal komisch, aber hier sind wir so (mehr oder weniger)
isoliert, dass wir kaum durch Hypes und Trends beeinflusst werden – maximal durch die Socials.
Hier ‚auf dem Land‘ können wir wir sein – sprich möglichst intrinsisch motivierte Musik machen – und
uns Zeit für alles nehmen. Konkrete Pläne, in eine Großstadt zu ziehen gibt es also momentan nicht.

Wäre KID DAD eine Pizza. Womit wäre diese Pizza belegt?
Jalapenos, Sellerie, Champignons & Sriracha Soße

Und was möchtet Ihr jetzt kurz vor der Bundestagswahl unbedingt noch loswerden?
Wir haben so viel Glück, dass wir in einer Demokratie leben. Ein System, in dem jede Stimme zählt.
Lasst uns das nutzen und stetig versuchen, die Welt zu einem besseren, gewaltfreieren und
friedlicheren Ort zu machen.
Bitte geht am 26. wählen und hört auf euer Herz (auf welcher Seite war das noch gleich?)!
Love
Marius


„Bitte geht am 26. wählen und hört auf euer Herz
(auf welcher Seite war das noch gleich?)!“



Fotocredits: Max Zdunek

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