Liv Solveig 6 @ Jakob TillmannHeute erscheint mit „Slow Travels“ das DebütAlbum der in Berlin lebenden Künstlerin Liv Solveig, die zu den vielversprechendsten Newcomerinnen zählt. Wir stellen Euch Liv Solveig vor!

Alles ist zu schnell, zu viel, zu laut. Die wahre Kunst der Langsamkeit, so scheint es, haben wir Menschen verlernt. Was wir lange schon verdrängt hatten: Selbst Erholung hatten wir durchoptimiert. Aber es gibt eine, die die Entschleunigung verinnerlicht hat: Liv Solveig.

Die Musik der norwegisch-deutschen Singer-Songwriterin entfaltet ihre anmutende Schönheit aus der Ruhe – fernab jeglicher Klischees und mit urbanem Twist. Ihr Sound rauscht und pulsiert, als wäre man auf dem Weg aus tiefen Wäldern, hinein in die Großstadt – „Scandinavian Symphonic Indie“ – atmosphärisch dicht und nebelverhangen schön.



Die Geschichte ihres Debütalbums „Slow Travels“ , das heute erscheint, ist die Story von Liv Solveig selbst. „Es ist eine Ode an den Delay“ , sagt sie und lächelt. Die Stücke auf dem Erstling sind wie ein Patchwork aus Einflüssen der Welt, die die Künstlerin zu einer musikalischen Heimat zusammenfügt: Klassik-Background, Harlemer Jazz-Einflüsse, Folk-Spirit eines früheren Projekts. Über den komplexen Arrangements schwebt Liv Solveigs Stimme, oder besser gesagt, ihre Stimmen: Choräle, die sowohl an die Gesänge des indigenen Volks der Samen erinnern, als auch Spuren ihrer Kindheit sind, da Liv Solveig die Tochter einer Organistin und eines Pfarrers ist. Sie ist von Bach ebenso inspiriert wie etwa von Sigur Ros. Aus der Strenge des Pfarrerhaushalts hat sich Liv Solveig längst befreit. Das Album ist gleichzeitig ihr persönliches Statement. Liv Solveig versteckt sich nicht hinter gesellschaftlichen und musikalischen Gerüsten. Sie zeigt, wer sie ist. Sie zeigt offen ihre Queerness und will damit sagen: Sei so wie Du bist!

Mit Soundkünstler und Indieproduzent Tobias Siebert (Me And My Drummer, Enno Bunger, Mister Me uva.) hat sie die Lieder auf „Slow Travels“ gemeinsam produziert. „Ich hatte das Album schon fertig, als ich festgestellt habe: Nein, das ist es noch nicht, die Songs brauchen noch mehr Zeit.Liv Solveig hat jede Spur noch einmal überarbeitet und neu eingesungen. Man hört die Behutsamkeit aus jeder Sekunde, mit der sich die Multi-Instrumentalistin (Geige, Gitarre, Klavier), die alle zehn Songs selbst arrangiert hat, jedem Backing-Vocal-Schlenker, jedem Hall, jedem Alltagsgeräusch im Hintergrund widmete. Jedes Element erzählt eine Geschichte, und schult eine weitere Kunst: das wirkliche Hinhören.



Musik braucht Weite“ , sagt Liv Solveig – so wie sie selbst. Aktuell lebt sie in Berlin. Entsprechend groß ist ihr Netzwerk namhafter KünstlerInnen: Liv Solveig arbeitete bereits mit Alin Coen, Get Well Soon und Balbina zusammen. Nebenbei werkelt sie noch am neuen Album von Die Höchste Eisenbahn mit. Nicht nur die Musik, auch Liv Solveigs poetische Sprache entführt in andere Welten: In „Heartbeat of Shibuya“ spürt sie die Essenz Tokios auf. „One Morning in Harlem“ beschreibt, wie man zur aufwachenden Stadt einschläft. Mit der Indie-Rock Nummer „How Far“ geht sie auf eine gedankliche Reise. „How far is the ocean? How far is the moon?” In diesem Fall nur eine Songlänge entfernt.

Liv Solveigs Songs erzählen Geschichten von Menschen, die driften. Dabei ist ihr wichtig: „Umweg ist kein Fehler“ ! Ihr Programm, sozusagen. „Why Were You Smiling“ – ihre erste Single, handelt von einem missverständlichen Liv Solveig 1 Album Slow Travels CoverLächeln, welches eine große Krise auslöst, um letztendlich positiv nach vorn zu schauen. Auch „Start Again“ erzählt von einem Neuanfang. „Bei der zweiten Etappe meiner Arbeit am Album habe ich mir vorgenommen, erst aufzuhören, bis ich ALLES gut finde“ , sagt sie. Es ist gelungen: Mit „Cold Heart“ beginnt so Liv Solveigs Debütplatte aus dem Nichts heraus, kündigt Brodelndes an und führt mit dem Titellied „Slowly, Travels“ wieder in die versöhnliche, choralartige Harmonie zurück: mit einer Art Mantra: „Moving ends slowly turn – we are safe“ . Denn in der Ruhe liegt unsere Kraft. 

Liv Solveig ist vor allem auch live ein Erlebnis: Wie ein Solo-Orchester gibt sie jedem Instrument eine Stimme und scheint alles für einen Augenblick anhalten zu können. Ihre Spezialität: Das Spiel mit dem Geigenbogen auf der E-Gitarre. So gilt Liv Solveig als eine der Musiker- und Songwriterinnen-Entdeckungen dieser Tage. 


Für Fans von …
St. Vincent, Kat Frankie, Wallis Bird


Fotocredit: Jakob Tillmann

 

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