Musiktipp: KAFVKA

Veröffentlicht: Mai 10, 2021 in Musik
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KAFVKA verschließen nicht die Augen, sondern öffnen sie anderen – jede*r sollte dieser Band zuhören, wenn ihr neues Album am 11.06. erscheint! Vorab liefern sie mit Alles was wir tun“ eine (selbst-)kritische Nummer. Stark!

Achtung, anschnallen, es wird mit KAFVKA mal wieder unbequem – so richtig unbequem, aber vor allem so richtig wahr. Eine krasse Art der Selbstreflexion und -kritik, die das Quartett mal wieder ausübt.

„Meine Kids werden fragen,
was habt ihr gemacht,
als eines Nachts der Krieg in Syrien begann.
Ich sage:
Ich war wach,
war im Berghain bis um Acht.
Wir haben von nichts gewusst,
niemand hätte das gedacht….
Kids werden fragen
was habt ihr gemacht als ihr wusstet,
man weiß, dass ihr wisst von den Lagern“

KAFVKAs neue Single spricht in gewohnt bissiger und pointierter Art die Selbstverantwortung jedes Einzelnen an. Sind wir Opfer oder Täter weil Mitwissende? Die wohl bislang düsterste Single des neuen Albums „Paroli“ stellt sich diesen schwierigen Fragen und spart nicht mit Selbstkritik. Was sagt es über uns aus, wenn wir die unzähligen technologischen Möglichkeiten nur für die eigene Unterhaltung und Selbstdarstellung nutzen? Wie rechtfertigen wir das, wenn wir uns nicht aktiv darum kümmern, dass unsere Kinder in einer besseren Welt leben können? Als trauriges aktuelles Beispiel sei nur erwähnt, dass weiterhin täglich Nachrichten unsere Endgeräte erreichen, dass Menschen im Mittelmeer sterben bzw. wir sie sterben lassen.



Stellt „Alles was wir tun“ somit eine Art Gegenspieler zur vorherigen Veröffentlichung „Tanz deinen Schmerz weg“ dar … oder doch nicht? KAFVKA sagen mit „Alles was wir tun“ nicht aus, dass einfache Unterhaltung, Spaß, Tanz, sprich Hedonismus, keine Daseinsberechtigung haben. Problematisch wird es jedoch, wenn wir als Individuen nicht weitergehen und zudem heuchlerisch uns von jeder Eigenverantwortung freisprechen. Hatte es schon viel zu oft nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geheißen, dass das niemand hatte kommen sehen, so stehen wir jetzt wieder bereits mittendrinnen in einer neuen Welle, in der sich diskriminierendes Gedankengut erneut stark positioniert.

Was können wir dagegen tun? Was sollen wir dagegen tun? Was müssen wir dagegen tun? 

Auf alle Fälle mehr, als kurze Selfie-Videos auf diversen Plattformen zu posten. Denn schlussendlich müssen wir uns vor der nächsten Generation verantworten, wenn wir ihr nicht einen Scherbenhaufen hinterlassen wollen. Das Ende von „Alles was wir tun“ führt uns das Problem des Vergessens und der Schnelllebigkeit noch einmal schonungslos vor Augen:

„Ich hab nach diesem Song direkt was anderes angemacht,
wir haben von nichts gewusst, niemand hätte das gedacht…”

Alles was wir tun“ ist die dritte Single aus KAFVKAs kommendem Album „Paroli“ , das am 11. Juni erscheint. Zuvor hatten die Berliner Punk-Rapper bereits den gleichnamigen und zur Einigkeit gegen Rechts aufrufenden Titeltrack veröffentlicht, der es sogar in die „Deutschrap Brandneu“ -Playlist auf Spotify mit 1,3 Millionen Followern schaffte. Alles was wir tun” wurde von Spotify auf Anhieb auf das Cover der “Klare Kante” -Playlist gesetzt.

Auf jeden Fall geben die ersten drei Songs einen ersten Vorgeschmack auf die dritte KAFVKA-Platte, die als geradezu kollektives Projekt zahlreicher Protagonist*iInnen entstanden ist und so nicht nur inhaltlich einen zusammenführenden Gedanken in sich trägt, sondern sich musikalisch gleichzeitig auch als bisher vielfältigstes Werk der Band erweist. Ihre Musik bekennt sich immer deutlicher zu ihren Rap-Einflüssen und stellt so gleichzeitig die Grenzen alternativer Rockmusik in Frage. Ein mutiges Album, das vielfältiger nicht sein könnte.



Für Fans von …
Adam Angst, 8kids, Kind Kaputt


Fotocredit: Uncle M

 

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