|| IM DIALOG MIT … SCHIMMERLING

Veröffentlicht: April 26, 2021 in Interviews, Musik
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SCHIMMERLING gibt es erst seit Anfang 2020 und nach etwas mehr als einem Jahr hat die Band schon so viele Wahnsinnssongs, die uns immer wieder umhauen. Vor allem aber haben sie zusätzlich noch Haltung! Ein Interview!

Sehr eigen. Mal mit viel Dampf oder mal viel Gefühl. Mal völlig drüber, mal down to earth. Wer große Töne und den Newcomer-Act 2021 sucht, findet ganz schnell SCHIMMERLING. Und zwar volle Pulle und in jeglicher Hinsicht. SCHIMMERLING mischt seit März 2020 auf und steigert mit jedem Release die Erwartungen seiner schnell wachsenden Fangemeinde. Die Band kombiniert große Gesangsmelodien mal mit geschmeidigem Pop, mal mit kreischenden Verstärkerwänden und schreckt nicht davor zurück Haltung zu zeigen.

Und genau darüber haben wir mit SCHIMMERLING gesprochen – über ihren Sound, das Dazwischen und die Haltung. Herausgekommen ist ein sehr schönes, ausführliches und spannendes Interview. Nehmt Euch ’ne Tasse Kaffee oder Tee oder vielleicht auch schon ein Bierchen, denn die Zeilen sind wichtig und Ihr werdet voll d’accord sein – wir jedenfalls sind nach dem Talk noch einmal mehr in love mit SCHIMMERLING.


IM DIALOG MIT… SCHIMMERLING

The Pick: Wie würdet Ihr jemandem, der SCHIMMERLING noch nicht kennt, die Musik verkaufen? Nehmen wir an, Eure Musik wär ein Gericht. Welches wärs – und würde man das gemütlich als 4-Gänge-Menü verzehren oder to-go mäßig; zu welcher Tageszeit?
SCHIMMERLING: Wir sind das gestohlene Stück Hochzeitstorte am Rand der Bettkante. „Satisfaction“ läuft im Radio und die Chucks trocknen auf der Fensterbank. Für viele kommen wir wie gerufen, untermalen anstatt zu begleiten und schenken dem Spiegel ein selbstbewusstes Lächeln. Der Rest rümpft die Nase und behauptet, wir hätten die Kontrolle über unser Leben verloren. Dabei definieren wir Kontrolle einfach sehr unterschiedlich.

Was schätzt Ihr an SCHIMMERLING selbst am meisten?
Schon jetzt den langen Atem und die ungebrochene Vision. Wir haben vor unseren Bühnen vielleicht insgesamt 200 Zuschauer*innen besingen dürfen, die ihre Begeisterung hinter Masken und Hygienekonzepten verdecken mussten. Wir sind Anfang 2020 mit geschwollener Brust in den Ring gegangen und zwei Wochen später wurde die Welt von COVID regiert. Seitdem kann man uns nur auf Touchscreens anfassen. Aber dieser anhaltenden Flaute zum Trotz wissen wir ganz genau, wie viel auf unseren Konzerten getanzt, geschwitzt, geschrien und geknutscht werden wird. Wenn wir nur daran denken, haben wir dieses treudoofe Grinsen im Gesicht. Davon ganz abgesehen, haben wir einfach ’ne Attitude. Das beginnt beim Sound und der Performance und zieht sich durch alle Texte. Bei uns gibt es keine Kompromisse und Anbierdungen, sondern Konsens und Konsequenz!


„Aber dieser anhaltenden Flaute zum Trotz wissen wir ganz genau, wie viel auf unseren Konzerten getanzt, geschwitzt, geschrien und geknutscht werden wird.“


Ihr habt mit „Jäger“ erst einen Indie-Banger rausgehauen, mit „Philosophia“ dann diese unfassbar berührende Rockballade. Wie entstehen Eure Songs – und in welche Richtung wird es künftig gehen? 
Simon kommt meistens mit einem fertigen Song in die Session und stellt den in die Mitte des Proberaums. Dann geht die ganze Band in den Flugmodus und ehe man sich versieht, ist der besagte Frontmann oberkörperfrei und nuschelt seine Melodien ins Mikro. Häufig finden wir schnell etwas, das uns flasht. Von da gehen wir weiter und stoßen uns daran die Hörner ab. Wir sind auf jeden Fall keine Freunde von Einheitsbrei und gehen nur mit den Songs ins Studio, die uns richtig stolz machen. Wir werden alles zeigen, was wir zu bieten haben, da man mit Kunst ja bekanntlich nicht zielen darf. 

Was ist das schönste Kompliment, das Ihr je bekommen habt?
Wir können uns nicht einig werden und bieten drei Stück an:
1. „You’ve just killed THE KILLERS!“
2. „Wenn man den Text verstehen würde, wär’s ein Hit!“
3. „The next big thing.“

Irgendwann wart Ihr da. Zum Glück! Was für Zukunftspläne habt Ihr für SCHIMMERLING?
Wir wünschen uns natürlich nichts sehnlicher als irgendwann in den nächsten 30 Jahren live spielen zu können und in den Menschen vor der Bühne zu versinken. Den Mist zu machen, für den wir wirklich hier sind! Equipment und ’ne Jeans ins Auto werfen und endlich raus. Wenn Touren und Konzerte irgendwann Alltag sind, gilt „the sky is the limit“ , wie bei Ikarus. Wir sind on fire. Ne, warte! Das sind jetzt mixed signals hier… Du weißt! 

Was war vor SCHIMMERLING? Euch gibt es ja konkret erst seit 2020.
Simon hat sich als Singersongwriter in ganz Deutschland die Seele aus dem Leib geschrien und allen erzählt, es sei Akustik-Stadionrock! Die Wege des Bandenrests sind so verschieden, wie sie sich auch gleichen: Alle waren immer auf der Suche nach dem „einen Ding“ . Dann fanden sie Schimmerling – oder eben andersrum. #pathos

Nehmen wir an, Ihr würdet jetzt Headliner auf einem riesen Festival sein dürfen. Wer würde vor und nach Euch spielen? Träumt.
Vor uns: Tina Turner. Mit uns: Joshua Homme. Nach uns: Billie Eilish.
Hendrix, Joplin und Mercury nicken im Beat.


„[…] wenn man sich mit strukturellem Rassismus auseinandersetzt und sieht, wie er dieses Land seit seiner Gründung niemals verlassen hat, kriegt man Wut im Bauch und die Faust aus der Tasche.“


Euch ist neben dem Sound vor allem auch Haltung wichtig. Welche Werte sind Euch besonders wichtig? Macht mal Lärm!
Lärm kannste haben – wir sind aus tiefster Seele:
Anti-Rassisten: In einer rassistischen Gesellschaft reicht es nicht aus, Nicht-Rassist*in zu sein! Man steht in der Verantwortung, sich mit der eigenen Geschichte auseinandersetzen und muss mit sich hart ins Gericht gehen, wenn es um die Frage geht, ob man selbst nicht schon rassistische Denkweisen oder Handlungen an sich beobachten konnte. Rassismus hat nicht der „böse NPD-Schläger“ für sich gepachtet, sondern wohnt mannigfaltigen Tellerrändern inne. Die Privilegierten müssen das Problem lösen, nicht die Diskriminierten. Das klingt schön theoretisch, aber wenn man sich mit strukturellem Rassismus auseinandersetzt und sieht, wie er dieses Land seit seiner Gründung niemals verlassen hat, kriegt man Wut im Bauch und die Faust aus der Tasche.
Pro-Feministen: Können wir alle mal bitte kurz über unsere Sozialisation nachdenken, wirklich hinterfragen, was und wer unsere Vorstellungen und Werte über Jahrhunderte definierte und dann „f#*? patriarchy!“ auf alle Stadttore schmieren? Wo wir bereits angelangt wären, wenn wir mal Gespräche und Debatten auf Augenhöhe ertragen würden und uns als Männer nicht von Arroganz und Verlustängsten leiten ließen, sobald uns eine selbstbewusste Frau gegenübersteht. Warum hat ein Mann eine starke Meinung und eine Frau mit gleichem Ausdruck ihre Emotionen nicht unter Kontrolle? Wer definiert die Erwartungen an Frauen und wer drückt diese gewaltsam nieder? Gleichstellung ist kein Recht, welches ein Mann der Frau gewähren kann, ohne dabei weiterhin über sie zu verfügen. Wir müssen Positionen der Macht hinterfragen und es endlich besser machen (lassen). Die Liste ist hier bei Weitem nicht vollständig. Da fehlen unter anderem noch die Wut auf Homofeindlichkeit, Antisemitismus, die Zustände im Mittelmeer und in den Lagern an Europas Außengrenzen.
Umweltschützer: Was nutzen einem all die philanthropischen Weltanschauungen auf einem in Bälde unbewohnbaren Planeten? Wie können wir gegen die Unterdrückung innerhalb der Menschheit kämpfen und im selben Zug Gleichgültigkeit bei Tierleid und Umweltzerstörung walten lassen? Warum fahrlässig komplex miteinander verwobene Biotope ins Wanken bringen, wenn Verzicht und Nachhaltigkeit allen Ortes verfügbar sind? Es kann nach einem Jahrhundert der proklamierten Maßlosigkeit nicht die alleinige Verantwortung der Privatperson sein. Verzicht muss von der Politik mit Alternativen schmackhaft gemacht werden und wir sollten von Kindesbeinen auf Schlachthöfe besuchen, damit uns ab und an die Realität einholen kann.


„Warum hat ein Mann eine starke Meinung und eine Frau mit gleichem Ausdruck ihre Emotionen nicht unter Kontrolle?“


& wie passt das Ganze mit Social Media zusammen? Es gibt so viel Hass, Mobbing – andererseits natürlich auch die Möglichkeit, Statements zu setzen. Seid Ihr selbst Konsumenten, wie lange haltet Ihr Euch täglich (als Privatpersonen) auf Instagram und Co. auf?
Viele konnten sich noch nicht an das Dasein in „sozialen Medien“ gewöhnen. Wenn man im Supermarkt einen Aushang für Geigenunterricht sieht, an dem man überhaupt kein Interesse hat, ruft man da ja auch nicht an, um die Person anzubrüllen, was ihr denn einfiele, Geigenunterricht anzubieten. Im Internet gelten noch andere Regeln. Man lernt bis zu einem gewissen Grad damit zu leben, dass manche Menschen ihre Probleme gerne zu unseren machen wollen. So sehr diese Medien programmiert wurden, um uns am Display zu halten und dabei häufig Wahrheiten verzerren, haben wir schon so unglaublich viele wunderschöne Menschen kennengelernt, die mit uns feiern, uns mit ihrer Liebe und Zuspruch begeistern und es zur Zeit zumindest etwas abfedern, dass es keine darstellenden Künste mehr gibt. Den Löwenanteil unserer Fans haben wir nicht ein einziges mal in die Augen blicken können, aber dennoch lassen sie uns etwas leichter durch diese beschissene Zeit gehen. Diese Menschen sind alles was Schimmerlings junges Herz begehrt! 


Fotocredits: Erik Weiss

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