Milliarden veröffentlichen am Freitag ihr neues Album „Schuldig, dem vier Singles vorangegangen sind, die unterschieldicher nicht sein könnten und doch eins vereinen: Emotionsgeladene Worte und das Gefühl von Freiheit. Eine Album Review.

Schuldig“ ist das dritte Album von Milliarden und es markiert eine Bewegung von dem was vorher war zu dem was jetzt ist. Oder besser gesagt: „Schuldig“ ist, neben all dem Vieldimensionalen, das die Platte ausmacht, auch ein wichtiger Schritt Richtung Selbstbestimmung, die bei Milliarden jedoch schon immer groß geschrieben wurde – vielleicht aufgrund der Vergangenheit; vielleicht, weil das Hartmann-Aue-Duo einfach so ist. Schuldig“ erscheint auf dem neuen bandeigenen Label Zuckerplatte – und eines ist sicher:

Die musikalische Zukunft der Milliarden wird großartig, spannend und ist jetzt schon vielversprechend, denn denkt dran, was man sagt: Das dritte Album einer Band ist entscheidend, wegweisend und zeigt, ob und wie eine Band sich weiterentwickeln kann. Wir wollen nicht zu viel spoilern, aber: Milliarden machen hinter alles einen wunderschönen Haken und uns glücklich. Und so startet die Reise mit dem Titeltrack „Schuldig“ (der vor wenigen Tagen als letzter Vorab-Track erschien) und dessen letzten Worten: „Knock, knock – herein. Tock, tock – herein. Klopf, klopf – herein. Poch, poch – herein. Herein!“ Und los.

Los geht es mit dem melancholisch-dramatischen „Die Gedanken sind frei“ , das lyrisch der erwachsen gewordene Bruder von „Im Bett verhungern“ des Debüts „Betrüger“ (2016) sein könnte – ein Lied voller Schmerz, Hoffnung und Intimität; eine neue Art der Schwermütigkeit – dicht gefolgt von weiteren lauten Hochs ( „Die Fälschungen sind echt“ , „Wenn ich an Dich denke“ ), die man bereits als Singles kennt. Und schon nach vier Songs fühlt sich „Schuldig“ an wie ein Emotional Rollercoaster – wir fahren hoch, bleiben kurz mitten auf der Holzachterbahn stehen, um dann mit vollem Karacho in den Abgrund zu fahren und anschließend noch einmal mit dem Schwung hochzufahren. Das Herz macht keine Pause, die Emotionen schlagen vollends zu, wenn „Swing“ Dich wieder wie ein Magnet runterzieht, sodass Du erst einmal umher gucken musst, was gerade überhaupt mit Dir passiert ist – puh. Gut, dass die starke „Himmelblick“ -Hymne (die übrigens der erste Vorbote auf die neue Platte war) uns beim Hochhangeln hilft und ein bisschen lockere Attitüde mit sich bringt: „Alles ist mir so egal/ Ich bin wie Du/ Du bist wie ich/ Darum lieben wir uns nicht!“ Klingt alles so simpel, ist es irgendwie und irgendwie auch nicht. Was aber allemal gut tut: Ben Hartmann mit seiner schmerzlich-philosophischen Reibeisenstimme. Und schon ist die Welt ein Stückchen besser, fast schon pathetisch, aber im überaus positiven Sinne.


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Ein Kreis wird gezogen, wenn es noch einnmal klopft und pocht und wir mit dem Theatere-Interlude „LLLL“ („Los, leise, langsam, laut…“) in die vier letzten Songs der Platte geworfen werden. Neues Leben“ zerreißt wieder einmal unheimlich schmerzlich, darf mit „uhuuuhuu“ Chören glänzen und sorgt in unseren Köpfen jetzt schon für einen intensiven Live-Moment auf der Tour, die auf 2022 verschoben wurde – vielleicht dürfen wir uns aber auf eine Darbietung im Livestream zur Release-Show (05.02.2021, 20:00 Uhr) freuen: „Ich werde mir das neue Leben nehmen/ Nie mehr an der Haltestellen stehen“ . Und dass Milliarden eben auch unheimlich emotional-tiefgründig können (und wollen!), legen sie mit „Ich schieß Dir in Dein Herz“ eine Piano-Ballade obendrauf, die runtergeht wie Öl – vielleicht eine der stärksten Pop-Tränenseligkeits-Balladen, die wir seit Seligs „Ohne Dich“ je hatten. Komplexer kann ein Album kaum sein – voller Antithesen und doch völlig im Einklang, das besingen Milliarden auch auf „Wonderland“ , der melodisch an Oasis oder Travis mit Country-Folk-Elementen erinnert: „Wo ich bin/ will ich nicht bleiben […] Ich will bleiben/ wo ich nie gewesen bin“ . Zum Ende hauen die Jungs mit dem allerletzten Track noch einmal raus und rechnen in Punk-Manier mit der schnelllebigen Screen-Gesellschaft ab: „Keine Angst vorm Dummsein!


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Und so beginnt und endet ein Album, das zwischendurch vor Schmerzen und antwortlosen Fragen sowie fraglosen Antworten kaum ertragbar ist, laut und stark, wobei die leisen Töne ebenfalls vor leiser Stärke nur so glänzen. Das Album ist die perfekte Mischung aus der typischen und introvertierten Milliarden-Zerbrechlichkeit und des ebenso typisch extrovertierten Milliarden-In-Your-Face-Klatschens – „Schuldig“ ist intensiv und intim auf der höchsten Ebene, die Ben Hartmann und Johannes Aue jemals betreten haben. Starker Pop von Millenials, die die Gefühle und Momente einfangen und zum Glück exakt so rauslassen – kombiniert mit großen Portionen Rock, Indie, Punk und immer den richtigen Worten voller Hoffnung. Und wie das bei Milliarden meistens so ist, gewinnen die Songs nach und nach an Bedeutung und jede*r findet in jedem Lied sein Zuhause und zieht auch gerne mal um. Nichts ist hier für immer, denn Gefühle und Philosophien ändern sich (und Dich!) und Milliarden liefern die Soundtracks dazu, die Du immer wieder neu entdecken wirst, weil wahrscheinlich keine Band so zeitlos ist wie diese Berliner Burschen.

Und wenn eine Platte bittersweet ist, dann bitte „Schuldig“ von Milliarden. Dieses Album fühlt sich an wie der perfekte Kuss: Zärtlich, intensiv, aufregend, sanft, warm, innig, umarmend, tief, voller Gefühl – man will erstmal nichts anderes mehr. Ein Gefühl von Freiheit, hervorgeholt durch emotionsgeladene Worte, so und so. Milliarden, wir küssen Eure Herzen – und bekennen uns schuldig: Wir sind verliebt.


MILLIARDEN – „SCHULDIG“ – TRACKLIST
1. Schuldig sein
2. Die Gedanken sind frei
3. Die Fälschungen sind echt
4. Wenn ich an dich denke
5. Swing
6. Himmelblick
7. LLLL
8. Neues Leben
9. Ich schieß dir in dein Herz
10. Wonderland
11. Trenn dich

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Fotocredit: Christoph Voy

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