2018 begann die „Alles ist jetzt“ -Ära, die aktuell noch immer auf Reisen ist und die Fans mit Konzerten in gewohnter Bosse-Manier erfreut: Wir waren am 26. Januar 2020 in der Turbinenhalle Oberhausen dabei und bringen Euch Bilder und Worte mit.

Stillstand ist nicht sein Ding. Bosse wirbelt wieder! Auf seinem mittlerweile siebten (!) Studioalbum mit dem vortrefflich gewählten Titel „Alles ist jetzt“ vor allem aber auf der gleichnamigen Tour, die aktuell in die nächste Runde geht! Bosse strotzt vor frischen musikalischen Ideen, unnachahmlichem Wortwitz und bemerkenswerter Tiefenschärfe in seinem Blick auf die Dinge. Er wirbelt auf. Künstlerisch, thematisch, emotional. Mit Hüftschwung und Haltung. Mit Leichtigkeit und Bodenhaftung. „Alles ist jetzt“ ist modern, hell und klar. Wach und voller Energie. Sein Antrieb: Jeder Schritt nach vorne setzt Energie frei. Jedes durchschwitzte Konzert Liebe. Jedes neue Album Dankbarkeit.

Aber langsam. Um 19:00 Uhr betritt Aki Bosse die Bühne und hat Valentine, seine Backgroundsängerin und Keyboarderin, sowie Stefan Heinrich (KLAN) im Schlepptau und verkündet stolz, dass Valentine auf Tour immer Songs auf Deutsch geschrieben hat, die verdammt gut geworden sind und die sie nun heute vorstellt – darunter auch der bislang einzig veröffentlichte Track „Stromschlag, der als letzter Song ihres Sets für einen Ohrwurm sorgt, der die Zeit bis Bosse überbrückt. Überhaupt ist das Publikum hörbar angetan von Valentine, die dankbar ist: „Es ist eine Ehre, vor Aki zu spielen!“ , sagt sie lächelnd und verrät weiter: „Ich habe ganz viele Songs geschrieben und irgendwie ist es passiert, dass alle von der Liebe handeln.“ Es ist ihr silbernes Glizerkleid, das die Blicke auf sich zieht – aber die sympathische, ehrliche und leicht bescheidene Art sorgt dafür, dass die Blicke und Ohren sich festigen und die Fans schon jetzt die Releases der Songs wie „Mein Herz ist schöner“ oder „Du bist besonders“ kaum abwarten können.

Keine lange Umbaupause, sondern eine kleine Bierhol- und Pipipause zum Verschnaufen, bevor es bereits gegen kurz nach halb losgeht und die 7-köpfige Band sowie Bosse auf die Bühne stürmen und sofort gute Laune und Stimmung verbreiten: „Alter, was’n das überhaupt für ’ne Wahnsinnshalle. Ganz ehrlich, ey! Ey – also alles, was hier passiert, bleibt hier. Und ich werd‘ Euch so vollschwitzen, ich komm ’n paar Mal rein, alles, alles. Hauptsache, Ihr tanzt!“ Die erste Ansage sitzt und schnell ist klar: Das wird ein verdammt guter (und vor allem Schweiß treibender) Abend für alle, denn immer wieder platzt eines aus Bosse raus: „Alle tanzen sehen, will alle tanzen sehen!“ – und die Turbinenhalle hört und groovt, was das Zeug hält. Sehr schnell ist die Stimmung gewohnt familiär und locker, Songs werden abrupt für kurze Spontanaktionen unterbrochen (Bosse fordert Drummer Chris Heiny zum Reggae-Interlude auf – „Lieblingsmusikrichtung immer noch Reggae, da kann kommen, was will„), lässt Trompeter Martin Wenk ein krasses Solo spielen, nachdem Bosse himself eine Lobhudelei auf ihn rappt und Valentine ihre höchsten Töne singen lässt. Eine viertel Stunde nach Beginn stockt der Atem bei Flummi Bosse bereits: „Ich hab jetzt schon so überpasted, sagt man das? Jetzt schon so übertanzt, dass ich eigentlich schon ganz am Ende bin. Naja, egal – also 1:55 haben wir noch, das schaff ich schon. Ja, scheißegal. Hey, ich freu mich so – Ihr seid so gut!“ lässt Bosse sein Herz sprechen und es geht nach „Wanderer“ , „Alles Ist Jetzt“ und „Du Federst“ mit „Dein Hurra“ weiter.

Immer wieder unterbricht Bosse sich selbst, um private Stories zu erzählen und vor allem Haltung zu zeigen – gegen rechts, für Viva Con Agua und vor allem aber auch für das Leben. Man merkt schnell, dass seine Songs absolut authentisch sind und er nicht nur Floskeln singt, sondern wirklich das wahre Leben besingt und die Lebensfreude, die die Lieder übermitteln, total echt ist. „Ganz ehrlich, ne, wirklich – ich mein‘, ich hab‘ ja auch ’n Kind und manchmal guckt die mich an und sagt ‚Alder, peinlich ey‘ – aber ich hab‘ dann zu ihr gesagt: Weißt Du, was das Allerschönste in meinem Leben war? Als ich mit 21 beschlossen habe, dass es mir scheißegal ist, was die Leute sagen!“ Jubelnder Applaus Part 1, der nach einer kurzen Billie-Eilish-Tochter-Konzert-Ausflug-Story in Extrem-Applaus-Zustimmung Part 2 übergeht: „Wie bescheuert kann überhaupt ein Land oder ’ne Welt sein, dass sowas Ähnliches wie Rassismus, Hetze und so jetzt grad wieder in der Mitte ankommt? […] Und ich muss ganz ehrlich zugeben, ich hab das die letzten zehn Jahre schon probiert und es war dann immer so, dass ich dachte ‚Nee Alter, aber Du bist auch nicht Feine Sahne Fischfilet‘ . Wisst Ihr, was ich meine? Also manchmal, wenn man einen Song schreibt, dann ist es nur eine Attitüde, obwohl es ernst gemeint ist.“ , erzählt Bosse und berichtet auch über seine Dresden-Reise zu den Pegida-Anfängen und musste dann einen Song schreiben, was er mit „Robert De Niro“ („Und dann kam die Kotze raus und der Song.“ ) auf die schönste, klügste und verständlichste Art und Weise zum Glück getan hat. „Und die einzige Antwort, was das Thema Rassismus angeht, ist ein riesengroßes Stopp-Zeichen von uns allen. Wir müssen die Fressen aufmachen, vom Sofa aufstehen, empathisch und bunt sein!“ Es ist immer wieder schön zu erleben, dass man nicht nur diese Blabla-Floskeln hört, sondern wirklich merkt, wenn und dass ein Künstler das als Mensch so meint und nicht nur Dinge sagt, weil Manager XY ihm sagt, das sei die beste Möglichkeit, Fans zu halten oder Klicks zu kriegen. „Und das ist ja die Wahrheit, ne: Wenn Du lesbisch bist oder schwul, dann sag Bescheid – weil auch unsere Eltern-Generation muss langsam mal verstanden haben, dass dieser ganze Oldschool-Mist einfach vorbei ist. Lieb, wen Du lieben willst und küss, wen Du küssen willst. Darum geht es: Leben und leben lassen, das ist der Trick!“ leitet er „Die Befreiung“ ein; einen Song, der mehrere Themen behandelt und ums Genießen und ums Mutigsein; und seine schönste Umschreibung dazu lautet „[…] wie schön das Leben manchmal ist, wenn es dem Orgasmus gleiche kommt!“ .

Neben den Songs, die unter dem Tourmotto „Alles Ist Jetzt“ stehen, spielt Bosse auch ältere Tracks wie beispielsweise „Die Nacht“ , „Tanz Mit Mir“ , „So Oder So“ , „Hallo Hometown“ , „Schönste Zeit“ oder „3 Millionen“ , sodass von fast allen Alben was vertreten ist und alle Fans auf ihre Kosten kommen. Das Motto des Abends ist ganz klar: Schwitzen, tanzen, schwitzen, tanzen – frei sein! Es ist unfassbar, wie Bosse bei jeder Show seit Jahren bei gefühlt allen Anwesenden in Nullkommanix für so viele Glückshormone sorgen kann – keinerlei Hemmungen, jede(r) bewegt sich und genießt das Miteinander unter Fremden. Immer wieder stößt Bosse Glücksschreie á la „YEEEAAAAAH“ aus, die wirklich fühlbar aus der Tiefe seines Herzens kommen: „Ey, Alter Schwede! Und das Sonntag, ne, Sonntagabend, wo ganz viele Musiker und Musikerinnen auch immer Angst haben. Ey kein Witz, Ihr seid so freaky Friday, sexy Saturday, aber auf gar keinen Fall Sonntag! Danke für diesen wunderschönen Abend, yeah! […] Vielen Dank fürs Kommen – Danke, dass Ihr hier wart. Danke für die Treue! Wir kommen sowieso noch 1000x wieder, bis die Raucherbeine irgendwann abfallen. Viel Gesundheit in 2020, schönen Heimweg – vielen Dank für das grandiose Konzert, hat uns große Freude gemacht!“ , verabschiedet Bosse sich und geht in die letzte Nummer über, die „Frankfurt Oder“ heißt und das Publikum sehr glücklich macht und noch einmal tanzen lässt. Es gibt zuvor Flutschfinger-Konfetti-Kreisel, was eine kluge und umweltschonende Idee scheint, da die Schnipsel vom Boden aufgesammelt werden, um ein besonderes Erinnerungsstück an den Abend zu haben, da der Schweiß nach der Dusche weg ist – aber Erinnerungen bleiben, dafür hat Bosse mit seiner Euphorie, seiner Lebenslust, seinen Tanzaufforderungen, seinem Mutmachen und seiner kumpelhaftigen Art auch heute Abend wieder gesorgt, denn: ALLES IST JETZT!

Bosse „Alles Ist Jetzt“ Tour 2020:
30.01. Flensburg Deutsches Haus
31.01. Schwerin Sport- und Kongresshalle
01.02. Magdeburg Stadthalle
02.02. Bielefeld Lokschuppen
11.07. München Tollwood Musikarena
30.07. Freiburg Zeltmusikfestival
31.07. Halle/Saale Rennbahn
01.08. Sellin Seebrücke
28.08. Lübeck Kulturwerft Gollan
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Seht nachfolgend noch ein paar visuelle Eindrücke des Konzertabends ❤


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Danke an undercover!

Bilder: Christin Söhnchen (Insta: @christbellchen)
Worte: Rebecca Bektas (Insta: @iwishilivedinberlin)

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