BLACKOUT PROBLEMS wühlen sich auf ihrem Zweitling schmerzerfüllt durch ihr eigenes „Kaos“ (Album Review)

Veröffentlicht: Juni 13, 2018 in Neuerscheinungen
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Kontrolle abgeben, Augen zu und mit voller Energie hinein ins Kaos! Die fantastischen Blackout Problems wagen zwei Jahre nach ihrem Debüt den Blick nach innen und zeigen sich als musikalisch wie persönlich gewachsenen Alternative-Rock-Band, der man die emotionalen Extremsituationen eines Lebens zwischen Dauer-Tour und künstlerischem Befreiungskampf zu jeder Sekunde anhört. Der Kracher „Kaos“ fasst das perfekt zusammen. Eine Review.

Ihr neues Album „Kaos“ vertont nun in sphärischen Gitarrenflächen und Texten den Moment des Aufbruchs ins Unbekannte, dicht gefolgt von ständiger Resignation und Zweifel. Die Sekunde, in der alles in sich zusammenfällt. Und Neues entsteht. Und vielleicht ist „Kaos“ ein Album, das gleich zwei Opener hat, denn mit der eigentlichen Eröffnung „How Are You Doing“ und dem direkt darauffolgenden Titeltrack „Kaos“ zeigen die Blackout Problems die beiden Seiten, die diese Offenbarung den Zuhörern schenkt: Einerseits geben sie ihnen voll einen auf die Fuffzehn, andererseits nehmen sie mit fragilen Klängen ein. Das ist ohnehin das Stichwort: Die „neuen“ Blackout Problems haben Dich sofort. Die ersten Töne eines jeden Tracks dringen ein in Deine Blutbahn, in Dein tiefstes Ich – sei es gut, sei es böse. Sie kriegen Dich und sie machen was mit Dir – sei es gut, sei es böse. Sänger Mario bringt dieses Gefühl auf den Punkt: ‚Kaos‘ ist, wenn dein Fundament bröckelt und die Dinge aus der Norm geraten. Das Album zu schreiben hat uns an manchen Tagen innerlich zerfetzt, uns aber auch gezeigt, wie wohltuend der Blick in unser Innerstes sein kann!“ 

Ohne vergleichen zu wollen, da die Blackout Problems nach unzähligen EPs, ihrem starken Debüt-Album „HOLY“ (unsere 2016er Rezension gibt es hier) und einer Masse an großartigen Live-Shows längst überzeugt haben, fühlt man sich bei dem enormen Sound, der durchgängig brilliant ist, an die heftigsten Tracks von Bands wie Enter Shikari, Biffy Clyro, Good Charlotte oder Lower Than Atlantis erinnert. Boom! – und doch sind die Lieder des Zweitlings teilweise wesentlich sanfter; aber nur, um im richtigen Moment völlig außer Kontrolle aufzubrechen, um im Nu doch wieder die Kontrolle Überhand nehmen zu lassen und im gleichen Atemzug erneut ein Stück weit entgleiten zu lassen. Ein ständiges „Kaos“ , literally. Das vom Trio erweiterte Quartett überzeugt stets mit einer unglaublichen Ekstase, die ungefähr aber noch tausendmal in die Höhe geschraubt wird, weil alles aus ihrem allertiefsten Inneren hinaus schreit: Schmerz trifft auf Ehrlichkeit trifft auf Experimente ohne Scheu!

Auch musikalisch muss das nicht immer monoton und nach 100% Rock klingen, viel eher spielen die Blackout Problems (dürfen wir sie eigentlich ab spätestens jetzt Münchens Finest nennen?) auf ihrer neuesten Scheibe mit Genres und verschließen auch die Augen vor etwas mehr Pop-Anleihen ( „Queen“ ) nicht und lassen neben Post-Hardcore, ihrem geliebten Alternative und etwas Punk nun auch minimalen Electro ( „Gutterfriends“ ) Teil des großen Ganzen sein – natürlich zählen auch wunderschöne Balladen ( „Holly“ ) zum „Kaos“ . Getragen wird all die Musik immer von den Textfetzen (die vor allem Tätowierer künftig wohl noch öfter zu lesen bekommen: „I slowly drown next to my sorrow“ ; „Sweet sweet love got me fucked up“ ; „I get bored by limits“ ; „Any advice can stay where the fuck it came from“ ; „You can’t burn out if you’re not on fire“), die wiederum von dieser schmerzerfüllten Schreistimme umhüllt und hinaus geprescht werden. Ein Album, das voller Klasse isUnd doch ist nicht alles düster und am Ende – das heißt: wirklich in den letzten Zeilen des Albums – bleibt die pure Hoffnung: „I’m coming home/ I’m not scared of the future“ . Nach Luft schnappen. Durchatmen. Fühlen. Lasst den Schmerz zu! Es lohnt sich so sehr, für diese Platte komplett verwund- und angreifbar zu sein.

Kleine Anmerkung: Wir haben die Standard CD mit 12 Tracks zuerst gehört und rezensiert, empfehlen aber, dass Ihr Euch die limitierte Deluxe Edition mit Bonus-CD zulegt – denn, wer das Album einmal gehört hat, wird sich schockartig verlieben und mehr wollen; purer Genuss, denn hier gibt es zehn der Songs in einem etwas speziellen Gewand mit ganz besonderen Gästen: Flori W. von Sportfreunde Stiller – Leoniden – Dave Hause – Apologies, I Have None – Nico Laska – Philipp Müller (Smile And Burn) und weiteren. Man darf sich also doppelt freuen und bekommt noch mehr großartige Musik geschenkt. Geht es eigentlich noch besser? Wandelbarkeit pur. Bombastisch!

Kaosvon Blackout Problems | VÖ 15.06.2018 |
ANHÖREN // Download, CD, Vinyl und Spotify
sowie als Deluxe Edition mit Bonus-CD mit Gast-Features von
Sportfreunde StillerSmile And BurnLeonidenApologies, I Have None ua.
AUF TOUR // ab November >> Tickets!

Blackout Problems „Kaos“ Release Tour:
15.06. Berlin > Infos
18.06. Köln > Infos
19.06. Frankfurt a.M. > Infos
20.06. Stuttgart > Infos

Fotocredits: Ilkay Karakurt

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