Die eindrucksvolle Entwicklung, die Ben Howards Songwriting allein vom erfolgreichen Debütalbum „Every Kingdom“ (2011) bis zum düsteren „I Forget Where We Were“ (2014) gemacht hat, setzt er nun mit dem nächsten Kapitel unter dem Titel „Noonday Dream“ fort – ein Album, das seine Position als einer der talentiertesten und zugleich unvorhersehbarsten Künstler der aktuellen britischen Musiklandschaft festigt. Wir waren beim Konzert in Köln dabei!

Das neue Album „Noonday Dream“ hat der 31-Jährige in verschiedenen Studios zwischen dem Südwesten Frankreichs und dem Südwesten Englands aufgenommen (ua. auch in den Sawmills Studios in Cornwall). Für die Produktion zeigte er sich durchweg selbst verantwortlich. Seit Mitte Mai dürfen wir den atmosphärischen Klängen dieses Meisterwerks lauschen – ein Album, das ziemlich stark für sich selbst spricht; so, wie Ben Howard kaum Interviews zu seiner Musik gibt (weil er sie für sich selbst sprechen lassen möchte), möchten wir uns nicht anmaßen, seine Lieder auch nur annähernd für irgendwen zu interpretieren. Wo könnte man auch nur anfangen? Wie soll man Perfektion treffend beschreiben? Unmöglich. Diese intensive Musik zu erklären wäre so, als würde man versuchen, das Universum zu erklären: Man könnte zwar greifbare Worte finden, doch das Ganze nicht annähernd greifen; und viel schöner ist es ohnehin, wenn man sich mit einer Person unter den Sternenhimmel setzt und das Universum ’sein Ding machen lässt‘. Es wird sich einerseits von selbst erklären, andererseits tausend Fragen aufwerfen und gleichzeitig dafür sorgen, dass man seine Gefühle und sich selbst wahrnimmt und genießt. In etwa so fühlt sich „Noonday Dream“ an; vielleicht, vielleicht auch nicht.

Am selben Abend, der Release-Tag 1. Juni, spielt Ben Howard (mit Support von The Dead Tongues) ein Konzert in Köln, inmitten seiner Europa-Tour, die ihn unter anderem auch nach San Sébastian, Oslo, Stockholm, Berlin und Paris führt(e) – natürlich sind alle Konzerte längst ausverkauft. Wer dabei sein darf, ist im Vorfeld schon unendlich glücklich und wird belohnt, denn der Brite spielt vorwiegend Songs der neuen Platte und beglückt eingefleischte Fans aber auch mit zeitlosen Klassikern wie „Small Things“ oder „Promise“ . Die Fans stehen im E-Werk, ob oben auf der Empore oder mitten im schwitzigen Club (während es draußen passenderweise immer dunkler wird und zu regnen beginnt) und lauschen jedem seiner Worte auf eine so ruhige Art und Weise, wie man es heute bei Konzerten nur noch selten erlebt; kaum jemand hat sein Handy in der Luft, alle Anwesenden genießen das intime Album-Release-Konzert, wenn man so will. Teenies, Hipster, Erwachsene – und irgendwie sind doch alle eins und es gibt keine Klassifizierung.

Erscheinen die Lieder auf der Platte teilweise noch so zurückhaltend wie sein introvertiertes Ich, so haut er mit seiner achtköpfigen Band live wirklich alles raus, fokussiert sich oftmals mit geschlossenen Augen auf das Wesentliche und zieht so das gesamte E-Werk mit großartiger Akustik, Intensität und mega Songs in den Bann. Gänsehaut, immer wieder, selbst beim Zurückdenken. Ben Howard ist ein Ausnahmekünstler, der Lieder für die Ewigkeit macht und diese auf großen und kleinen Bühnen mit einer unvergleichbaren Energie direkt in sämtliche Organe der Zuhörer spielt. Wer die Chance hat, diesen Mann mit seiner Band live zu erleben, der sollte sie unbedingt nutzen. Und alle anderen sollten sich schleunigst „Noonday Dream“ zu Gemüte führen und sich dabei in eine andere Welt entführen lassen.

 Die gesamte Fotogalerie findet Ihr hier!
(c) Fotos: Rebecca Bektas (The Pick) — no use without permission & credit!

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