PRINZ PI bringt das FZW Dortmund auf seiner „Nichts war umsonst“ Tour zum Beben! (Live-Review)

Veröffentlicht: März 9, 2018 in Live-Reviews
Schlagwörter:, , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Nach drei Nummer-1-Alben in Folge, Goldstatus für „Kompass Ohne Norden“ und einem Radiohit mit „1,40m“ veröffentlichte Prinz Pi im November 2017 sein neuestes Soloalbum mit dem Titel „Nichts war umsonst“ – unter dem Motto steht auch die Tour. Wir waren im komplett usverkauften FZW in Dortmund dabei – eine Live-Review mit Fotogalerie!

Es gibt diese Musiker, die irgendwie immer da sind, deren Songs und Alben man auch auf dem Schirm hat, aber noch nie live erlebt hat – warum weiß niemand, aber Ihr kennt das sicherlich auch. Bei uns ist das so mit Prinz Pi, doch der Fluch hatte nun am gestrigen Abend ein Ende und wir durften der „Nichts war umsonst“ Tour 2018 beiwohnen. Soviel vorab: Wir haben es nicht bereut.

Den Beginn macht der Kreuzberger Rapper BRKN, der auch Comedian sein könnte – keine Sorge, dieses Talent übt der coole Typ wahrscheinlich in seiner Show „BRKN Dicker! – Die Show“ aus, in der es verschiedene Gäste gibt: von Sido über Marteria bis hin zu Prinz Pi am 27.04. (ausverkauft) oder Bausa & Oliver Polak am 15.03. im Berliner Columbia Theater (Tickets hier). Zwischen eigener Show, Berliner Ghetto (ok, ok, wir vermuten nur, stehen aber auch drauf) und kommender Headliner-Tour im November, ist BRKN auch immer mal wieder Support, heute Abend also bei Prinz Pi im FZW Dortmund. Mit ein bisschen Gerede, seinem Song „Ein Zimmer“ (seines aktuellen Albums „Einzimmervilla„) und einem DJ betritt er die Bühne und setzt sich zunächst ganz unscheinbar ans Klavier, sodass der Fokus lediglich auf seiner mega-krassen Stimme liegt. Bäm!

Das Publikum ist schnell eingefangen und zieht sofort mit. Mit witzigen Sprüchen wie zB. „Ok- jetzt habt Ihr 10 Sekunden Zeit, Fotos zu machen, weil ich noch nicht schwitze“ und dazugehörigen Posen (in die Hocke gehen, hoch-erotisch die Goldkette in den Mund nehmen) lässt der Musiker sich also ablichten, bevor er dann schnell im Programm weitermacht: „Ich bin ja kein Headliner, ich muss diese ganze Konzert-Romantik in 20 Minuten packen“ , grinst er und eines ist klar: Die Sympathien der Gäste hat er schnell auf seiner Seite, was nicht zuletzt daran erkennbar ist, dass das Publikum jeder Aufforderung folgt und BRKN bei seiner Show unterstützt, wo es nur möglich ist. Songs wie „Schön“ oder „Bordeaux“ heizen den Fans ein und begeistern durch ihren Rhythmus und vor allem auch durch die Texte, die auch mal ernst sein dürfen – und müssen. Für seinen Saxophon-Einsatz beim letzten Song erntet er heftigen Applaus und Jubel! Dieser Typ ist definitiv ein Support, der übertrieben Bock auf die Sache hat, ein angenehmer Entertainer ist und genau das auf die Zuschauer überträgt. Dicker, lass Dir gesagt sein: BRKN ist sozusagen der singende, schreibende und lustige Warm-Upper, den man sich immer wünscht.

Um 20:48 Uhr ist es ohne großes Wartenlassen soweit und Prinz Pi tritt ganz simpel und minimalistisch auf den kleinen Bühnenrand, der vom Vorhang noch frei ist – er bittet um Ruhe und präsentiert einen intensiven Spoken Word Track, dem die Fans aufmerksam lauschen – bis es dann mit einem Wumms losgeht: „…aber wir sind ja heute nicht einsam – nehmen wir mal kurz die Hände hoch!“ , legt er daraufhin energetisch mit „Sandstrand“ los, als plötzlich mitten im Song der Vorhang fällt und die Band zu sehen ist. Völlig gelungen bringt das die Fans in Ekstase: während die erste Reihe vorwiegend weiblich ist, mischt sich das im kompletten Saal und ist fast schon als 50/50 zu sehen – guter Musikgeschmack kennt eben kein Geschlecht und Textsicherheit noch weniger. Prinz Pi hat sichtlich Bock auf den heutigen Abend: „Hier in Dortmund sind heute viele Freunde von mir, da müssen wir Gas geben. Köln und Hamburg waren schon geil…“ , versucht er, das Publikum zum Duell anzusticheln. Immer wieder versinkt der Sänger komplett in seinen Songs, die er ohnehin selbst offensichtlich großartig findet: „Natürlich sind alle meine Songs gut, aber der hier ist eine richtige Perle!“ , kündigt er den Track „Der neue iGod“ schmunzelnd an.

Neben viel Hände-in-die-Luft-werfen, klatschen, springen, mitsingen und der perfekten Pi-Party gibt es auch Ernsthaftigkeit: „Manchmal möchte man einfach hinschmeißen bei dem aktuellen Weltgeschehen. Ein Vollidiot ist Präsident der USA, eine rechtsradikale Partei ist das erste Mal seit dem damaligen Naziaufmarsch in unserem Bundestag, der Krieg in Syrien ist der schlimmste seit dem Zweiten Weltkrieg – und unsere Politiker interessiert das einen Scheiß!“ , beschwert Prinz Pi sich völlig zurecht, „Hinschmeißen geht aber nicht und deshalb hab ich einen positiven Song geschrieben – für meine beiden Kinder!“ , kündigt er  „Zahlen zählen nicht“ an und wird lautstark bejubelt – auch hier können natürlich alle extrem gut mitsingen. Einzig der Battle ist noch nicht vorbei: „Den nächsten Song [Glück] hier hat Köln unfassbar laut mitgesungen. Mal gucken, ob Dortmund das überflügeln kann…“ – und siehe da, es scheint zu funktionieren und spätestens beim Radio-Hit „1,40 cm“ oder beim heimlichen Finale „Letzte Liebe“ ist das ganze FZW dabei und bebt gefühlt.

Jetzt ist Dortmund angefixt und schreit mehrfach „Porno – Porno – Porno“ und bevor die „Generation Porno“ in der Zugabe befriedigt wird, gibt es mit „Laura“ den letzten Song und ein so minimalistisches Tschüss wie die Begrüßung war: „Danke, Dortmund – es war schön mit Euch!“ , verabschiedet Prinz Pi sich vorerst, bevor es dann beispielsweise mit „Keine Liebe“ oder „Hellrot“ (wofür BRKN noch einmal für ein Feature auf die Bühne darf) Zugaben gibt und mit „Gib dem Affen Zucker“ ein fulminales Finale in jeder Hinsicht stattfindet: Alle rasten aus, zig Hände in der Höhe, alle springen und die Lichtshow beendet einen überaus fantastischen Konzertabend, den wir jederzeit wiederholen und weiterempfehlen würden. Ob Prinz Pi vielleicht sogar schon König ist und mehr Alarm macht als das britische Königshaus oder deren Hochzeit und ob Dortmund nach Köln auch Hamburg entthront hat, wird man wahrscheinlich nie erfahren. Aber irgendwie muss es ja auch spannend bleiben.

Unsere vollständige Konzertfotogalerie findet Ihr hier.

Prinz Pi ist im März/April noch auf Tour –
für Frankfurt, Köln, Herford und Bremen gibt es noch einige
Tickets.

Fotocredits: Christin Söhnchen
Bester Dank an Landstreicher Booking!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.