Mit seinem diese Woche erscheinenden Debütalbum „HOMOTOPIA“ gelingt dem kanadischen Songschreiber und Wahlberliner Sam Vance-Law ein schwules Manifest und ein musikalisches Wunderwerk. Hinter dieser Bravourleistung stecken großes musikalisches Talent, eine beeindruckende Hartnäckigkeit – und ein bisschen Hilfe von Get Well Soon. Lernt Sam Vance-Law in unserem Interview kennen!

Wie klingt Popmusik von jemandem, der ohne Popmusik groß geworden ist? Eine interessante Versuchsanordnung – und eine Frage, auf die es nun eine Antwort gibt: „HOMOTOPIA“, das erste Album des kanadischen Songschreibers Sam Vance-Law, ist von einer literarischen Qualität, einer orchestralen Grandezza und einer präzisen Beobachtungsgabe, wie man sie in dieser Kombination nur selten erlebt. Der Chamber-Pop des Sam Vance-Law spricht vielmehr klar und deutlich zu uns und er tut dies mit fein ausziseliertem Humor. Wir sollten Vance-Law zuhören, denn was er zu sagen hat, könnte eine Menge verändern – zunächst in unserem Interview, ab Freitag dann auf seinem Debüt-Album „HOMOTOPIA“ …

The Pick: Sam, danke dass Du Dir die Zeit nimmst, uns ein paar Fragen zu beantworten während Du gerade ein paar Sachen für MitVergnügen und dem DIFFUS Magazin machst. Wie geht es Dir, was waren so die spannendsten Erlebnisse seit dem Release Deines Debüt-Songs „Prettyboy“ über Caroline im letzten Jahr?
Sam Vance-Law: Die letzten Monate waren ziemlich wild – da ist es schwer zu sagen, was das Verrückteste war. Musikalisch gesehen hat es super viel Spaß gemacht, mit der Band zu proben und sich auf die Live-Auftritte vorzubereiten. Was die Signifikanz angeht, ist es glaube ich das Größte überhaupt, ein Live-Set zusammenstellen zu können, was uns Spaß macht und den Leuten, die es hören, ebenso. Natürlich waren die ganzen Pressetermine auch ziemlich krass: wir haben für ZDFaspekte gespielt, waren im Rolling Stone und im Musikexpress sowie in der Intro oder dem Stern etc. Das ist alles ziemlich neu für mich. Achja: und endlich kriegen meine Freunde, denen ich schon so lange von den Songs erzähle, diese auch zu hören. Das ist natürlich auch ziemlich cool!

Es klingt so, als wäre es ziemlich super, Du zu sein. Du bist ja ua. auch mit Drangsal und Konstantin Gropper von Get Well Soon befreundet. Wie würdest Du Dich selbst in ein paar Worten beschreiben?
Naja, ob es jetzt wirklich so ideal ist, ich zu sein, weiß ich auch nicht so recht. Ich bin so ziemlich wie jeder andere auch, was aber gut so ist. Vielleicht ist das einfach schon ideal genug.

Du bist Kanadier, lebst aktuell in Berlin. Wann und warum bist Du ins in die Hauptstadt gezogen und gibt es irgendwelche Vorzüge, in Deutschland Musik zu machen?
Ich bin mehr oder weniger aus Versehen vor ca. 8 Jahren hierher gezogen. Berlin hat mir auf jeden Fall die Zeit und den Raum gegeben, die Musik zu machen, die ich wollte – und noch immer will. Eine der größten Vorzüge für jeden Künstler, der Musik machen will, ist, wie vergleichsweise einfach es hier ist. In Kanada musst Du manchmal zB. 15 Stunden fahren, um zur nächsten Stadt zu gelangen. Im Vergleich dazu ist die Fahrt von Düsseldorf nach Dortmund ein Kinderspiel.

Gibt es irgendwelche Hot Spots in Berlin, die Du empfehlen kannst?
Ich lebe ja wie gesagt seit fast 8 Jahren in Berlin und eine der besten Sachen an dieser Stadt ist, wie einfach und wie toll es ist, sie zu erkunden. Ich würde also jedem empfehlen, genau das einfach zu tun. Ich persönlich verbringe die meiste Zeit zu Hause und mache mein Ding, bin also nicht der beste Tourguide, den es gibt.

Hast Du seit deinem Coming-Out irgendwelche schlechten Erfahrungen machen müssen?
Bisher noch nicht, das ist gut!

Was war das Schmerzhafteste und das Positivste, was jemand über Dich gesagt hat oder was Du über Dich gelesen hast?
Bisher hat noch niemand etwas allzu Schmerzliches gesagt und dafür bin ich sehr dankbar. Jeder, dem meine Musik gefällt und der es mir sagt, lässt mich mich ziemlich gut fühlen.

Was könnte man in der Politik, in der Society und an der weltweiten Denkweise bzgl. LGBTQ verbessern?
Das ist wohl eine Frage, auf die man nicht so einfach antworten kann. Ich denke, die erste und beste Art und Weise, einem Menschen zu begegnen, sollte Empathie sein. Wenn wir damit anfangen, sind wir auf dem richtigen Weg.

Die Zeit verfliegt ja aktuell nur so – nächste Woche erscheint schon Dein Album „HOMOTOPIA“. Kannst Du uns etwas über den Schreibprozess und die Namensgebung erzählen? Auf dem Album gibt es nämlich keinen Track, der so heißt.
Ja, „Homotopia“ ist ein Name, der in einer Konversation im Zug auf dem Weg zu einem Festival fiel. Ich war mit Freunden unterwegs und wir warfen uns Titelideen für Songs an den Kopf. Wir hatten das dann aber alle ziemlich schnell wieder vergessen und mir fiel es wieder ein, als ich angefangen habe, Songs für das Album zu schreiben. Was den Schreibprozess an sich angeht, ließ ich die Songs sozusagen zu mir kommen. Die eigentliche Arbeit war dann, sich hinzusetzen und an den Arrangements und der Produktion zu arbeiten. Das war ja das erste Mal, dass ich so etwas überhaupt getan habe; also habe ich natürlich auch viele Fehler gemacht – ich hoffe aber, mir ist es gelungen, diese auf dem Album zu beheben.

Welcher Song des Albums beschreibt „HOMOTOPIA“ wohl am besten und warum – ist das dann auch gleichzeitig Dein persönlicher Favorit?
Ich finde „Isle of Man“ ist recht repräsentativ für das Album als Ganzes. Es geht um das Leben eines Mannes, der sich aus persönlilchen Gründen nicht einfach outen kann. Dabei gibt es aber keine Beschuldigungen, keine Kritik und keinen Triumph – es geht einfach um ein Leben, das man so lebt. Das fasst so ziemlich alle Songs zusammen und ich mag sie alle sehr!

Ja, „Narcissus 2.0“ ist zB. auch so ein brillanter Song mit toller Idee. Glaubst Du, die Leute verstehen die Ironie dahinter?
Ich denke, den deutschen Hörern wird das vielleicht nicht unbedingt beim ersten Hören auffallen – das ist aber meine Schuld, weil ich in der falschen Sprache geschrieben habe. Daran werde ich noch arbeiten!

Wo wir schonmal dabei sind: was ist dein Lieblingsalbum 2018 bisher und was ist dein „All Time Favorite Record“?
Ich muss gestehen, ich habe keine wirklichen All Time Favorites. Es gibt so viel, was mir total gefällt. Ich habe kürzlich damit angefangen, Mandoline zu spielen, weil… naja, es ist einfach Mandoline und da habe ich viel von Chris Thile gehört. Der Typ ist eine Legende!

Lass uns mal ein Survey (wir nennen es Entscheidungsdilemma) á la MySpace starten. Die Dinger waren damals beliebt, falls sich noch jemand dran erinnert. Du darfst Dich immer nur für eine Antwort entscheiden und das bitte ganz spontan. Viel Spaß!

… das Letzte, was Du gesagt hast: Okay
… der letzte Song, den Du gehört hast: Chris Thile and Edgar Meyer – „Big Top
… was befindet sich genau neben Dir?: Ein Plastikreiher
… wo bist Du gerade?: im Caroline Büro
… Spotify oder AppleMusic?: LOL
… Vinyl oder CD?: Vinyl
… Social Media oder das echte Leben?: Gott hilf uns – das echte Leben!
… Kino oder TV?: Netflix and chill
… der letzte Film, den du gesehen hat: Hellboy 2 – schaut Euch den nicht an!
… Amazon Prime oder Netflix?: Netflix
… letzte Serie, die Du gebinge-watched hast: Rick und Morty – schaut Euch die an!
… Lieblingszitat: Im Moment etwas, was ich auf der Straße auf die Frage „Wo bist Du?“ gehört habe: „Hier, wo Du nicht bist, Du Schwanz!“ – Das hat mich zum Lachen gebracht!
… Umarmungen oder Küsse: Beides super! Umarmungen generell, Küsse nur mit Bestimmten
… die große Liebe oder verliebt sein?: Verliebt zu sein ist toll
… etwas Neues beginnen oder alte Gewohnheiten?: Ich bin in meiner Art und Weise festgefahren
… Fleisch oder Veggie?: Veggie (ich esse aber Fleisch)
… das letzte Mal, dass Du so richtig herzhaft gelacht hast: Das ist schon eine Weile her!
… das letzte Mal, dass Du „Bye Bye Baby“ sagtest: Oktober 2017
… das letzte, was Du getextet hast: Cool and good morning!
… das letzte, was Dir jemand getextet hat: Are you here?
… was machst du, nachdem du das hier beendet hast?: Interview
… gibt es etwas, was du hinzufügen magst?: Alles bestens!
… etwas, was Du jemandem sagen willst, der das hier liest: oh hey!
… hat diese kleine Fragerunde Spaß gemacht oder ist das eher nicht so Deins?: Es hat mir viel Spaß gemacht.
… würdest Du andere, ähnliche Interviews lesen wollen?: Ich lese nicht so gut
… ist das die letzte Frage?: Ja.
… das stimmt – Danke Dir, Sam!: Danke Euch!

Sam Vance-Laws Debüt-Album „HOMOTOPIA“ erscheint am 02.03. via Caroline International Germany,
am 03.03. feiert er seine Release-Party im Berliner Prachtwerk!

VERLOSUNG
Gewinnt 1x 2 Gästelistenplätze
für die ausverkaufte Release-Party
am 03.03. in Berlin (Prachtwerk)!

Mailt uns einfach bis zum spätestens 01.03.2018, 23:59 Uhr unter dem Betreff “Sam Vance-Law + Berlin“ an win(at)the-pick.de und gebt bitte unbedingt Eure korrekte E-Mail-Adresse an, damit wir Euch rechtzeitig benachrichtigen können. Unvollständige Mails und Mehrfacheinsendungen können wir leider nicht berücksichtigen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!

Fotocredits J. Konrad Schmidt

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