Musik-Empfehlung der Woche: MIA DIEKOW – „Du Willst Mich“

Veröffentlicht: Dezember 9, 2017 in Musik
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Wie dick muss das Fell sein, das man sich in diesem Leben wachsen lassen muss? Für wie viel Kindsein ist Platz im Alltag? Wie oft muss man zwischendurch in Zitronen beißen, bevor die Limonade wieder schmeckt? Mia Diekow stellt sich Fragen und lässt sie durch die wundersame Welt ihrer Musik schweben. Die neue Single „Du Willst Mich“ ist unser Musiktipp der Woche!

In ihren Songs gibt es keine einfachen Antworten, kein abgestecktes Ziel, keine schnurgeraden Emotionen, wie sie in vielen deutschsprachigen Popsongs dieser Tage hineinkalkuliert sind. Es sind zarte, leise Lieder, in die immer mehrere Bedeutungsebenen eingebaut sind. Mit sprachlichem Feingefühl lauscht Mia Diekow ihrer Gedankenwelt Gefühle, Erinnerungen und Stimmungen ab und lässt sie ineinanderfließen. Manchmal ist das rätselhaft wie in einem Film Noir, aber immer menschlich in den tastenden Suchbewegungen.

Von einem Film ist auch der Titel des neuen Albums inspiriert: „Ärger im Paradies“. Es ist ein Neuanfang. Der Versuch, sich auf sich selbst zu konzentrieren – und auf die Musik, die dabei herauskommt, wenn man nicht in diese oder jene Genre-Schachtel geschoben, nicht geformt oder begrenzt wird. Nachdem vor fünf Jahren ihr Debütalbum „Die Logik liegt am Boden“ bei einem Majorlabel erschien, wollte Mia diesmal alles selbst entscheiden. Sie hat sich Zeit gelassen. Hat jahrelange Ideen gesammelt und in Texten zusammengefasst, hat die neuen Stücke alleine komponiert, aufgenommen und produziert: zu Hause im Wohnzimmer und im Berliner „Chez Chérie“ Studio, ohne Plattenfirma oder Agenten im Rücken, mit der Hilfe ein paar befreundeter Musiker, insbesondere Tilman Hopf.

Die Songs auf ihrem zweiten Album lassen sich nicht so leicht mit denen anderer deutscher Popkünstler vergleichen. Klingen dafür aber ganz nach Mia Diekow: subjektiv, nachdenklich, versponnen. Es ist eine eigenwillige Melange aus Chanson, Kammer-Pop, ein bisschen Blues und Jazz und den atmosphärischen Verdichtungen von Filmmusik. Leise und vorsichtig schleichen sich die Lieder ins Ohr: Hier ein geheimnisvoller Streicherbogen, dort eine melancholisch hingetupfte Klaviermelodie, ein dunstig klackernder Beat. Und vor allem ist da diese sanft-warme Stimme, mit der Mia Diekow vom Suchen und Sehnen erzählt, vom Einsamsein, Wegrennen und Hadern und vom Sich-selbst-finden. „Keiner ist schuld und keiner gewinnt. Keiner atmet auf, keiner kann es verstehen“, singt Mia Diekow in „Winterfell“ über eine verlorene Liebe. Und andersherum in „Du Willst Mich“ über eine, die nicht so recht beginnen will: „Tritt die Tür ein und hör auf so verdammt leise zu schreien.“

Mia Diekow sagt, man dürfe sie ruhig eine Romantikerin nennen. Musik zu schreiben ist für sie wie ein Rausch – der Schlüssel um in sich hineinzuhören und ihren Gefühlen nachzusinnen. Vor allem aber lernt man beim Hören von „Ärger im Paradies“ viel über sich selbst – und die schönen und verwirrenden Irrwege des Lebens. Vielleicht sogar Dinge, die man noch nicht wusste. Am 16. Februar 2018 erscheint das zweite Album via Weltgast/Indigo, das bereits jetzt hier vorbestellt werden kann – die Single „Du Willst Mich“ findet Ihr hier.

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