Review: JONAHs „Wicked Fever“ ist der perfekte Soundtrack, nicht nur für Freunde des Indie-Pop! (Musiktipp)

Veröffentlicht: Juli 26, 2017 in Neuerscheinungen
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Mit ihrem Ohrwurm „All We Are“ , Titelsong einer der erfolgreichsten TV-Kampagnen eines großen Telefonanbieters, wurden Jonah 2014 über Nacht einem Millionenpublikum bekannt. Mehr als zwei Jahre Zeit haben sich Jonah genommen, um an ihrem ersten Album „Wicked Fever“ zu arbeiten, mit dem die Wahl-Berliner nun nahtlos an den Sound von „All We Are“ anschließen. Eine Review.

Zeit – das zentrale Schlüsselwort zum Verständnis von Jonah und ihrer Musik. Wo andere Bands sofort nach ihrem großen Hit ein Album mit oftmals eher durchschnittlichen Songs nachschießen, da tüfteln die beiden Kindergartenfreunde Angelo Mammone (Sänger) und Christian Steenken (Gitarrist) aus dem norddeutschen Brake lieber bis zur Perfektion an neuen Ideen. Jonah haben sich ganz bewusst gegen einen unüberlegten Longplayer-Schnellschuss und den damit verbundenen One-Hit-Wonder-Fame entschieden, sondern in aller Ruhe in sich hineingehorcht, um ihren eigenen Weg auszuloten – nicht etwa im beschaulichen Brake oder in ihrer Wahlheimat Berlin, sondern auf der wunderschönen kanarischen Insel Fuerteventura. (Ohne Internet, ohne Smartphone, dafür idyllisch am Ozean und mit dem richtigen Gespür, Emotionen für die 11 Songs einzufangen). Spoiler: Das hat sich mehr als gelohnt!

Jonahs Sound darf oberflächlich als Indie-Pop bezeichnet werden, doch weiterblickend geht hier eine unübliche Tiefe von der Grundmelodie der Platte aus – man spürt regelrecht, dass das Duo sich auf das Wesentliche besonnen hat und das Drumherum vollständig ausgeblendet wurde. Ohne dabei gewesen zu sein, wird man beim Hören automatisch in eine menschenleere Bucht gebeamt, von der man auf die Weite des Meeres blickt und in seinen eigenen Gedanken schwimmt. Fast ohne zusätzliche Mittel kommt die Band aus, hin und wieder spürt man jedoch eine gewisse elektronische Brise, die das Ganze verfeinert, den Jonah-Sound zum Leben erweckt und besonders macht. Strukturell ist „Wicked Fever“ rund um jenen bekannten Hit „All We Are“ (aus der Vodafone-Kampagne) gefädelt, was absolut nicht heißt, dass dieses Werk eintönig klingt, denn das Gegenteil ist der Fall (ein Song der nicht Schema F entspricht, ist beispielsweise „Call Me“): Jedes Lied bringt seine spezielle Note mit, wodurch der perfekte Soundtrack für lange Sommerabende auf dem Balkon („Re: About Last Night“, „Body Heat“) oder Roadtrips mit den besten Freunden („Run“, „Find A Place“, „Love Lost“) entsteht – Wicked Fever“ steht für den Aufbruch, dem man mutig und voller Freude entgegen blickt, obwohl einem gleichzeitig auch Wermutstropfen über die Wange laufen und man in der Gegenwart schon in Erinnerungen schwelgt.

Wicked Fever“ erscheint im Juli genau richtig, auch wenn es derzeit ein regnerischer Sommer zu sein scheint: Sich auf der Couch einzukuscheln und mit diesem melancholischen Indie-Pop wegzuträumen, ist wohl mit das Beste, was man dieser Tage machen kann; wenn man nicht vielleicht sogar extra Runden mit dem Auto dreht, um den Scheibenwischer anzustarren, der die Tropfen monoton verschwinden lässt. Doch auch wenn die Sonne wieder durchkommt und Deutschland trockener wird, ist „Wicked Fever“ sicherlich ein stetiger Begleiter, ob nun im Auto, auf Balkonien oder im Park. Dieser Soundtrack sorgt überall für ein wachsendes Gefühl, von dem man vielleicht selbst noch nicht wusste, dass es in einem steckt – Sehnsucht, Fernweh, zig Emotionen auf einmal! Man gerät in die Gedankenwelt der beiden Künstler, die einem wie eine Mischung aus Traum und Realität erscheint – manchmal weiß man selbst gar nicht, wo man steht. Jonahs Debüt zählt für uns bereits jetzt zu den besten Platten des Jahres – und überhaupt zu den größten Debüts überhaupt. Stark!

Wicked Fevervon Jonah | VÖ 28.07.2017 |
ANHÖREN // Download, CD, Vinyl & Spotify!
AUF TOUR // im September!

Fotocredit: Philipp Gladsome
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