Review: MAX RICHARD LEẞMANN bringt mit „Liebe in Zeiten der Follower“ die pure Romantik zurück ins Spiel!

Veröffentlicht: Juli 18, 2017 in Neuerscheinungen
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Zwölf Songs, irgendwo zwischen Big Band und Beatles, zwischen Udo Jürgens, Charles Aznavour und Element Of Crime. Max Richard Leßmann singt über Nähe und Distanz, verbrennt Geld im „Lavendelfeld“ vertont schönste Liebesgedichte genauso wie Kneipenlieder und resümiert über all die selbstauferlegten Zwänge unserer Zeit, dass man außer „Küssen“ gar nichts müsse. Leßmann schreibt Oden an das Leben und die pure Romantik. Eine Review.

Wenn man den Namen Max Richard Leßmann vielleicht auch so bewusst noch nicht gehört hat, ist dieser kein Unbekannter mehr; gewiss nicht – als Sänger und Texter hat der heute 24-Jährige sich einen Namen gemacht. Bereits als Teenager sang er in der Indie-Rock-Band Vierkanttretlager, mit der er zwei Alben veröffentlichte und unzählige Konzerte spielte. Als Texter schrieb er nicht nur für seine eigene Band, sondern auch für und mit anderen Künstlern wie ua. Casper, Prinz Pi, OK KID, Lina Maly oder auch Madsen; letzterer (um genau zu sein: Sebastian Madsen) arbeitete nun mit Leßmann an seinem Debüt und so schließt sich der Freundeskreis.

Bereits die ersten Songs „Spuren auf dem Mond“ und „Ich wünschte“ (ja, das Lied, das man sogar mitsingen und mitpfeifen kann!) gingen in der (Indie-)Blog-Welt ziemlich viral und alle feiern es stark ab, dass Mastermind Max Richard Leßmann nun endlich wieder in den Vordergrund rückt – dieses Mal sogar ganz alleine. Deutlich wird schnell, dass Pop, Chanson, Jazz, Swing und Singer/Songwriter-Elemente ihre Berechtigung in der vielfältigen Musik finden. Dieses Album „Liebe in Zeiten der Follower“ ist eines dieser, das gleichermaßen – je nach Stimmung – sowohl gute Laune machen, aber auch für melancholische Stimmung sorgen kann; und das bei ein und demselben Lied. Heute kann ich die lyrische Finesse in einem modernen Liebeslied wie „Sie trinkt“ absolut feiern, morgen kann ich mich von der Romantik vollkommen hinreißen lassen und mit einem Glas Wein und einem Stück Käse Rotz und Wasser heulen, weil SIE eben so schön ist, dass es wehtut.

Max‚ Songs klingen halt nicht nur wie solche (vielleicht, weil der Text zusätzlich zur Melodie schon eine eigene Melodie hat), was das Ganze besonders macht: Auf den Titel „Mann im Stream“ wäre Udo Jürgens stolz gewesen, denn hier ist Leßmann der perfekte Jürgens-Enkel. Chanson vom Allerfeinsten, aber bitte mit Sahne. Zwischen Zeilen, die aus Liebesbriefen entnommen sein können (teilweise sind die Lieder ja wirklich Liebesbriefe von Max an eine Frau, was die Sache noch einmal interessanter macht!), gibt es auch sozialkritische Sätze, denn die Gedanken auf diesem Longplayer gehen tief: „Ich habe mir das Ausgehen schon lange verboten/ weil Menschen mir zu unsicher sind„. Es reihen sich Themen und Sounds aneinander, die man so nicht auf einem Album erwarten würde – alle Lieder werden stets von der Liebe getragen: Von der Liebe an sich, von der Liebe zum Detail, von der Liebe zum Leben. „Ein Lied aus Dir“ überzeugt mit klassischen Elementen und besticht natürlich allem voran mit bereits erwähnter Lyrik: Intelligente Wortspiele, die so ineinander übergehen als wäre es das Leichteste der Welt: „Doch Du machst Dir nichts aus mir/ Also mache ich mir ein Lied aus Dir/ Da brauche ich nur Papier dafür“ – auf den ersten Blick so einfach und auf den zweiten Blick doch so sehr auf den Punkt. Wie perfekt das klingt, wenn es von der poppigen Chanson-Klassik der Moderne untermauert wird, das kann man sich nicht so einfach vorstellen, das muss man hören. Mit seinen Worten bringt Leßmann seine Gedanken mit einer Leichtigkeit auf den Punkt – „[…] denn eigentlich muss man nichts müssen/ Außer küssen muss man nichts […]“ – und man möchte am liebsten nicht nur sofort losküssen, sondern lächelt automatisch, weil diese ‚klugen Sätze und weisen Worte‘ vor Augen führen, wie einfach das Leben an sich sein könnte.

Liebe in Zeiten der Follower“ beschreibt, dass es zum Glück nur wenige Dinge und Menschen braucht: Es genügt, sich selbst zu lieben – und eben die Eine, den Einen. Dieses Werk ist eine Abfolge verschiedener Liebeslieder, das sollte spätestens jetzt jedem bewusst sein – es sind aber keine „I Will Always Love You„s oder „My Heart Will Go On„s, sondern eben jene Lieder, die romantisch sind – und zwar im wirklich klassischen Sinne von Romantik, der heute vollkommen verloren gegangen scheint, weil Likes und Screens mehr bedeuten als das reale Gegenüber. Liebesbriefe schreiben. Tiefes in die Augen schauen. Einen im Tee haben. Lachen. Miteinander singen. Unter Freunden sein. Zu der Liebe stehen. Schreiben. Dichten. Tanzen, immer wieder tanzen. Vermissen. Zeitung lesen. Küssen. Und natürlich noch einmal Liebesbriefe schreiben. Liebe in Zeiten der Follower“ ist eine Hymne auf das Leben – im Hier und Jetzt. Lasst uns doch alle mal mehr nach dieser Philosophie handeln und leben – und mit Max Richard Leßmann auf den Ohren durch den Sommer gehen, tanzen, lachen, pfeifen, lieben und die Romantik zurück in den (Social-Media-)Alltag holen. Ganz ohne Kitsch, dafür mit Intelligenz, Humor, Liebe und Freude.

Liebe in Zeiten der Followervon Max Richard Leßmann | VÖ 21.07.2017 |
ANHÖREN // Download, CD, Vinyl & Spotify!
AUF TOUR // im November!

Fotocredits: Ingo Petramer / Cover: Caroline International Germany

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