Review: ITCHY werden mit Album Nummer 7 „All We Know“ (endlich) erwachsen – Hymnen ohne Ende!

Veröffentlicht: Juli 18, 2017 in Neuerscheinungen
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Wie wunderschön es doch ist, wenn erstmal gar nichts muss. Wenn aber eigentlich alles kann. Wenn man als Punkrock-Band wie ITCHY auf keiner Trendwelle surfen muss, um dann irgendwann im Hype zu ersaufen. Wenn man niemals dem Zeitgeist nachjagt aus Angst, plötzlich von gestern zu sein. Wenn man auf einmal merkt, wie saugut man wirklich aussieht mit aufgeschürften Ellenbogen, durchgelaufenen Hosen, blutverkrusteten Lippen und einem Lächeln, in dem mehrere Zähne fehlen. ITCHY greifen an! Eine Review.

Kurzer Prozess nach 15-jähriger Bandgeschichte: ITCHY kürzen sich das Poopzkid aus dem Namen und bringen die Sache auf den Punkt. Keine Nachfrage mehr nach ‚Itchy who?‚, keine Verwirrung der Schreibweise, sondern einfach nur ITCHY – und auf dem Höhepunkt des langen Daseins im Business erscheint dann auch gleich mal das Meisterwerk und so wird aus dem verfluchten siebten Jahr mal schnell das siebte und beste Album. Wumms. Kaboong. Bang. ITCHY. Who!

Textlich wie musikalisch geht’s auf „All We Know“ deutlich tiefer, facettenreicher und – da ist das schlimme Wort! – erwachsener zur Sache. Wenn man überhaupt sein musikalisches Coming of Age als alte Hasen der Punkrock-Szene haben kann, dann doch bitte so. Es sind diese eigenen und heftigen Sounds, die wir von großen, international bekannten und anerkannten Bands kennen – nicht, dass wir ITCHY nicht schon längst als auch eine solche auf dem Schirm gehabt hätten – die diese Punkrock-Hymnen wie „Keep It Real“ oder „Danger!“ in sich tragen und gleichzeitig aus sich heraus protzen. Man möchte fast meinen, dieser eine Hammer-Song („Keep It Real“ ) sei eine Ober-Hymne, eine Hymne auf die Freiheit, auf die Wahrheit, auf den Tatendrang. Volle Kraft voraus, ohne auch nur eine Sekunde zurückzublicken.

ITCHY machen Punk, ITCHY machen Rock, ITCHY gießen zu jenen Genres eine gesunde Mischung aus Pop, Indie und Alternative und der Mix ist perfekt, wie die Single „Fall Apart“ bewies. „America’s still not great“ ist eine einfache These, doch tiefergeblickt ist dieser Track textlich absolut stark und powervoll! Sozialkritisch, dabei aber immer mit einer gewissen Ironie gepickt; die Nummern sind vor allem aber tanzbarer und cooler als alles, was die Jungs vorher gemacht haben – in dem Fall fehlte nichts, sondern musste ein Teil abfallen, um 100% ITCHY zu sein.

Auf einer Linie mit den Beatsteaks, The All-American Rejects oder Donots – nicht drunter, sondern wenn überhaupt drüber, eigentlich aber eben völlig auf gleicher Höhe. Zwischendurch darf es auch mal ein Stück melancholischer („Black“ ) werden, niemals jedoch ganz leise – auch etwas mehr Indie darf es zuweilen sein, so erinnert „Before You Go“ stark an The Kooks und auch die dritte Single „The Sea“ schwimmt in diese Richtung, gestärkt durch ein paar sommerliche Vibes, die den Song durchaus radiotauglich machen. Anders als bei „We’re Coming Back“ , einer Nummer, bei der man sich schon auf die bevorstehenden Konzerte freut: Springen, schreien, pogen, ausrasten. Hell yeah! Sing-a-long-Parts gibt es auch, am ehesten zu hören auf dem Closer „The Last Of Us“ .

Insgesamt überzeugt „All We Know“ vor allem durch die Abwechslung, dank der es konstant interessant bleibt. ITCHY können offensichtlich immer noch mehr, wenn sie einmal loslassen – und dann daraus resultierend richtig loslegen; diese 13 Songs überraschen positiv und bieten eine gute Sommerplatte, aber sie katapultieren ITCHY nicht auf die Alben-Bestseller-Listen am Ende des Jahres. (Vielleicht aber auch doch?) Muss aber auch gar nicht sein, denn den Anspruch haben sie wahrscheinlich auch nicht – oder nicht mehr. Denn sie sind, und wir müssen es noch einmal sagen, weil’s auch irgendwie schön ist – endlich erwachsen. Und die Hörer wachsen hoffentlich mit ihnen. Solide Platte, absolut, auf mehr!

All We Knowvon ITCHY | VÖ 21.07.2017 |
ANHÖREN // Download, CD, Vinyl & Spotify!
AUF TOUR // im November & Dezember!

Fotocredits: Ilkay Karakurt

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