[Interview] LIAM X findet „Streaming genial, da es neue Plattformen für unentdeckte Musik schafft“ – neue Single „Sepia“ ab heute überall erhältlich!

Veröffentlicht: Juni 15, 2017 in Interviews
Schlagwörter:, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Liam x ist ein Produzent und Sänger aus Berlin. 1990 beginnt seine Reise, die ihn zunächst in die Nähe von Bielefeld führt, wo er aufwächst, Bands gründet und erste Auftritte absolviert. Noch während seiner Schulzeit zieht Liam in die Hauptstadt Berlin und arbeitet in diversen Studios, mit Musikern aus aller Welt. Heute erscheint seine neue SingleSepia“ (feat. Teesy) und wir sprachen mit Liam x in einem Interview über seine Musik, Berlin und die Musik im Allgemeinen!

In regelmäßigen Abständen haut der Berliner Musiker und Soundtüftler Liam x neue Tracks heraus, wie zum Beispiel seinen Kollaborations-Track „Herbst“ bei dem OK KID Frontmann Jonas aka Egon Holz Vocals zusteuerte, die Großes erwarten lassen. Auch seine vorherige Single „Natur“ zeigte, dass hier eine Menge Substanz vorhanden ist und da noch einiges kommen sollte. Gerade hierzulande kombiniert kaum jemand anderes derart gekonnt, spannende Beats mit souligem deutschen Gesang zu einem überaus gelungenen Stilmix.

Auch auf dem zuvor erschienen Track „Morphin“ geht Liam x konsequent seinen Weg weiter und kündigte neben diesem neuen Song auch gleich noch das DebütAlbum auf seinem eigenen Label Lieben Alle an – im September erscheint die Platte ( „Morphin“ ) und just heute gibt es mit „Sepia“ (feat. Teesy) eine neue Single und unser aufschlussreiches Gespräch mit Liam x, den Ihr unbedingt im Auge behalten solltet.

The Pick: Es gibt schon einige Tracks von Liam x, die in relativ regelmäßigen Abständen einfach auftauchen und immer einen besonderen Beat haben. Du tüftelst rum – wann merkst Du, das ein Song perfekt ist und genau in diesem ‚Zustand‘ jetzt veröffentlicht werden kann?
Liam x: Ich arbeite einfach so lange an einem Track, bis ich das Gefühl habe, dass ich ihn selbst so gerne hören würde. Ich der heutigen Zeit ist so vieles möglich und es gibt keine Richtlinien mehr, die man unbedingt einhalten muss. Wenn das Gefühl stimmt, wird veröffentlicht.

Welcher Titel beschreibt das Projekt Liam x am besten – welchen Titel sollte sich jemand zuerst anhören, der Deinen Sound vielleicht noch nicht kennt?
Wenn es ein veröffentlichter Track sein muss, dann sage ich „Morphin“ und „Natur“, weswegen die beiden Tracks auch die ersten Auskopplungen vom Album waren. Der nächste Track „Sepia“ feat. Teesy, der heute rauskommt, ist mir aber besonders wichtig, da er fast alle Facetten des Album aufgreift.

Dein Debüt-Album „Morphin“ erscheint nun endlich im Spätsommer. Was dürfen die Hörer von der Platte erwarten – wie lange hast Du an der Platte gearbeitet?
Das Debütalbum erscheint am 15.09.17. An der Platte saß ich ca. ein Jahr, aber nur weil ich die vorherigen Songs immer in EPs verarbeitet habe. Ich denke, es hätte schon früher ein Album geben können, aber manchmal kann man die Dinge eben nicht planen.

War der Titel „Morphin“ für das gesamte Album zuerst da oder gab es diesen Titeltrack zuerst, der dann so aussagekräftig war, die Platte so zu benennen?
Es gab den Namen zuerst und dann kam der Song.

Was beeinflusst Dich beim Schreiben und nimmst Du Dir dafür bewusst Zeit, sperrst Dich im Studio ein oder schreibst Du immer mal wieder Textfetzen nieder?
Ich mache das ziemlich genau so. Ich sperre mich im Studio ein und schreibe einfach vor mich hin und nehme immer wieder Loops auf und Textfetzen, die ich dann zu Song verarbeite. Manchmal geht der Schreibprozess aber schneller, wenn ich zum Beispiel mit jemand anderem an einem Text schreibe.

Wie würdest Du Deine Musik mit Songzeilen oder einem Roman beschreiben?
Der Roman „Die Möglichkeit einer Insel“ von Houellebecq passt ziemlich gut zum Thema meines Albums und ist ohnehin sehr empfehlenswert.

Ist das ‚x‘ in Deinem Künstlernamen eine Variable, wie man sie aus der Mathematik kennt – und wofür könnte sie stehen; oder ist das einfach nur der Optik und der Suchfunktion wegen?
Es gab erst den Namen „Liam“ ohne x, das lies sich aber schwer suchen und deswegen habe ich nach einer Erweiterung gesucht. Aus einem Feature bei dem anstatt „feat.“ ein „x“ geschrieben wurde, entstand dann „Liam x“. Es wurde erst einfach nur falsch ausgesprochen und dann fand ich, dass es gut klang und passend aussah. Man kann viel in das x hineininterpretieren und es erinnert mich an viele musikalische Vorbilder, die ebenfalls das X im Namen haben. Warum sollte man das dann nicht auch aufgreifen dürfen.

Du bist während Deiner Schulzeit nach Berlin gezogen. Was hat Dich nach Berlin getrieben und wann wurde Dir klar, dass Du unbedingt in die Hauptstadt gehen musst?
Ich wollte schon seit meiner ersten Klassenfahrt, bei der ich 15 war, nach Berlin ziehen. Eine Produktion meiner damaligen Band ebnete schließlich den Weg in die Hauptstadt.

Berlin. Die Stadt, die niemals schläft, irgendwie. Was bedeutet Berlin symbolisch für Dich und bist Du dort zu 100% angekommen, wirst für immer ein Hauptstädter bleiben?
Ich bin zu 100% angekommen und fühle mich sehr wohl. Ob ich aber für immer hier bleibe, weiss ich nicht. Ich sehne mich schon ab und zu nach etwas mehr Ruhe, dafür habe ich aber auch den ein oder anderen Rückzugsort.

Welche Städte neben Berlin lassen Dein Herz höher schlagen?
Aktuell gibt es für mich keine vergleichbare Stadt.

Bon Iver, The National und Woodkid – Du hattest die Chance, einige Bands kennenzulernen. Inwieweit haben sie Dich musikalisch geprägt und wer ist Deine größte Inspiration?
Es war in der Tat der Wahnsinn, diese Künstler kennenzulernen und bei den Studiosessions und Liveauftritten dabei zu sein. Bon Iver sind für mich eine der größten Bands und Justin Vernon hat mich schon sehr inspiriert – sowohl privat als auch musikalisch.

Du selbst machst auch Remixe, gerade läuft bei uns „Darkness Is A Filler“ von Leslie Clio in Deiner Remix-Version. Wie läuft sowas ab – wird das bei Dir angefragt oder denkst Du Dir: Boah, der Track ist geil, dem möchte ich unbedingt meine Note verpassen. Robot Koch, Tua, Egon Holz sind ein paar Menschen, die bei Remixen oder Features auftauchen. Mit welchem Künstler möchtest Du gerne einmal zusammenarbeiten?
Das läuft meistens so ab, dass ich angefragt werde, ob ich einen Remix machen will und wenn mir der Song gefällt, ich Zeit habe und eine Vision dazu entwickeln kann, setze ich mich gerne dran. Ich würde sehr gerne mal was mit Francis And The Lights machen, weil er für mich eine große Inspiration ist und für viele Sounds, die wir alltäglich hören, verantwortlich ist.

Du hast mit „Lieben Alle“ Dein eigenes Label gegründet, was in der Plastik-Pop-Industrie sicher ein riskanter, aber auch wichtiger und guter Schritt ist. Was hat Dich dazu bewegt und war nach dem Aus von Virgin Records sofort klar, dass Du Dein Album auf dem eigenen Label veröffentlichst, ohne große PR-Maschinerie im Rücken?
Das eigene Label habe ich damals nur gegründet, weil ich Musik veröffentlichen wollte und es noch keine andere Möglichkeiten gab, als über ein eigenes Label mit Vertrieb zu veröffentlichen. Heute geht das Ganze ja auch viel einfacher und es gibt viele Instant Vertriebe, die die entsprechenden Services anbieten (was ich auch sehr begrüße). Das Aus von Virgin war wirklich hart für mich, weil das gesamte Team, mit dem man monatelang an einer Vision gearbeitet hat, von jetzt auf gleich nicht mehr da war. Der einzige Weg mit dem Team weiterzuarbeiten, war die Auflösung meines Plattenvertrages bei Universal und der Zusammenschluss meines eigenen Labels mit dem damaligen Team. Felix und Sascha sind zum Beispiel nun Teil meines Managements und wir können so die Vision weiter zusammen verfolgen. Zwar mit weniger Geld, dafür aber mit mindestens genauso viel Elan.

Heutzutage hat sich einiges geändert, Vinyl ist wieder im Kommen und die CD stirbt aus, Streaming ist ein wichtiger Bestandteil – das war so vor Jahren nicht denkbar. Was denkst Du, wo das letzten Endes hinführt und was würdest Du Dir für die Musikbranche wünschen?
Die CD ist ähnlich wie die Kassette oder die MD ein Zwischenmedium, was ganz klar aussterben wird, wenn sie nicht bereits schon ausgestorben ist. Ich kenne niemanden mehr mit einem CD Player und werde auch keine CD meines Albums veröffentlichen. Streaming ist genial, es hat die Musikindustrie wieder angekurbelt und schafft neue Plattformen für unentdeckte Musik.

Umgekehrt gedacht: Früher gab es Kassetten, man konnte sich die Songs heimlich aus dem Radio mitschneiden und aufnehmen – heute laden viel zu viele leider illegal runter, was nun auch die Filmbranche immens trifft. Ist Spotify ein guter Weg aus dieser Misere und was glaubst Du, wieso Menschen sich Mode bei Superdry und Co. kaufen, aber zu geizig sind, für einen starken Track 1,29€ zu zahlen?
Ich meine, dass die Anzahl an illegalen Downloads extrem zurückgegangen ist, weil man heutzutage sowieso alle Musik überall legal streamen kann. In der Filmbranche ist es natürlich ein anderes Thema, mit dem ich mich leider zu wenig auskenne. Ich denke aber, dass es auf dasselbe hinausläuft wie mit Spotify, dass bald jeder Film ohne lange Wartezeiten über Aboplattformen streambar sein wird. Das Problem, warum wir Menschen uns keine Gedanken darüber machen, wenn wir einen Kaffee für 2,50 kaufen, der mit einem Verzehr sofort weg ist, aber bei einem Song zu geizig sind, 1,29 auszugeben, ist, weil der digitale Song keine Haptik hat. Es ist nichts zum Anfassen und für die meisten ist der reine Klang nichts Besonderes mehr, da Musik immer und überall auftaucht und wir in einer völligen Reizüberflutung leben. Ich kenne aber sehr viele Menschen, die sehr wohl bereit sind Geld für eine Schallplatte auszugeben, ähnlich wie für ein Buch, da es eine klare Haptik hat und man sich bewusster darüber ist, für was man Geld ausgegeben hat.

Der Eurovision-Song-Contest-Gewinner sagte „We live in a world of disposable music, fast food music without content and I think this can be a victory for music that means something. Music is not fireworks, music is feeling … bring music back which is what matters“. Kannst Du mit diesem Zitat übereinstimmen – woraus muss Musik für Dich bestehen, um eben nicht in dieses Fast-Food-Genre zu fallen? Das ist ja wie McDonald’s: Du isst ein fettes Menü und hast kurz danach wieder Hunger auf mehr, weil es Dich nicht befriedigt. Funktioniert das so?
Leider funktioniert Musik eben nicht wie ein Fast Food Menü, sonst würde ja jeder den Trick kennen, wie man Menschen süchtig nach Musik machen kann. Ich halte nichts von einer Aussage die sich gegen „Fast-Food-Music“ wendet, wenn sie von jemandem kommt, der genau das versucht zu tun.

Apropos: Bestellt man Dein Album vor, heißen ein paar der Songs „Menschen“, „Leben“, „Tanzen“ und „Welt“ – ist die Aneinanderreihung zufällig eine Absicht und kannst Du uns erklären, wie Du tatsächlich darauf kamst, das so durchzuziehen?
Das ist reiner Zufall 😉 Herr Böhmermann kann aber mehr zu sagen.

Ist es überhaupt noch möglich, als Musiker, der nicht bei einem Major unter Vertrag steht und nicht Helene Fischer ist, von der Musik zu leben – wie läuft das bei Dir bisher?
Ja, es ist möglich, aber eben nur, wenn man viel live spielt oder viele Aufträge als Produzent oder Songwriter hat. Durch Spotify etc. kann man heutzutage Musik aber auch sehr gut nebenher machen und als ein Hobby ausüben, bei dem hin und wieder was rumkommt. Ich mache Musik hauptberuflich.

Du darfst spontan eine Playlist erstellen, die aus nur zehn Songs besteht; neu oder alt, spielt keine Rolle. (Wir haben natürlich ein bisschen geschnüffelt und Deine „Essentials“-Playlist entdeckt, hätten aber gern eine Alternative mit Deinen aktuellen Musikdauerbrennern!)
Aktuell würde meine Playlist aus Songs von „Boards of Canada“, „Huerco S.“ „Jon Hopkins“ und „Rodriguez“ bestehen.

Du stehst morgens auf. Was passiert zuerst? Musik an, Kaffee, Zeitung lesen, Mails checken – oder wie ist Deine Routine, wenn Du überhaupt eine hast?
Ich gehe zum Sport, dann frühstücken und ins Studio. So sieht so ziemlich jeder meiner letzten Tage aus. Hin und wieder finden Events statt, oder ich spiele selbst live – den Rest der Zeit verbringe ich mit Freunden, oder eben im Studio.

Die brandneue Single „Sepia(feat. Teesy) ist ab sofort überall verfügbar,
am 15. September erscheint das Debüt-AlbumMorphin„,
das man hier vorbestellen kann (sollte)!

Besucht Liam x bei Facebook und Instagram

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s