Review: KRAFTKLUB stehen mit „Keine Nacht für Niemand“ zwischen Liebe, Weltschmerz und Ironie!

Veröffentlicht: Juni 2, 2017 in Neuerscheinungen
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Es war eine der furiosesten Erfolgsgeschichten der jüngeren Vergangenheit: Wie fünf gute Freunde aus Chemnitz 2012 mit ihrem Debütalbum „Mit K“ die komplette Republik aufmischten, das gab einem den Glauben an die anarchische Kraft guter Pop-Erzählungen zurück. Seitdem haben Felix Brummer, Karl Schumann, Till Brummer, Steffen Israel und Max Marschk aka Kraftklub ausverkaufte und umjubelte Tourneen gespielt. Heute erscheint mit „Keine Nacht für Niemand“ Album Nummer 3. Eine Review.

Heute veröffentlichen jene Dudes ein neues Album, die einst prophezeiten, dass die Welt vor die Hunde gehen würde – und das zwar traurig fanden, aber auch wussten, dass es wahr ist. Noel schreibt noch immer keine Songs für Liam, aber Liam veröffentlicht nun auch solo Musik, nachdem Noel damit schon recht erfolgreich ist. In Berlin vegetieren viele vor sich hin, obwohl niemand wirklich hin will. Glücklich sind sie trotzdem alle, irgendwie. Und in diesen komischen Zeiten ist die Welt immer wieder dadurch ein bisschen weniger scheiße, wenn Du mich küsst; denn dann können wir für einen Blick ausblenden, dass Kraftklub Recht behalten sollen und die Welt tatsächlich absolut vor die Hunde geht – Einzelheiten kennen wir leider alle selbst, Donald Trump hat dem Ganzen gerade mit seiner absoluten Dummheit (na und – verklagt uns doch wegen Präsidentenbeleidigung!) die Krone aufgesetzt. Fuck. Ein einziger Lichtblick ist und bleibt die Musik und über die möchten wir nun auch primär sprechen, denn wie gesagt: „Keine Nacht für Niemand“ von Kraftklub ist ab sofort am Start. Und das ist verdammt gut. Denken wir. Wissen wir aber noch immer nicht so recht. So.

Waren die Meinungen über den ersten neuen Song, „Dein Lied“ , noch zwiegespalten, da die extremen Feminismus-Girls sich meldeten; nicht, dass wir Feminismus blöd finden, im Gegenteil – aber mal ehrlich: Es ist ein Song von Kraftklub. Und wer betrogen wird, ist verletzt – davon kann wahrscheinlich jeder ein Lied singen, doch Frontmann Felix Brummer hat es vorgemacht und nennt seine Ex nun also Hure. Öffentlich. Okay. Vielleicht wäre ein anderes Wort schöner gewesen, doch die Intention ist nicht verkehrt und mehr möchten wir dazu gar nicht sagen; welche Hure hat schon ihr eigenes Lied? Etwas Sarkasmus darf hier sicherlich sein, denn was wir auch nicht gut finden, ist die Tatsache, dass nun zig Festivalbesucher „Hure“ über den Campingplatz rufen und damit ein fremdes Mädchen lautstark beleidigen – und vielleicht auch selbst an ihre(n) Ex denken. Aber: Schwamm drüber, denn es wird besser. Die Jungs von Kraftklub gehen mit der Zeit und auch der Opener „Band mit K“ ist ein mit gesunder Ironie gepickter Track; dass bei diesen Herren auch eine gewisse Ernsthaftigkeit und Größenwahn mit drin steckt, ist wahrscheinlich auch jedem klar – doch im Endeffekt gewinnt der Titel durch seine Selbstironie (durch Selbstverherrlichung) an Charme. Und doch treffen sie den Zeitgeist der Generation Y. Eine Platte, die man mit Hinblick auf diesen Aspekt unfassbar gut auseinandernehmen könnte – es geht um Liebe, Depression, Euphorie, Trauer, die Welt und eine Hommage an die eigenen Helden. Neben Rap, Pop und Indie gibt es mit „Chemie Chemie Ya“ auch etwas Funk, der dennoch ruhigere Töne mich sich bringt. Einer der wichtigsten Songs der Band ist wahrscheinlich „Fenster (ziemlich sicher sogar!), eines der vorab veröffentlichten Lieder der Platte – ein kritischer Text, der sich mit den AfD-, Pegida- und Nazi-Idioten (verklagt uns halt auch!) beschäftigt und zwar auf eine sehr kluge Art und Weise. SPRINGT! AUS! DEM! FENSTER!

Wenn es auch nicht jeder erkennen wird, ist diese Platte ein gelungenes Indie-Pop-Stückchen, das mit Sicherheit durch die Decke gehen und gleichzeitig auch von vielen Seiten zerrissen werden wird. Es sind Textzeilen wie „Ich gebe keinen F… / Ich bin eine gottverdammte Jungfrau“ , die den Witz hervorheben – immer wieder sind es vereinzelte Zeilen, die man sich auf T-Shirts drucken könnte. Das wäre überhaupt eine Idee: Mehr Macht für Kraftklub-Motto-Shirts. Felix Brummer und seine Jungs machen zeitgemäßen Indie-Pop mit und ohne Struktur – wohoo! – und bringen Rap, Rock, Synthies, Blues und Bums rein. Bierchen auf und ab gehts, denn gerade der letzte Song, „Liebe zu dritt“ , ist noch einmal eine Generation-Y-Beschreibung: „Die besten Nächte sind die, an die ich mich nicht erinner‘/ Ich will dazu gehör’n, aber nicht sein wie ihr/ Faszinierendes Leben, das keinen interessiert/ Ich will viel mehr/ Ich will zufrieden sein/ Ich will alles teilen/ Mit mir allein“ Fazit: Kann man liken, kann man lassen, wie Jennifer Rostock sagen würden.

Keine Nacht für Niemandvon Kraftklub | VÖ 02.06.2017 |
ANHÖREN // Download, CD, Vinyl & Spotify!

Fotocredit: Philipp Gladsome
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