Review: FAYZEN denkt „Gerne allein“, teilt seine Erkenntnisse aber mit der Welt – ein Musiktipp mit Verlosung!

Veröffentlicht: Mai 11, 2017 in Neuerscheinungen, Verlosungen
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Wer Musik ernst nimmt, muss sie groß meinen. Der Musiker darf keine Angst haben vor mächtigen Worten, er muss etwas wollen, das bedeutender ist als er selbst, und deshalb ist es auch so richtig, dass Fayzen auf die Frage, wieso er im Alter von 15 Jahren mit der Musik angefangen hat, antwortet: „Ich wollte etwas Wahres machen. Und klar, die Welt verändern wollt’ ich schon auch.“ Am 12. Mai erscheint nun sein zweites Album „Gerne allein“ – eine Review inklusive CD-Verlosung.

Noch immer, das hört man sofort, sind ihm die Dinge nicht egal – und vielleicht ist das überhaupt das größte Wagnis des Künstlers Fayzen: dass er mit dem Pop-Prinzip der Oberflächlichkeit bricht. Dass er die Welt mit seiner Musik unterhalten, aber auch ernst und dafür in Kauf nehmen will, die Menschen zu beanspruchen. Nicht mit Forderungen, sondern mit einem unverstellten Blick ins eigene Innere. „Am Anfang der Produktion standen für mich ganz viele Fragen. Warum hat sich meine Exfreundin von mir getrennt? Warum ist mein Opa gestorben? Also: Wie geht man mit dem Verlassenwerden um? Was ist eigentlich meine Aufgabe? Gibt es Gott? Bin ich schuldig? Wie ist das eigentlich, wenn ich alleine dadurch, dass ich Sachen konsumiere, eine Weltordnung fördere, die ich in großen Teilen ablehne? Und ist es moralisch okay, wenn ich trotzdem glücklich bin? Was ist Wahrheit? Und wie komme ich ihr näher?“ Aus diesen Gedanken heraus ist vielleicht der heftige Spoken-Word-Track „Unschuldig“ entstanden, in dem der leidenschaftliche Musiker, Denker und Schreiber Dinge, Gefühle und Alltäglichkeiten betrachtet und sie in all ihrer Tiefe erkennt – und zu einem Entschluss kommt, der jeden Hörer extrem berühren wird – auf dem Album bekommt der Text auch eine musikalische Untermaltung, die passender nicht sein könnte und ein Outro bietet, um einmal runterzukommen. Das ist vielleicht das heftigste, was wir in diesem Jahr hören werden, denn ehrlicher und tiefer in uns alle hinein wird wahrscheinlich niemand mehr blicken.

Farsad Zoroofchi, wie Fayzen bürgerlich heißt, schenkt der Welt nicht nur sein geistiges Eigentum – sondern Geschichten, Erzählungen, Ideen, Vorausblicke, Eingeständnisse, Liebe und dauerhaft Gänsehaut und Nachdenklichkeit. Über Gott, über die Welt, über das Umfeld, über das eigene Selbst. Der Hamburger Songwriter beginnt seine Platte mit „Mondverlassen“ , einem Pop-Rap-Track, der zeitweise an seinen Kumpel Bosse erinnert, und davon handelt, seine Träume aufzugeben und erwachsen zu werden, was auch immer das bedeuten mag – „Man kann nicht immer jung sein/ Geschweige immer froh/ Nein, es gibt kein Nirvana/ Oder Leben nach dem Tod/ Das Leben ist kein Tod/ Und man kann auch nie draus erwachen“ . Kein Wort, keine Zeile wirkt wie ein Zufall – Fayzen weiß genau, was Sache ist und wie schwierig das Leben sein kann. Doch weiß er auch, bereits seit er neun Jahre alt war, dass Musik sein Leben, seine Berufung ist, wie die Geschichte in „Herr Afshin“ ausführlich und biografisch genau erzählt, dass es einem eiskalt über den Rücken läuft, sich eine extreme Gänsehaut bildet und die Tränen aus den Augen schießen, weil es so bedingungslos ehrlich klingt: „Du wolltest, dass ich reich/ Wolltest, dass ich Ingenieur werd‘/ Doch ich hab mein Paradies gefunden/ Papa, hör her!“ . Echte Namen, echte Menschen, echte Gefühle – „Herr Afshin“ erzählt einen Teil des musikalischen Werdegangs in 5 Minuten und 32 Sekunden so detailliert, dass man meint, man sei Teil der Story. Fast fühlt es sich an, als müsste man nach jeder Nummer erst einmal durchatmen, Pause drücken und den Kopf freimachen, um all das aufzunehmen, was Fayzen loswerden möchte – denn diese Gedanken und Gefühle übertragen sich als starke Emotionen auf das Zuhörer-Ich. Jeder Titel hat eine besondere Geschichte, die ganz allein Fayzens persönliche ist und sich doch zeilenweise auf dich und mich übertragen kann. 100% echt, 100% emotional.

Fayzen braucht keine Fotografien – Fayzens Songs sind starke Bilder, die mal kontrastreich und mal völlig schwarzweiß oder bunt sind, ohne dabei auch nur annähernd in eine Monotonie zu verfallen. Das Gegenteil ist der Fall: Jeder Song ist ein Feuerwerk, aus dem tausend kleine Funken in jede mögliche Richtung sprühen; denen man hinterherschaut, weil der Moment so wunderbar ist. Jene Bilder zu analysieren oder zu interpretieren, wäre sicherlich eine sehr spannende und sonderbar schöne Aufgabe, doch sollte das wahrscheinlich ein Jeder für sich selbst versuchen – oder einfach nur zuhören, was dieser großartige Musiker uns mit seinen fantastischen Stories mit auf den Weg geben möchte. Oberflächlich betrachtet, werden alle Lieder mal vom Orchester, Singer-Songwriter-Pop, Rap, Spoken Word und Geschichten getragen. Eine Themenvielfalt, die man heutzutage selten findet – Melancholie, umhüllt von Wärme und Liebe zum Detail. Alles wirkt glaubhaft, nichts wirkt gestellt. Es ist eine Perfektion, die aus Imperfektion entstanden ist – und das ist echt. Fayzen ist jemand, der seine Beobachtungen auf eine sehr sympathische und ehrliche Art und Weise sammelt, in Worte verpackt, mit der Welt teilt. Im Vergleich zu „Meer“ , dem Debüt, nimmt „Gerne allein“ noch einmal Fahrt auf und wirkt strukturierter, tiefer. Fayzen ist Künstler und seiner Kunst gehört Aufmerksamkeit geschenkt, von uns gibts zusätzlich sogar pure Bewunderung und ein herzliches Danke für eines der tiefgründigsten Alben im ersten Halbjahr 2017. Nicht immer leichte Kost, in Zeiten wie diesen jedoch genau das Richtige.

Gerne Alleinvon Fayzen | VÖ 12.05.2017 |
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GEWINNSPIEL
Wir verlosen 1x 1 CD zur Veröffentlichung!

Mailt uns einfach bis zum 21.05.2017, 23:59 Uhr unter dem Betreff “Fayzen CD” an win(at)the-pick.de und gebt bitte Eure vollständige Anschrift an und schreibt uns doch bitte, warum Ihr ‚Gerne Allein‘ von Fayzen gewinnen müsst. Unvollständige Mails und Mehrfacheinsendungen können wir leider nicht berücksichtigen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!

Fotocredit: Caren Detje
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