APOLOGIES, I HAVE NONE therapieren sich selbst und den Hörer auf ihrer neuen Platte „Pharmacie“ (CD Review)

Veröffentlicht: September 5, 2016 in Neuerscheinungen
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Apologies I Have None - PharmacieSeit dem Release des Kritikerlieblings “London” 2012 haben sich Apologies, I Have None einem gnadenlosen Tourplan verpflichtet. Nun erschien mit “Pharmacie” die zweite Platte – während Frontmann Josh McKenzie sich inhaltlich mit dem Fokus auf mentale Gesundheit und Depression einem gesellschaftlich tabuisierten Thema widmet, ist auch das musikalische Statement der gefestigten, gereiften Band nicht weniger beeindruckend: Die große Geste der Killers trifft auf den melancholischen Punk der Menzingers! Eine Rezension.

Apologies, I Have None. Eine Band voller Schmerz! Der Platte „Pharmacie“ zu lauschen gleicht einer kleinen Therapie – wahrscheinlich, weil das ‚von der Seele schreiben‘ der wahren Zeilen für Sänger Josh McKenzie eine schmerzliche Therapie ist, die ihn jedoch eben mit diesem umgehen lässt. Keine Medikation der Welt kann ihm scheinbar besser helfen als die Musik, mit der das lyrische Texten eng verbunden ist.

Kein Wunder, dass das Hören nun eine gewisse Aufmerksamkeit erfordert, denn hier hören wir Persönlichstes aus dem wirklich Innersten – als hätten Kopf und Herz sich zusammengetan, um die Geschichten zu erzählen. Pharmacie“ gleicht demnach zehn Therapiestunden bei einem Psychologen, in denen der Patient (in dem Fall Josh) alles erzählt, was ihn bedrückt; mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass er es nicht ausspricht, sondern mit Leib und Seele raus schreit, raus brüllt. In diesem Fall ist der Schmerz nicht nur als Leitmotiv zu sehen, vielmehr als Grundlage für dieses Album. „What the fuck did I wake up for?“ ist eine der Fragen, die monologartig gestellt Apologies, I Have Nonewerden und tief blicken lassen: Suizid, psychische Krankheiten und Selbsthass sind Themen, über die man nicht gerne oder vielleicht nie spricht, weil sie Dich und Dein Gegenüber aufwühlen, aufschlitzen, zerstören. Leider ist dieses ‚in sich Hineinfressen‘ ein Todesurteil für den Patienten und somit sind diese 47 Minuten ein Hilfeschrei, ein Gespräch und ein mutiger Schritt.

Pharmacie“ ist eine Therapie. Tatsächlich und wahrhaftig. Durch und durch. Nicht nur für Josh McKenzie, nicht nur für seine Band – vor allem auch für jeden, der es jemals hören wird. „Pharmacie“ erzählt eine große Geschichte, verpackt in vielen kleinen Bildern und Worten. Zuweilen ist Josh‘ Stimme so zerbrechlich, dass es einen beim Hören selbst zerbricht und man völlig am Ende und fertig von den Dingen ist, die man zu hören bekommt. Hoffnungslos fühlt man sich, vollkommen hilflos. Durchgerüttelt, aufgewühlt, zerbrochen, erleichtert und gleichzeitig auch absolut am Ende; das sind die Gefühle, die man hat. Der Körper fühlt sich nicht nur wie ein hohler Leerraum an, nein, es fühlt sich an, als würde der hohle Körper von Leere durchströmt werden – als sei einem flau im Magen und das Herz würde durch den ganzen Körper rasen und in Lichtgeschwindigkeit schlagen. Tief durchatmen. Eine Reise, die nach einem traurigen Abenteuer klingt und sich doch wie ein befreiender Rundumschlag anfühlt.

Wer es vermisst, hier einen Anspieltipp oder eine Art Track-by-Track-Review zu lesen, dem sei gesagt: „Pharmacie“ ist ein Gesamtpaket, ein komplettes Konstrukt, das wahrscheinlich tatsächlich nur in seiner Gesamtheit funktioniert. „A Pharmacy in Paris“ fungiert jedoch berechtigt als Abschlusslied, indem es alles Vorhergegangene noch einmal zusammenfasst und auf den Punkt bringt – jedoch nicht, ohne dass man nach dem ersten Hören noch stundenlang über das Gehörte nachdenken wird. Versprochen!

Pharmacievon Apologies, I Have None | VÖ 26.08.2016 | als Download, CD oder Vinyl!

Fotocredit: Uncle M

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