KonzentratKonzentrat stehen für urbane Themen und die Power des Selbermachens. Irgendwo zwischen alten Helden und neuen Hipstern, zwischen NDW und Prince, zwischen Größenwahn und Detailverliebtheit haben Sofia Stark, Joschka Bender und Jan Listing eine Vision entwickelt, die das verschlafene Dörfchen namens Deutsch-Pop wieder in helle Aufruhr versetzen soll. The Pick ist verliebt in Konzentrat – unser Musiktipp, um a) gechillt durch den Sommer zukommen und b) eine Band zu kennen, bevor sie alle anderen hypen!

Nach einem Jahr Songwriting wurde dem Bandsound mit kantigen Gitarren und verspielten Beats ein angenehm garstiges Gesicht verpasst. Entstanden ist kratziger Elektropop mit deutschen Texten; ausgeklügelte Songs, die kompakt und schnörkellos daherkommen. Auf den Punkt. Dabei singt Sofia von Dingen, die in jeder WG-Küche diskutiert und gelebt werden. Es geht um Zeitgeschehen. Um die Selbstreflexion einer Generation, für die so viel in Frage steht und in der man sich nicht selten völlig hin- und hergerissen fühlt zwischen blinder Feierwut und trister Melancholie: „Bei jedem läufts, außer bei mir, denkt sich jeder andere hier. Mein Zug scheint längst schon abgefahren. Geht’s nicht uns allen in etwa so?

Wer die Musik von Künstlern wie Grossstadtgeflüster, Miss Platnum oder Bosse feiert, weil die Texte aus einem Gespräch mit dem besten Kumpel stammen könnten und wer zudem auch zu der Musik selbiger Bands tanzen kann, wird augenblicklich Konzentrats größter Fan werden. Teilweise elliptisch gehaltene Phrasen, wirr und doch so wahr Konzentrat - Eins EP - out nowaneinandergereihte Textfetzen, die zunächst wie Fragmente wirken, beim genauen Hinhören aber kompletten Sinn ergeben – diese neue Dreierkombo hat aus dem Nichts eine EP auf den Markt gehauen und überzeugt mit fünf fabelhaften Songs, die man immer und immer wieder hören muss. Suchtfaktor.

Schlagen die Tracks Herz“, „Monster“ und „Kater“ noch eine eher poppige Schiene ein, so springt „Man weiß es manchmal nie“ voll auf eine Elektro-Schiene auf, die wie gemacht für eine Nacht im hippen Berliner Club ist. Untermauert wird diese fette elektronische Nummer durch die Wortwahl á la „Ich will nichts verändern, aber ich will alles anders“ oder „Juckt mich nicht, Alter, juckt mich überhaupt nicht“, die sich dem scheinbar gängigen Hipster-Ton annimmt. Beim letzten Song „Muscheln“ lassen Sofia, Joschka und Jan es noch einmal etwas ruhiger angehen, lassen die Musik jedoch weiterhin verspielt erklingen. Highlights der EP? Gibt es nicht. Die komplette EP ist ein Highlight, lehrt sie uns doch unter anderem Sekt zum Frühstück sei gesund. „Herz“ und  „Kater“ enttarnen Sofias wunderschöne Singstimme, wogegen „Monster“ auch ihre tolle Fähigkeit zum Sprechgesang aufdeckt und ping-pong-artige Tanzmelodien bereitstellt und „Man weiß es manchmal nie“ und „Muscheln“ verdeutlichen, wie interessant eine passende Stimme Elektro machen kann.

Eins“ ist eine EP, die nicht nur das Zeitgeschehen aufgreift, sondern durch die alternative Mischung aus Pop, Elektro und Funk tatsächlich Zeitgeschehen ist. Was Grossstadtgeflüster und Deichkind musikalisch auf ab und zu vermeintlich niedrigem Niveau machen, geht bei Konzentrat voll auf und klingt dazu noch so unperfekt echt und frisch. Vielleicht auch deshalb, weil es so scheint, als würden Konzentrat nicht auf irgendeinen hippen Zug aufspringen, sondern Berlin, sich selbst und ihre hippe Generation beobachten und anschließend Gedanken zu Worten werden lassen und jene dann mit Musik unterlegen. Fertig ist das Kunstprodukt, das zum Glück „Eins“ betitelt ist und hoffentlich noch Zwei, Drei, Vier, Fünf, Sechs folgen lässt; denn zu beobachten und zum Drüberreden gibt es sicherlich noch einiges. Und das wollen wir hören.

Einsvon Konzentrat | VÖ 22.07.2016 | bei iTunes, Amazon, Spotify und Deezer!

Fotocredit: Nico Stank

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