Die beste Platte seiner Karriere: BOSSE lädt zum „Engtanz“ ein (Album Review)

Veröffentlicht: Februar 9, 2016 in Neuerscheinungen
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Bosse Albumcover ©VertigoBerlinFür “Kraniche” (2013) erhielt BOSSE erstmals in seiner über 15-jährigen Karriere GOLD, gewann Stefan Raabs Bundesvision Song Contest, wurde mit dem ‚Deutschen Musikautorenpreis‚ ausgezeichnet, und heimste den Hamburger MusikpreisHans‚ gleich dreifach ein. Am 12. Februar 2016 veröffentlicht BOSSE sein sechstes Studioalbum “Engtanz”, wobei der Engtanz, den Axel BOSSE in seinen neuen Songs zelebriert, weit entfernt ist vom Klammer-Blues aus Teenagerzeiten – vielmehr ist es ein ausgelassener Engtanz mit dem Leben. Eine Albumempfehlung.

Es sind die tiefgründigen und die besonderen Dinge, die nicht aus der leichten Feder entstehen. Es sind doch genau die Geschichten, die erzählt werden müssen und die Gedanken, die man mitfühlen kann, die bleiben. In denen man sich wiederfindet, obwohl sie metaphorischer sind als jede Metapher selbst. Spätestens jetzt wissen wir alle, dass die Rede hier natürlich nur von Aki Bosse sein kann. „Steine“, die erste Singleauskopplung aus dem sechsten Album „Engtanz“ ist genau das.

Lang erwartet wurde dementsprechend die neue Platte des speziellen Erzählens, unterlegt mit wunderschöner Musik, die mal leise und gern auch mal laut ist. Eingeleitet wird das neueste Werk mit dem melancholisch-hymnischen „Außerhalb der Zeit“, das im Refrain sogar von einem kleinen Chor unterstützt wird, später wiederum von Pauken und Trompeten, stets von klaren Worten („Monsterpizza teilen“) und doch einer hohen Metaphorik („Liebe machen und versinken/ An sich kleben, wie Federn schweben“). Eine Wucht an Song. Ein Opener. Typisch untypisch. Gigantisch.

Umfangreiche Arrangements unterstreichen das Gesamtkonzept der Platte und lassen Bosse noch einmal intensiver klingen, wie zum Beispiel auf „Dein Hurra“ zu hören ist. Zwar stehen noch immer die einzigartige Bosse-Stimme im Einklang mit den lyrischen Feinheiten („Mein traurigstes Gedicht wird dann Blabla“) im Vordergrund, jedoch spielt die Musikalität auf „Engtanz“ eine noch größere Rolle als je zuvor. Ehrliche Texte sind das, was Bosse ausmacht – eine direkte Sprache, die besonders auf „Nachttischlampe“ stark verwendet wird und am ehesten ohne Bilder auskommt, da die klaren Worte die Bilder in sich selbst entstehen lassen und die Musik die passenden Emotionen dazu weckt. Lauter und dadurch gleichzeitig stärker wird es beim Titel „Krumme Symphonie“, einem Feature mit dem unverkennbaren Casper, dessen Eleganz und Varianz kaum zu beschreiben ist; auch semantisch ist dieser Track ein Wahnsinn („Ein Leben ohne Kompass, wer leiht mir den roten Faden?/ Ich sucheBosse die Koordinaten und sehe nur Barrikaden“), was die beiden Herren auch durch die sprachliche Betonung sehr gekonnt zum Ausdruck bringen können. EIN HAMMER TRACK, EIN WAHNSINNSSTÜCK, das muss man mal laut sagen – und bitte laut über Kopfhörer hören!

Mordor“ lebt neben weiteren Beispielen und Redewendungen auch von bekannten Begrifflichkeiten wie Edeka, Audrey Tautou oder Banksy und baut so eine Verbindung und zusätzlich eine großartige Spannung auf, die noch vor Anbruch der ersten Minute tatsächlich eintritt. Ein lautes Lied, das von dem Leid des Weggehens und Vermissens geprägt ist und von Erinnerungen lebt, die jeder kennt. Beobachtungen des Alltags und das Festhalten der hunderttausend Eindrücke dieser Welt („Wir nehmen uns mit“) schwingen hier kontinuierlich mit („Mein Ich ist ein Rucksack aus Gedanken“), immer schön Bosse betont und locker-flockig als sei es federleicht. Und doch sitzt jeder Ton und jedes Wort perfekt und gibt dem großen Ganzen eine ganz große Bedeutung.

In seiner Gesamtheit ist „Engtanz“ ein gemütliches Pop-Album eines beobachtenden und singenden Dichters (das Wort Singer/Songwriter sollte hier vermieden werden, da es davon viele gibt und Bosse wirklich dieser ‚one-of-a-kind‘-Typ ist), das jedoch auch mit RapRock-Anleihen („Krumme Symphonie“), IndieRockBritpop („Immer so lieben“), mit Streichern unterlegten Sprechgesangstiteln („Blicke“) und sehr emotionalen Balladen („Ahoi Ade“) bestückt ist.

Diese wunderschöne Platte erscheint genau zehn Tage vor Bosses Geburtstag! Mit diesem Platin-Prachtstück macht er sich selbst das größte Geschenk – etwas, das auf ewig bleibt; ein Meisterwerk, das explodiert. Und was man sich unbedingt live angucken sollte, um den „Engtanz“ mit Schweiß, Stimmung, Bier und Energie zu begrüßen (Tourdaten & Tickets gibt es hier). Ein „Engtanz“ der Wehmut, Freude, Sehnsucht, Lebensbejahung, Trauer, Alltag, Träumereien, Lappalien, Wortspielen, Tränen, Lächeln, Gedanken. Sollte übrigens jemand nach einem Anspieltipp fragen: Einfach reinlegen. Zuhören. Genießen. Ob von vorne bis hinten oder von hinten bis vorne oder per Zufallswiedergabe oder mal so und mal so. Engtanz“ ist Bosses bisher bestes Album und sich nach fünf Hammerplatten selbst zu übertreffen ist eigentlich schier unmöglich, doch hiermit geschehen. Platz 1 – der Albumjahrescharts.

Engtanzvon Bosse | VÖ 12.02.2016 | als Download, CD, Vinyl und Ltd. Deluxe Fanbox!

Fotocredit: Benedikt Schnermann/ Vertigo Berlin
Kommentare
  1. Anne sagt:

    Auf den Punkt! Genau SO!

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