Album Review zu „Regenbogenmalmaschine“ von JOHANNES MEIßNER: Deutsch-Pop-Poesie ≠ Bouranibendzkoforster

Veröffentlicht: Januar 28, 2016 in Neuerscheinungen
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Johannes Meißner - Regenbogenmalmaschine - VÖ 29.01.2016Johannes Meißner ist ein Phänomen – und eine unfassbare neue Stimme, die direkt aus der Zeitlosigkeit in die Zukunft reist. Der junge Berliner singt vom „Boxhagener Platz“, stellt fest: „Regenbogenmalmaschinen, werden nicht mehr gebraucht!“ und fordert „Matchbox Männeken“ auf zu singen, denn „in jedem Ton sind Visionen und Vielleichtigkeiten drin.“ Der Songschreiber Johannes Meißner bringt seine Gedanken zu Papier, um sie dann als Sänger mit seiner Band auf unverwechselbare Art und Weise zum Leben zu erwecken. Deutsche Sprache, Kontrabass, Schlagzeug, Klavier und Synthie bewegen sich irgendwo zwischen Sigur Rós und Clueso und lösen schon mit dem ersten Ton das Ticket zur Frage: „Fantasiereisen wir?“. Eine Rezension.

Eigentlich ist es ein Wunder, dass „Regenbogenmalmaschine“ noch nicht in Top20 der CampusCharts beziehungsweise überhaupt ziemlich hoch in den deutschen Airplay Charts auftaucht, hat der Song doch einfach alles, was einen Radiohit ausmacht. Ohrwurm? Ja. Groovy? Ja. Mitsingtauglich? Ja. Newcomer? Ja. Deutschquote? Ja. Die gelassenen Beats eines Clueso kombiniert mit einer Art tiefen und wiedererkennbaren Laith Al-Deen Stimme singt sich Johannes Meißner durch sein AlbumRegenbogenmalmaschine“.

Trotz der Ohrwurmtauglichkeit der zehn Songs der Platte verliert Meißner mit seiner Band niemals den Faden, wobei dieser vom Hörer schon einmal genau verfolgt werden sollte – seine Wortgewandtheit sorgt dafür, dass die Texte teilweise ziemlich lyrisch aufgebaut sind und so nicht immer greifbar bleiben, obwohl die deutsche Sprache sich zu 100% durch das Album zieht. Im Vergleich zum Brei, den die Bouranibendzkoforsters unserer Zeit uns da immer vorträllern, ist Johannes Meißner wirklich ein Individuum, denn er ist Mensch geblieben und sein lyrisches Ich sitzt mal morgens, mal mittags oder natürlich auch mal abends auf einer Bank am „Boxhagener Platz“ und verfasst einsam Johannes MeißnerGeschichten, lebt und lässt leben – und wir sollen ihn machen lassen. Und wir lassen das lyrische Ich tatsächlich machen und hören den vielen Geschichten mit der angenehmen Stimme sehr gerne aufmerksam zu. Auffällig sind bei den Tracks vor allem die instrumentalen Parts und die verschiedenen Instrumente, die die Band einbringt: Johannes Meißner neben den Vocals auch am Piano – Maximilian Hirning am Keyboard sowie am E-Bass – Lena Schmidt an den Synths und ebenfalls am Piano – Axel Meier an den Drums und Percussion. Akustisch.

Fantasiereisen Sie?“ ist sicherlich mitunter die Nummer, die einen Schwall an Poesie mit sich bringt und eine entspannte Auszeit gönnt. Johannes und seine Band bedienen sich an vielen Genres, lassen die sonst so übliche Gitarre kurzerhand komplett weg und kommen auch wirklich ungewohnt gut ohne aus – man vermisst die Gitarre nicht, die übrigen Instrumente erschaffen auch so ein geniales Deutsch-Pop-Poesie-Album. Ein bisschen depressive Melancholie (im nachdenklich-schönen Sinne) gibt es mit den Titeln „Egoich“ oder „Da wo du hingehst“ ebenfalls und „Zoeys Fabelwesen“ geht noch eine Etage tiefer und wird ganz ernst, intim und leise.

Johannes Meißner ist ein sehr authentischer Musiker, der dem Mainstream wahrscheinlich zu authentisch sein wird. (Immerhin ist es umgekehrt auch so und Meißner ist der Mainstream zu unauthentisch.) „Regenbogenmalmaschine“ ist keine Platte, die man mal so nebenbei einlegt und den Kopf aussschalten kann (wobei man das sicherlich auch irgendwie schaffen kann), denn dazu steckt viel zu viel Liebe zum Detail in der Inszenierung. Vielleicht ist das der Grund, warum die meisten Radiosender Johannes Meißner noch nicht für sich entdeckt haben – es ist nicht glatt, obwohl es technisch perfekt konstruiert wirkt, aber die Meißner-Lyrik ist ein Stolperstein, über den wir aber nur zu gern gestolpert sind.

Regenbogenmalmaschinevon Johannes Meißner | VÖ 29.01.2016 | als Download und CD!

Fotocredit: Reiner Nicklas

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