REVIEW: Leslie Clio | 28.09.2015 Krefeld, KuFa

Veröffentlicht: September 30, 2015 in Live-Reviews
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Leslie Clio LIVEIch hatte einfach Lust auf etwas Neues. Ich wollte ein Album machen, dessen Songs etwas Positives ausstrahlen. Songs, zu denen die Leute tanzen können.“, sagte Leslie Clio einst über ihr zweites Album ‚Eureka’, das im Frühjahr erschienen ist. Aktuell ist sie mit der Platte zum zweiten Mal auf Tour und hat natürlich auch ihr erstes Album ‚Gladys’ im Gepäck. Wir waren in Krefeld dabei!

An einem Montag ist es immer schwieriger, sich aufzuraffen, in einen Club zu gehen, um ein Konzert zu besuchen. Besonders dann, wenn der Montag auch noch so trist und trostlos ist. Doch vielleicht war es genau die richtige Entscheidung, genau dem entgegenzuwirken und sich von ‚Eureka’ mit auf eine Reise nehmen zu lassen.

Der musikalische Abend beginnt um Punkt 20 Uhr zunächst langsam und im Vergleich zu dem, was uns noch erwartet, ziemlich monoton. Ein lockerer Typ, der sich als Julius vorstellt („Ich mach ’n bisschen Support für Leslie Clio!„), stellt sich hinter das Keyboard und wirkt dahinter ein wenig verloren – er steht, wenn man auf die Bühne schaut, ganz rechts, hinter eben Lidenbrock livejenem großen Keyboard, fast versteckt: „Wir sind eigentlich eine Band. Vier attraktive Jungs„, lacht er, „Ihr könnt uns gern auf Facebook besuchen, einen Like da lassen – das macht unheimlich viel Sinn für uns!„, macht er ein wenig Eigenwerbung für seine Band Lidenbrock, die kürzlich ihre neue EPSchwer zu gehen“ veröffentlicht hat. Heute gibt es die Songs also in einer abgespeckten Version – ohne Schlagzeug, ohne Gitarre. Nur mit Keyboard und ein paar Keydrums. Als Support vergisst er seine wichtige Aufgabe des Anheizens natürlich nicht: „Und jetzt frage ich Euch: Habt Ihr Bock auf Leslie Clio?„, ertönt seine Stimme lauter, „Das macht unheimlich Spaß, ich weiß das zufällig!„, lacht er schelmisch, bevor er den Song „Autodächer“ vorstellt, den er mit einer Sängerin aus Leipzig (Karl die Große) geschrieben hat [den Track gibt es hier übrigens zum kostenlosen Download] und sich nach 20 Minuten verabschiedet – für die nächste halbe Stunde.

Um 20:45 Uhr betritt die Band von Leslie Clio die Bühne und somit auch ein bekanntes Gesicht: Julius steht auch hier hinter dem Keyboard. Mit „Fuck What They Told Ya“ geht es sofort los und das Publikum erstrahlt: Leslie Clio ist kaum da, schon verzaubert sie mit ihren Blicken und ihrer überaus charmanten Ausstrahlung. Nach „Twist The Knife“ begrüßt die Wahlberlinerin die Gäste der Kulturfabrik Krefeld: „Willkommen bei den schönsten 90 Minuten Eures Lebens!“ – es scheint keine Ironie zu sein (vielleicht ein bisschen), sondern vielmehr eine tatsächliche Feststellung und Prophezeiung. Und wie wir später erfahren werden, wird sie Recht behalten. Nachfolgend präsentiert die Blondine, die laut eigener Aussage einen ‚Bad Leslie Clio liveHair Day‘ hat (den sie aber gekonnt weglacht), eine Mischung ihrer beiden Alben „Gladys“ und „Eureka„, bei der Songs wie „Dr. Feelgood“ oder „Bad Eyes“ nicht fehlen dürfen.

Ihrem charmanten Humor kann auch der Drummer offensichtlich nicht widerstehen: Als Leslie plötzlich – in einem sehr britischen Akzent – die Frage „It’s our very first time in Krefeld, isn’t it?“ stellt, muss er schmunzeln, was sie mit einem „What’s so funny?“ hinterfragt und er schlicht und einfach sagt: „You are!„. Yes, she truly is – mit einem Dauergrinsen. Eine lockere Persönlichkeit, die neben ihrem Charakter aber vor allem auch mit ihrer Performance und Stimme überzeugt – die Atmosphäre spiegelt irgendwas zwischen einem Besuch in einem Jazzkeller in New York um 2 Uhr morgens und einem Wohnzimmerkonzert bei Leslie herself wieder. Wie gerufen kommt zu diesen Gedanken ihr erster Hit „Told You So„, der die Soulwucht ihrer Stimme hervorhebt. Wow! Egal welche Art von Song sie mit ihrer Band spielt, immer wieder ist das harmonische Zusammenspiel der Instrumente mit ihrem Gesang und die Harmonie der Menschen auf der Bühne untereinander hervorzuheben – ob bei „Damage Done„, „Island“ oder „Sister Sun Brother Moon„.

Wer hat meine neue Platte?„, fragt Leslie, was ein paar Arme in die Luft gehen lässt, wogegen „Und wer hat sie gekauft?“ ein paar schwinden lässt – „DAS lob ich mir!„, erkennt sie die Unterstützung ihrer Fans an. Was ihr vielmehr zu schaffen macht als die Nichtkäufer scheint ihre Hose zu sein; die Blondine mit dem Zopf hat offensichtlich einen Gürtel vergessen („Ihr kennt das ja„), was die schwarze Jeans rutschen lässt – für das Energiebündel kein Problem, zieht sie sie einfach zwischendurch immer Leslie Clio livewieder mit einem Lächeln hoch, natürlich sehr überzogen, mit einem Augenzwinkern. Auch kleine technische Probleme werden mit einem „Technische Probleme in Krefeld“-Singsang überspielt. Eine wahre Entertainerin eben! Für drei Titel begeben sich alle Bandmitglieder nach vorne und spielen ein kleines, aber sehr feines Akustik-Set, das eine schöne Stimmung verbreitet: „Remedy„, „Million Lights“ und „Fools„. Neben ihren Alben gibt Leslie Clio auch den absoluten Live-Oberknaller zum Besten: „No Man No Cry„, eine Nummer, die sie mit Oliver Koletzki eingespielt hat, lässt die gesamte KuFa tanzen – absoluter Höhepunkt der Stimmung! Mit dem letzten Titel „Be With You“ verabschiedet sich die Formation vorerst und Leslie findet die Worte: „Vielen Dank, Krefeld. War schön, war schön. Danke, dass Ihr da wart. You’re beautiful!„.

Die Fans zögern mit den Zugabe-Rufen nicht lange – Leslie und die Band mit ihrer Wiederkehr ebenso wenig. Die Sängerin fragt das Publikum, welchen Song sie denn wohl noch spielen sollen, als ein Mädchen „I Couldn’t Care Less“ ruft und mit dieser Aussage kurzerhand den Plan durcheinander bringt: „Da hab ich jetzt auch Bock drauf„, tönt Leslie, um dann festzustellen, dass eigentlich erst ein anderer Song auf der Setlist stand. Doch kein Problem – die Band tauscht die Instrumente schnell wieder aus, Leslie stellt mit einem Lächeln fest, dass sie der Chef ist und weiter geht’s. Die Fans tanzen brav im Takt, singen mit, Clio sucht wie auch zuvor schon immer wieder Blickkontakt mit dem Publikum. „Den anderen Song spielen wir jetzt aber auch noch. Und dann wieder ‚I Couldn’t Care Less‘ und so weiter„, scherzt sie. Mit „Make Things Better“ wird dann der wirklich letzte Leslie Clio liveSong des Abends gespielt, die Band verbeugt sich sofort danach und ist sichtlich dankbar. Eine gute Heimfahrt wird gewünscht und Leslie hofft, dass man sich bald wieder sieht und beendet den Konzertabend mit den Worten: „BE HAPPY!„.

Insgesamt durften wir eine 90-minütige Soul-Pop-Show vom Allerfeinsten erleben. Das Niveau ist definitiv international und es ist schade, dass das Konzert nicht ausverkauft war – die Stimmung war zwar auch so auf dem Höhepunkt, doch wären sich manche bei einer etwas dichteren Clubshow vielleicht nicht so beobachtet vorgekommen und hätten noch mehr mitgemacht. Doch die Fans, die da waren, bekamen ein fantastisches Wohnzimmerkonzert geboten! Leslie Clio live sollte man in seinem Leben auf jeden Fall einmal erlebt haben.

Hier geht’s zur Foto-Galerie Leslie Clio / Lidenbrock, 28.09.2015 Krefeld.

(c) Fotos: C. Söhnchen, R. Bektas
Kommentare
  1. Claudia sagt:

    Schönes Konzert-Review und vor allem sehr schöne Schlussworte! Vielen Dank 🙂

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