REVIEW: Ben Howard & Friends | 22.08.2015 Köln, Palladium

Veröffentlicht: September 1, 2015 in Live-Reviews
Schlagwörter:, , , , , , , , , , , , ,

_JAD3513klBen Howard hat in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, wie geniale handgemachte Musik zu klingen hat. Mit seiner erdigen Stimme und dem Gefühl, das er in jeden seiner Songs legt, hat er sich nicht nur hierzulande eine respektable Fanbase erspielt. Schon oft beglückte der smarte Singer/Songwriter Deutschland mit seiner Live-Musik – 2015 kommen seine Fans hierzulande in einen ganz besonderen, exklusiven Genuss. Unser wunderbarer Gast-Autor Mark Dembo war in Köln dabei!

26 Grad im Schatten, blauer Himmel über Köln. Es verspricht, ein guter Tag zu werden und das gilt insbesondere für Besucher des Tagesfestivals „Ben Howard and Friends“. Nicht nur handelt es sich bei dem Auftritt im Kölner Palladium um das einzige Konzert von Ben Howard in Deutschland in diesem Jahr, sondern darüber hinaus haben sich noch drei weitere Holly Macvevielversprechende Künstler angekündigt: Holly Macve, Rhodes und Fink.

Als erste Interpretin des Tages steht Holly Macve auf der Running Order. Die 20 Jahre junge Newcomerin aus Yorkshire (Großbritannien), wurde erst im Juli vom Label „Bella Union“ gesigned und spielt ihren ersten Auftritt hier im Palladium in Deutschland. Überpünktlich beginnt sie um 16 Uhr in der noch mäßig gefüllten Halle zu spielen. Ganz alleine mit ihrer Gitarre steht die junge blonde Frau auf der großen, in rotem Licht gefärbten, Bühne. Die ersten Töne erklingen und nach und nach kommen immer mehr Besucher, wie durch die warmen Klänge angezogen, in die Halle. Ihre Lieder lassen sich am besten als ‚ruhiger Akustik-Pop mit starken Blues-Einflüssen‚ beschreiben. Ab und an erinnert ihr Gitarrenspiel und ihre dominante Gesangslinie sogar an Country-Musik. Dem Publikum scheint die Mischung aus gezupfter Gitarre und kräftiger Stimme zu gefallen. Nach ein wenig mehr als einer halben Stunde bedankt sich die junge Dame bei den Zuhörern für die Aufmerksamkeit und verlässt die Bühne.

Es wird umgebaut und als nächstes spielt Rhodes. Der ebenfalls noch recht junge Brite hat schon einiges mehr an Erfahrung aufzuweisen als seine Vorgängerin. So spielte er schon mehrere Konzerte für BBC1 in England und durfte schon Bühnenerfahrung auf dem legendären Glastonbury Festival sammeln. Die Lichter gehen erneut aus und pünktlich um RHODES18 Uhr beginnt das nächste Konzert. Die Halle ist nun schon deutlich gefüllter und man merkt dem blonden Lockenkopf von der ersten Sekunde an, dass er sich freut, endlich spielen zu dürfen. Er beginnt zunächst mit der kompletten Band zu spielen. Hierbei wechselt die Bassistin regelmäßig zwischen Bass und Cello. Ebenso vielseitig ist auch die musikalische Darbietung: Von ganz wenigen, leisen Tönen mit flüsterndem Gesang bis zu ausartenden Spannungsbögen mit Hall und Geschrei ist alles dabei. Nach drei Songs verlässt die Band die Bühne und David Rhodes beginnt zwei emotionale Balladen zu spielen einzig begleitet von seiner Akustikgitarre, darunter auch „Breathe“ von seiner EP „Home“. Spätestens hier bricht das Eis und das Publikum macht sich durch lauten Applaus bemerkbar. Die Band stößt wieder dazu, sie spielen noch drei Songs, darunter auch „Your Soul“. Nach einer guten Dreiviertelstunde verlässt Rhodes, begleitet von begeistertem Applaus des Publikums, die Bühne. Eine überaus gute Darbietung.

Wieder gibt es eine kurze Pause. Da es ein wirklich schöner Tag ist, verteilen sich die Zuschauer auf dem gesamten Gelände. Viele sitzen in Gruppen auf den Bordsteinen vor dem Palladium, andere tummeln sich im Biergarten des E-Werks gegenüber, in dem fleißig gegrillt wird, um den Hunger der Besucher zu sättigen. Die Stimmung ist locker und unbeschwert, sowohl der schöne Sommertag als auch die gute Laune der Festivalbesucher tragen einen Großteil dazu bei.

Weiter geht es dann mit Fink um 19.20 Uhr. Witzigerweise, war es Fink, der 2009 Ben Howard als Support mit auf sein Konzert in _JAD3408Berlin nahm – nun, 6 Jahre später, sollte es genau umgekehrt sein. Er beginnt mit einem sehr langen Instrumental-Intro während sich die allermeisten Besucher wieder in der Konzerthalle einfinden. Der Brite, der momentan in Berlin lebt, hat ein sehr kerniges Auftreten. So steht er auf der Bühne im schwarzen T-Shirt mit einer silbernen Kette, die man auch fast als Fahrradschloss benutzen könnte. Seine Musik lässt sich kaum in Worte fassen: Indie-Folk mit stetigen Blues- als auch Elektroeinflüssen mit Hang zum Dramatischen trifft es wohl noch am besten. Schon nach den ersten Tönen liegt eine hypnotische Schwere in der Luft, mit der Fink alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Viele Songs beginnen unscheinbar und sind erst schwer zu greifen. Oft beginnt es mit einem Klangteppich, über den mit der Zeit ein treibender Beat gelegt wird. Fink versteht es, das Publikum zu unterhalten und weiß auch musikalisch zu bestechen, wie zum Beispiel durch seinen Hit „Looking Too Closely“ von dem Album „Hard Believer“. Sein letzter Song „Sort Of Revolution“ fasst seinen Auftritt gut zusammen: Er beginnt mit Akustikgitarre und minimalistischem Schlagzeug. Die E-Gitarre setzt ein und erzeugt Hintergrundrauschen, genauso wie die zufällig eingesetzten rhythmischen Samples. Fink beginnt zu singen, man merkt wie der Spannungsbogen immer weiter steigt. Immer und immer weiter. Irgendwie legen sie immer und immer wieder eine Schippe drauf. Das Konzert endet nach mehr als einer Stunde mit einem großen instrumentalem Finale in dem alle Töne mit viel Hall versinken. Fink bedankt sich und verlässt die Bühne.

Als letzter spielt der große Headliner: Ben Howard. Der Brite hat eine spannende Entwicklung hingelegt. Man konnte den Unterschied zwischen seinem 2011 erschienen Debüt-Album „Every Kingdom“ und dem Nachfolger „I Forget Where We Were“ schon deutlich hören, doch live wird es noch viel deutlicher. Kurz nach viertel nach Neun gehen die Lichter aus und das Publikum empfängt Ben Howard und seine Band euphorisch. Ben setzt sich auf einen Stuhl vorne, mittig auf der Bühne, und bBen Howardeginnt direkt mit einem Knaller, „Small Things“ vom neuen Album. Ganz ruhig sitzt er da und spielt. Ben wirkt introvertiert und in jeder Sekunde mit hundert Prozent Herzblut am Werk. Doch was ruhig begann, wird immer lauter und größer. Die Dynamik nimmt immer mehr zu. Und wie man es schon vom neuen Album kannte, wird vor allem eines als Stilmittel eingesetzt: Hall. Schade ist, dass dieser Effekt leider zu stark eingesetzt wird, sodass man die Texte der Lieder nicht mehr wirklich verstehen kann und die Instrumente sich oft mit dem Hall vermischen; leider ist es schwierig herauszufinden, ob dieses laute Hallen bewusst eingesetzt ist oder vielleicht doch an dem Klangbild des Palladiums liegt. Viele Lieder von seiner aktuellen Veröffentlichung werden gespielt, unter anderem „Evergreen“, „Rivers In Your Mouth“ oder „Conrad“.

Erst nach der Hälfte des Konzerts spielt er seinen bisher wohl größten Radio-Hit „Keep Your Head Up“. Auch diese Version ist nicht ansatzweise mit der Version auf dem Album zu vergleichen. Alles ist eine Schippe lauter, eine Schippe abstrakter. Doch der Stimmung im Publikum scheint dies keinen Abbruch zu tun. Nach jedem Song gibt es tosenden Applaus. Auffällig ist, dass Ben bis dato noch kein einziges Wort an sein Publikum gerichtet hat – man hat jedoch nicht den Eindruck, dass er arrogant ist, sondern viel mehr, dass er wirklich nur die Musik sprechen lassen will. Es folgt ein bunter Mix aus neuen Liedern („All Is Now Harmed“ und „Black Flies“) und weiteren Songs von „I Forget Where We Were“ („The Fear“ und „End of Affair“). Und _JAD3675auch hier ist der neue Stil bei jedem Song zu erkennen. Es ist nicht ungewöhnlich für diesen Abend, wenn ein Lied mal länger als sechs oder acht Minuten andauert. Stets findet man einen Mix zwischen minimalistischen Intros und lärmenden Zwischenspielen vor. Das Konzert nähert sich dem Ende, als Ben das erste Mal zum Publikum redet: Er bedankt sich für den Applaus und verbeugt sich aus Anerkennung vor dem Publikum. Doch damit sollte es nicht genug sein. Als Ben Howard & Co. nach einer kurzen Pause für die Zugabe wieder auf die Bühne kommen, wirkt der Headliner des Abendes deutlich aufgetauter. Er fängt an, kleine Witze zu machen, erzählt, dass er mit seiner Band in Aachen war und bedankt sich abermals. Über die Stimmung und das Konzert sagt er, ziemlich treffend, nur eins: „It’s fucking awesome!“. Was als nächstes folgt, ist zur Überraschung nicht „Only Love“ oder „Old Pine Tree“, sondern „Esmeralda“, erschienen auf der EP „The Burgh Island“, womit das Konzert letztendlich endet. Unter enthusiastischem Beifall verlässt Ben mit seiner Band die Bühne. Ein wundervoller Abschluss eines wundervollen Tages!

Wir bedanken uns bei Mark Dembo dafür, dass er als Gast-Autor eingesprungen ist und beim Concertteam NRW für die wie immer reibungslose Abwicklung vor Ort.

(c) Fotos: Mark Dembo
Kommentare
  1. Ein unfassbar guter Musiker!!!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.