Johannes MADSEN erzählt im ersten Teil des Interviews unter anderem, dass der Titelsong KOMPASS „so etwas wie ein Dankeschön an unsere Mutter ist“

Veröffentlicht: August 11, 2015 in Interviews
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MADSENLetztes Jahr feierten Madsen noch mit einem Livealbum und einer Clubtour durch Hamburg ihr zehnjähriges Jubiläum, nun steht mit „Kompass“ (VÖ 14.08.) das neue Album des Quartetts aus dem Wendland in den Startlöchern. Max Leßmann (Vierkanttretlager) formulierte es in der Pressemeldung zum Album kurz, knapp und absolut passend: ‚Kompass ist ein Stadionkonzert in deinem Wohnzimmer.
Erfahrt in unserem ersten Teil des Interviews mit Gitarrist Johannes Madsen mehr zum neuen Madsen-Album!

17. Juli 2015. Ein zunächst lauwarmer Sommertag, der verspricht, sehr heiß zu werden, steht in seinen Startlöchern. Das neue Madsen-Album Kompasskennen wir nun seit zwei Tagen. Und wir sind begeistert von der Platte. Mehr als begeistert. Pünktlich zur vereinbarten Zeit um Punkt 11 Uhr klingelt das Telefon. Herr Madsen spricht auf der anderen Leitung, sofort super sympathisch, locker und erzählfreudig. Ein Gespräch, das nicht wirkt wie ein Interview mit einem Musiker, sondern eher wie ein Gespräch mit dem besten Kumpel am Frühstückstisch. 45 Minuten Plausch über Musik, alltägliche Themen, das Tourleben und, und, und. Wie das eben so ist.

Euer Albumcover wird ja von einem Symbol verziert, in dem wir gleichzeitig einen Anker, Feuer, ein Kreuz, Pfeile und eine Taube entdeckt haben…
Ja, vorwiegend der Anker, meiner Meinung nach! (lacht)

Madsen - Kompass - VÖ 14.08.2015

Am 14.08. erscheint das neue MADSEN-Album „Kompass“ – kaufen!

Ja, das stimmt, der auf jeden Fall vorwiegend, schon allein wegen der Größe! Darunter steht dann ja auch direkt der Albumname „Kompass„. Kannst Du uns da ein bisschen was über die Symbolik erzählen?
Ja, das Album heißt Kompass, weil wir das Gefühl haben, dass es das Album thematisch ganz gut widerspiegelt. Das Stück ist ein ziemlich wichtiges Stück, weil das in diesem jetzigen Lebensabschnitt der Band ziemlich ausschlaggebend ist, vom Text her. Es ist eins von den zwei, drei etwas ruhigeren Songs und ist meiner Meinung nach sehr textlastig und behandelt so ein bisschen das Thema unserer eigenen Mutter. Es ist so etwas wie ein Dankeschön an unsere Mutter und wir fanden, dass es ein guter Zeitpunkt ist, sich mal bei ihr zu bedanken. Sie hat sich auch ganz gut gefreut, glaube ich.

In welche Richtung hat der Kompass denn zu Anfang Eurer Albumproduktion gezeigt und wo stand er am Ende?
Kam es letztendlich auf das Gleiche heraus oder hat sich die Nadel dann nochmal gedreht?

Ziemlich in dieselbe Richtung. Es ist kein Konzeptalbum. Wir sind natürlich nicht unvorbereitet ins Studio gegangen, wir hatten schon eine ziemlich genaue Vorstellung von dem, was wir machen wollten und sind davon auch bis zum Schluss nicht wirklich abgewichen. Weil wir dieses Mal auch nicht komplett allein aufgenommen haben, wie sonst immer, sondern mit einem Produzenten-Team zusammen – zwei Kumpel, die wir sehr gut kennen. Der eine von denen hat schon die meisten unserer vorherigen Alben gemischt und hat immer gesagt, dass es schön wäre, wenn er ein bisschen früher mit einbezogen werden würde, weil er dann noch viel mehr zu den einzelnen Sounds (z. B. Gitarrensounds) sagen könnte. Deswegen war das für uns nur schlüssig, ihn und den anderen (Simon), da auch mit einzubeziehen.

Erinnerst Du Dich vielleicht noch daran, welchen Song Ihr zuerst geschrieben habt und bei welchem Ihr Euch vielleicht gar nicht so sicher wart, ob er es aufs Album schafft und zu der Platte passt? Oder war es bei allen eigentlich sofort klar?
Nee, da tun wir uns immer sehr, sehr schwer – wir diskutieren das dann immer sehr, sehr stark. Wir sind sowieso eine Band, die viel redet. Speziell bei diesem Album haben wir uns sehr schwer getan. Es standen über 50 Demos zur Auswahl, die wir dann alle sortiert haben und geguckt haben, welche Stücke am besten zueinander passen. Das erste Stück bzw. mit das erste Stück, das wir auf dem Album haben wollten, war glaube ich „Sirenen“. Da waren wir uns ziemlich sicher, dass der Song auf jeden Fall mit drauf kommt. Und ganz unsicher waren wir uns bis zum Schluss bei „Ich trink nur eben aus“. Ich war eigentlich immer ziemlich dafür, Sascha z. B. fand immer, dass der eventuell ein bisschen zu stumpf wirkt. Weil es halt das Thema Saufen behandelt. Ich finde ja, dass das so ein Textkniff ist: Ich stelle mir da immer so einen Rapper vor, ich sehe den immer vor mir in der Kneipe, wie er philosophiert, so nach dem Motto „Ich werd die Welt retten, ich werd das und das machen, aber ich trink nur eben aus“. Ich fand diesen Kniff im Text so gut. Man könnte es aber auch stumpf und falsch verstehen und das einfach nur als Sauflied für sich benutzen. Aber wer das macht, der hat es eben nicht verstanden, das ist aber dann auch nicht so schlimm.

Das ist ja wie bei fast allen Songs Interpretationssache!
Genau, ich bin auch sehr für freie Interpretation, das kann auch jeder für sich sehen und sagen.

Welcher Titel war denn in der Produktionsphase am Intensivsten und welchen hattet Ihr ‚ohne große Mühe‘ recht schnell im Kasten?
Tatsächlich hatten wir „Ich trink nur eben aus“ recht schnell im Kasten (lacht). Den haben wir auch ziemlich zum Schluss aufgenommen, weil wir uns ja eben ziemlich lange nicht sicher waren. Als wir uns entschieden hatten, den doch zu machen, ging das dann eigentlich schon recht schnell. Der ist jetzt auch nicht so schwierig zu spielen. Am meisten aufgehalten haben wir uns bei „Küss mich“, das ist auch das Lied, was im Studio noch mit entstanden ist. Und „Kompass“, das Titelstück, der ist echt mega aufwendig gewesen. Da haben wir tierisch dran rumgefeilt. Aber hat sich gelohnt. Da sind wir dann auch alle echt stolz und glücklich drüber!

Eure Songs klingen meistens nach einer Mischung aus Sozialkritik, Aufruhr und Ironie. Welche Message ist Euch denn wichtig, die Ihr mit „Kompass“ in die Welt hinaus tragen möchtet und was seht Ihr eher als den typischen Madsen-Witz darin?
Das ist doch eine ganz schöne Interpretation! (lacht) Als typischen Madsen-Witz? Ich weiß gar nicht, ob wir überhaupt so eine Grund-Message an die Welt haben. Wir machen das in erster Linie für uns – und es soll Spaß machen. Und wenn wir einem von 1.000 Menschen was mitgeben können oder jemanden zum Denken angeregt haben, dann hat sich das schon gelohnt. Wir haben jetzt aber keinen Auftrag und sind auch keine Band im politischen Sinne; dass wir einen Bildungsauftrag oder so etwas haben. Wir empfinden das zumindest nicht so. Uns ist wichtig, dass wir den Leuten ehrlich was mit auf den Weg geben. Und wenn es nur eine Bereitschaft zum Nachdenken ist.

Du hattest ja gerade schon „Küss mich“ angesprochen. Die Nummer hat unserer Meinung nach eine gewisse internationale Melancholie, ist aber dennoch voll Euer eigener Sound. Köntest Du uns da bitte noch ein bisschen spezieller was zur Entstehung erzählen?
Oh ja, finde ich auch. Internationale Melancholie finde ich gut! (lacht) Den Song gab es schon relativ lange als Demo. Der lag ein Jahr lang rum und hat auch bei uns innerhalb der Band ziemlich polarisiert, weil wir uns eben nicht wirklich sicher waren, ob man das machen kann, einfach zu singen „Küss mich“ –  wie die Leute das verstehen und ob das wirklich unsere Message ist. Das haben wir ziemlich lange diskutiert. Der Song hat sich am Anfang auch noch nicht so angehört, wie er sich jetzt anhört. Der hat sich schon noch ziemlich verändert, gerade musikalisch. Da hat jeder von uns seinen Part zu beigetragen. Wir haben jetzt auch gerade ein tierisches Video dazu gedreht! Ich finde, der Song spricht ziemlich für sich. Es wird halt gefordert „Küss mich“! Ich habe grade das Video im Kopf, weil das ist noch so präsent bei mir, ich habe gestern Abend den ersten Rohschnitt gesehen und bin tierisch gespannt, wie das wird. Wir haben in einem Supermarkt gedreht und alle, die keine Kopfhörer haben, drehen durch und müssen sich immer küssen. 

Ihr habt auf diversen Festivals ja schon ein paar neue Songs vorgestellt und die Clubgigs folgen ja auch bald. Worauf freut Ihr Euch denn am Tourleben am meisten? Was habt Ihr ohne Touren vermisst?
Wenn man auf Tour ist, ist immer alles ganz anders. Man muss sich um nichts kümmern – man muss nicht abwaschen, sein Bett nicht machen. (lacht) Man ist ständig unterwegs und lebt die ganze Zeit aus der Reisetasche, das stört einen aber nicht. Man ist halt immer mit derselben Gruppe unterwegs. Es ist irgendwas zwischen Urlaub und Arbeitsreise. Es macht auf jeden Fall tierisch Spaß, man freut sich da immer total drauf, weil es ja auch immer tolle Busse sind, in denen man dann zusammen unterwegs ist und man erlebt unglaublich viel. Ich freue mich immer auf das Gesamte, ich kann gar nicht sagen, was ich im einzelnen so gut finde, es ist das komplette Touren. Klar kann es auch mal nervig und anstrengend sein, aber im Großen und Ganzen freut man sich da immer sehr drauf.

Klingt wie Klassenfahrt – nur mit Leuten, die man wirklich mag!
Genau, wie eine gewollte Klassenfahrt! (lacht)

Habt Ihr Euch denn schon in irgendeiner Art und Weise Gedanken über eine Setlist gemacht? 10 Jahre Madsen ist ja schon ein Ding! Und ab August habt Ihr dann ja nun auch 6 Alben zur Auswahl. Welche Songs dürfen denn Deiner Meinung nach so ad hoc  auf keinen Fall fehlen?
Das wird bei uns auch immer sehr lang und groß diskutiert. Einmal spielen wir Lieder, auf die jeder von uns Bock hat, das sind meistens neue Lieder, weil wir die ja noch nicht so oft gespielt haben. „Sirenen“ darf auf jeden Fall überhaupt nicht fehlen. „Küss mich“ müssen wir auf jeden Fall auch immer spielen. Wenn ich jetzt auf ein Konzert einer Band gehe, die ich geil finde, dann will ich auch die alten Hits hören und nicht nur das ganze neue Album. Und deswegen spielen wir auch ein paar alte Hits wie z. B.“Perfektion“, „Geschichte“ oder „Vielleicht“. Das sind so Lieder, die wir einfach immer spielen, weil wir wissen, dass die Leute die auch immer wieder hörn wollen. Und ansonsten habe ich tierisch Bock auf „Sirenen“. Der macht einfach tierisch Bock zu spielen!

Das sah ja auch im Video schon schwer danach aus!
Sieht man uns das da an, dass wir Spaß haben, ja? (lacht)

Ja doch, auf jeden Fall!

[…Fortsetzung folgt…]

Lest nächste Woche im zweiten Teil unseres Interviews mit Madsen mehr zum neuen Album „Kompass“, über die Kochkünste der Band sowie ihre Vorliebe für TV-Serien.

Von Oktober bis Dezember tourt die Band – alle Termine findet Ihr hier
bei unseren Freunden von FKP Scorpio!

 

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