REVIEW: Jessie J | 01.06.2015 Köln, Palladium

Veröffentlicht: Juni 3, 2015 in Live-Reviews
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Jessie J MLKJessie J hat seit Veröffentlichung ihrer beiden Debütsingles „Do It Like A Dude“ und „Price Tag“ innerhalb von vier Jahren eine Weltkarriere hingelegt, die ihresgleichen sucht. Von 16 Singles landeten allein zehn in der Top 10 der britischen Charts, weltweit konnte sie mehr als 20 Millionen Singles und rund drei Millionen Alben verkaufen. Im vergangenen Oktober erschien ihr drittes Album „Sweet Talker“, mit dem sie aktuell auf ausverkaufter Europa-Tour ist. Wir waren in Köln dabei!

Dass Jessie J für eine exklusive Show nach Deutschland kommt, haben wir bereits Anfang Februar angekündigt – dass diese schnell ausverkauft ist und es nach Zusatzshows schreit, war uns ebenfalls früh klar. Denn es sind mittlerweile vier Jahre vergangen, seit der UK-Superstar ein eigenes Konzert in Deutschland spielte.

Wenn die Besucher des ausverkauften Palladium auf einen Superstar warten und dann eine junge Berliner Singer/Songwriterin in Begleitung Nessiihres Gitarristen auf die Bühne kommt, wirkt es zunächst befremdlich. Doch ‚Vorurteile‘ sind dazu da, um widerlegt zu werden: Schon nach dem ersten Song erntet Nessi für ihre Darbietung großen jubelnden Applaus: „Das ist so erleichternd, denn ich habe mir vorher in die Hose gemacht. Habe ich natürlich nicht, denn das wäre etwas ekelig„, scherzt die Sängerin locker mit den Gästen. Sie präsentiert in komplett akustischem Gewand Songs ihres Debüt-Albums, darunter auch die Singles „Brush You Off“ und „Rolling With The Punches„. Letztere ist auch gleichzeitig Titeltrack ihrer Platte, die man hier erwerben kann, und sollte. Nessi meistert die schwierige Aufgabe, die einem Support-Act manchmal zuteil wird, souverän und sogar sehr gut – für sie ist es ein wahres Geschenk, denn sie hat sichtlich Spaß und gewinnt neue Fans hinzu, wie man hier in den Facebook-Kommentaren nachlesen kann.

Ein wenig Zeit vergeht, die Instrumente werden noch einmal gecheckt, bevor es gegen kurz nach 21 Uhr soweit ist und Jessie J kurz nach ihrer Band die Bühne betritt und den Konzertabend mit dem powervollen „Ain’t Been Done“ eröffnet. Das Gejubel ist sofort groß, sie ist tatsächlich im Rahmen ihrer Europa-Tour in Deutschland. Innerhalb der ersten drei Songs stellt die Künstlerin unter Beweis, was vielen sowieso schon längst klar ist: Sie beherrscht einfach alles. Die poppigen Songs „Ain’t Been Done“ und „Domino“ werden von dem souligen „Keep Us Together“ abgelöst, das ihre einzigartige Stimmvielfalt klar hervorhebt.

Doch nicht nur mit Gesang überzeugt der internationale Star, sondern auch mit ihrer sympathischen Art: „Cheers, Cologne. I feel so happy to be here and I mean it, so thank you!„. Man nimmt ihr ab, was sie sagt; vielleicht auch gerade deshalb, weil sie es nicht in einer überschwänglichen und putzig wirken wollenden Art von sich gibt, sondern es einfach auf den Punkt sagt. Was noch lobenswert ist, ist die Tatsache, dass sie trotz ihrer Stimmgewalt Backgroundsängerinnen hat, die sogar, beispielsweise bei ihrem Hit „Nobody’s Perfect„, mit jeweils kleinen Soloparts zum Einsatz kommen dürfen. Für das Whitney Houston CoverI Have Nothing“ setzt Jessie sich auf die Stufen, um es akustisch und ohne großes Showgetanze zu präsentieren. Doch natürlich nicht, ohne vorher ein bisschen Hintergrund zu erläutern – insbesondere für die Fans, die sie zum ersten Mal live sehen: „You should know some things. I love to sing, I love to sing live and I love to sing challenging things„, beteuert sie. Der Song von Whitney Houston brachte ihr ihren ersten Plattendeal, wie man ebenfalls erfährt.

Jessie J - Sweet Talker - out NOWNach „You Don’t Really Know Me“ geht es mit „Who You Are“ noch einmal ganz sanft und reduziert akustisch weiter. „Jess, you can do it!“, sagte sie zu sich, als sie „Who You Are“ schrieb, „You have to pull yourself out of it – you will get better! It’s about how you use the dark moments that could change your life forever„, predigt sie und ist sichtlich dankbar für das Ergebnis – denn sie hat wahrhaftig ihren (dunkelsten) Moment genutzt und damit ihr Leben für immer verändert; diesen Mut und die Willenskraft möchte sie auch auf ihre Fans übertragen: „It’s time to be yourself and have fun everyday! Please sing it to yourself right now, let it go…„, animiert sie die Palladiumbesucher kräftig, die dem Aufruf natürlich gerne Folge leisten. Der wohl passendste Moment, um dem gerade eingesungenen Publikum noch mehr Mitsingmöglichkeiten zu geben: „Flashlight„, dem Titelsong aus dem aktuellen Kinohit „Pitch Perfect 2„, und „Sweet Talker“ erweisen sich zu den Nummern des Abends, dicht gefolgt von „Do It Like A Dude„, ein Song, den Jessie J damals geschrieben hat, um sich ‚equal‘ zu fühlen, wie sie verlauten lässt – alle möchten doch bitte tanzen und ihre verrückteste Seite zeigen. Gerne.

Nach einer kurzen Unterbrechung, kommt Jessie J natürlich für einige Zugaben noch einmal auf die Bühne zurück: Mit „Price Tag“ und neuem Outfit (ein Bang Bang Oberteil, nachdem sie zuvor einem treuen Fan aus der ersten Reihe ihr Cologne Oberteil zugeworfen hat) startet sie in den letzten Part des Abends, der noch eine Überraschung bereithält: Zwei Fans dürfen nacheinander mit ihrem Star „Mamma Knows Best„, das Jessie noch einmal kurz proben muss, da sie es lange nicht mehr gespielt hat, und „Rolling In The Deep“ (Adele Cover) singen. Jessie hatte zunächst Angst, da sich wohl schon einmal Leute gemeldet haben, die nicht singen können – heute aber nicht, denn die beiden Jungs haben schöne Stimmen, trotz Aufregung – und sie sind nicht alleine, denn plötzlich singt das gesamte Palladium mit dem Jungen und ihrem Star Jessie J zu Adeles Megahit, den ja wirklich jeder kennt. Jessie, die ein bisschen in Zeitnot wirkt, muss schnell mit den Songs „Masterpiece“ und „Bang Bang“ den gelungenen Konzertabend beenden.

Was uns nach dem Konzert klarer ist als je zuvor: Es braucht keine große Live-Band, um dem Publikum als Support einzuheizen – und es braucht keine Zirkusattraktionen oder Arenen, um als Headliner live zu überzeugen. Weniger ist manchmal mehr, das bewiesen sowohl Nessi als auch Jessie J. Well done: Die perfekte Mischung aus Pop, Soul und Sex mit reichlich Sympathie und persönlichen Infos und Gags von Jessie J, die das Publikum leider nicht immer zu verstehen scheint.

Es ist nicht gewöhnlich, dass wir einen Konzertbericht ohne Fotos liefern. Jedoch wurde uns leider keine Fotoerlaubnis erteilt, was wir wirklich sehr bedauern. Wir hoffen, dass der Bericht den Abend auch ohne Bildmaterial ein bisschen wiedergeben kann.

 

(c) Foto Jessie J: MLK, (c) Foto Nessi: Bella Lieberberg

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