PAPER AEROPLANES & LEE MACDOUGALL liveEindrucksvoll haben der Engländer Lee MacDougall und die Waliser Paper Aeroplanes 2014 in 15 Shows bewiesen, dass Großbritannien musikalisch zusammenrückt. Und weil’s so schön war, gehen die beiden Acts 2015 noch einmal gemeinsam auf Deutschlandreise, um „More Tales from Britain“ zu erzählen –  Lee MacDougall mit seinem Debüt-Album „Busk Till Dawn“ (hier könnt ihr unsere Rezension lesen) und die Paper Aeroplanes mit ihrem neuen Album „Joy“ (hier könnt ihr unsere Rezension lesen) im Gepäck. Wir waren in Essen dabei!

Es ist kurz nach 20 Uhr, als zuerst Sarah Howells & Richard Llewllyn die Bühne betreten – die Paper Aeroplanes machen heute den Anfang und erzählen zuerst ihre weiteren „Tales from Britian„, bevor danach Lee MacDougall die Bühne des Café Nova in Essen betreten wird. Die Location ist gut gefüllt, der Altersdurchschnitt der Zuhörer ist „erwachsen“ und liegt schätzungsweise bei 30-40.

Mit ihrem älteren Song „Time To Be“ eröffnen die Paper Aeroplanes den Abend, der schon während der ersten Töne verspricht, ziemlich leise und trotzdem sehr stimmungsvoll zu werden. Um einen kurzen Fehler des Technikers zu überbrücken, begrüßt die sympathische Sarah PAPER AEROPLANES livedas Publikum kurzerhand: „Thanks for coming out on a Saturday evening, there are so many other things you could do. Thank you!„. Die Zuschauer hingegen sind ganz gefesselt und gespannt, warten auf den richtigen Anfang des Erzählabends. Schnell ist es soweit und mit „Race You Home“ vermitteln sie einen ersten Live-Eindruck ihrer neuen Platte „Joy„, die es seit dem 10. April zu kaufen gibt. Der Titel scheint der Anstoß für weitere Lieder des neuen Werks zu sein: „This is quite a sunny, happy song about unconditional love„, leitet Sarah den eindringlichen und einfühlsamen Song „Good Love Lives On“ ein, den sie selbst am Keyboard begleitet, wie auch das darauffolgende und wunderschöne „Gold Rush„.

Immer wieder fällt es Sarah leicht, ein bisschen zu erzählen – kein Wunder, bezeichnet sie das Essener Publikum doch als ’smiliest crowd‘. „I worked in a cafe before we quit our jobs to be full time musicians and there was someone who came by everyday. I had a crush and I got seven songs out of it„, erinnert sie sich lächelnd, bevor „Safe Hands“ beginnt, gefolgt von „Red Rover„. Schnell wird deutlich, dass die Paper Aeroplanes auf dieser Tour nicht nur „More Tales from Britain“ erzählen, sondern auch eine perfekte Songmischung aus allen bisher veröffentlichten Alben bieten. Doch nicht nur das Duo alleine singt, sie möchten auch Unterstützung aus dem Publikum gewinnen: „I was wondering if you would sing with us…„, fragt sie sich, um die Fans nach einem „uhuhuh“ als Chor zum Song „Books“ zu bitten.

Die Fans können sich jedoch besonders über den Titeltrack „Little Letters“ des Vorgängeralbums begeistern und jubeln lautstark PAPER AEROPLANES livelos, als die ersten Töne einsetzen – auch Sarah geht hier sehr aus sich raus und steckt ihre ganze Stimmkraft in den Song: „I think this is our second or third show, but it might be our favourite so far in Essen!„. Wahrscheinlich liegt sie damit sogar richtig, denn durch die „last song“-Anmerkung vor „Circus“ sind alle ganz traurig: „You can come to Cologne tomorrow or say Hi at our shop in 5 minutes„, lädt sie die Zuschauer ein, die nicht aufhören, zu applaudieren, als die Beiden die Bühne verlassen – natürlich lassen sie es sich nicht nehmen und kommen  für eine exklusive Zugabe wieder: „What should we do? We do a song called Newport Beach and we’re coming down…„. Der letzte Titel wird akustisch inmitten eines Kreises im Publikum gespielt, das Sarah sich genau anschaut und sich im Kreis dreht. Die Fans folgen der Aufforderung „If you know the words or know them by now, you can sing along“ und unterstützen die Paper Aeroplanes beim letzten Lied tatkräftig und verabschieden die Band mit einem mega Applaus und Gejubel.

Es gibt jedoch noch mehr Geschichten aus Großbritannien zu erzählen: Nachdem Wales nun ein bisschen erzählen durfte, ist nun London dran – Lee MacDougall setzt auch unmittelbar beim Betreten der Bühne ein. Die gesamte Berlin-Handyklau-Story zu zitieren, wäre zu lang, deshalb erlauben wir uns eine Kurzfassung der einleitenden Worte, von denen wir nur „Ich bin ein Deutschländer“ (ja, Lee ist seit wenigen Tagen Bürger der Hauptstadt) klar benennen möchten. In der ersten Nacht ging er – „because I’m British“ – einen trinken und spazierte nachts durch Friedrichshain. Fazit: Sein Handy wurde geklaut. Er rannte dem Typen im betrunkenen Zustand nach und verlangte sein Handy zurück. Der Dieb war offenbar so verdutzt, dass er es ihm nach kurzem Zögern auch zurück gab: „In London, the people aren’t so polite. I mean, when they steal, they don’t give it back!„. Mit einem ersten Kompliment für Deutschland hatte der Wahl-Berliner also schon guten Zuspruch, sodass es ein Leichtes war, seinen Song „Joanna„, den er für seine Ex-Freundin schrieb, einzuleiten und die Fans zum Lachen zu bringen: „Ladies, if you date a musician, be aware that he is going to write a song about you!„.

Überhaupt fällt es dem Blondschopf leicht, viel zu erzählen – und zwar nicht nur mit seinen Liedtexten: „This next song is about a place I left LEE MACDOUGALL livebehind… London. A place which thinks is the world„, schmunzelt MacDougall und bringt auch die aufmerksamen Zuhörer wieder zum Lächeln, bevor er „London In The Summer“ einleitet und hinzufügt: „The weather in London is not like in Essen. Everytime I come to Essen, the sun shines. I was walking in my shorts one hour ago… but that was in my dressing room„. Spätestens jetzt ist klar: Der Typ ist ein Scherzkeks. Ho, ho – die Fans lachen, natürlich, flache Witze sind ja immer gut, was Lee zu einem „Du bist sehr sympathisch“ bewegt. Ganz  schön viele Eisbrecher, die der Brite da von sich gibt. Und es funktioniert. „My new record, my only record [alle lachen] came out one week ago„, merkt er noch einmal an, „There are some true stories from the record and this is the sad song„, leitet er „Hindsight“ ein und sorgt für aufmerksames Zuhören seitens der Fans.

Neben Songs des Debütwerks präsentiert Lee MacDougall jedoch auch ein paar brandneue Tracks, darunter „The Richest Man In The World„, den er aufgrund des Titels mit den witzigen Worten „I guess, it’s a song about me„, ankündigt und einem Freund aus England widmet, der heute auch anwesend ist. Ein Text, der mit „Dreams are nice but they don’t pay your rent“ wahre Worte bereithält. Ein weiterer, neuer Titel ist „You Are Not Her„, vermutlich Lees bestes Liebeslied, das gerade auch durch die Lyrics und seine emotionale Stimme in dem Song unter die Haut LEE MACDOUGALL livegeht. Wenn alle das Album kaufen, könne er hoffentlich ein zweites machen, worauf sich der Song dann befinden würde. Mit „Star Hotel„, eine Nummer „about travelling through America and dreams of being a rockstar„, gibt’s aber natürlich auch noch einen Albumsong. Besonders charmant wirkt Lee, wenn er versucht, Deutsch zu sprechen: „Wenn Euch meine Musik gefällt, könnt Ihr nach dem Konzert eine CD kaufen und wir können knutschen… quatschen. That’s why I don’t speak German„, wickelt der Sänger vor allem die weiblichen Fans um den Finger. Weiter berichtet er davon, ‚Hatemails‘ bekommen zu haben, als er aufhörte, sein beliebtes (und wirklich grandioses) Medley zu spielen, weshalb er es nun wieder in sein Set einbindet.

Insgesamt gibt es offenbar wirklich sehr viele „Tales from Britain“ zu erzählen – so viele, dass die Paper Aeroplanes und Lee MacDougall nach einer gemeinsamen und erfolgreichen Tour 2014 nun zurückkehrten, um „More Tales from Britain“ Preis zu geben. Es ist immer wieder angenehm, den Dreien beim Erzählen zuzuhören – ob nun zwischen den Songs oder durch ihre sehr bildhaften Lyrics. Eine Kombination, die einfach einen perfekten musikalischen Abend verspricht.

>> Hier geht’s zur Foto-Galerie Paper Aeroplanes / Lee MacDougall, 18.04.2015 Essen.

(c) Konzertfotos: C. Söhnchen, R. Bektas

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