REVIEW: Ida Gard | 04.12.2014 Düsseldorf, Pitcher

Veröffentlicht: Dezember 7, 2014 in Live-Reviews
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IDA GARD liveIn Dänemark ist Ida Gard ein aufgehender Stern. 2014 spielte sie auf dem SPOT Festival, singt gemeinsam mit einer Gruppe dänischer Künstler Songs, die Flüchtlinge aus Bosnien, Syrien, Palästina und dem Iran gemeinsam mit einem Therapeuten geschrieben haben und supportet die Folk-Rock-Legende Bob Dylan. In Deutschland unternimmt sie in 2013 bereits eine erfolgreiche Kurz-Tour als Headliner und im Frühjahr 2014 spielt sie im Vorprogramm von Songwriter-Shootingstar Gregor Meyle und veröffentlicht im Herbst ihr zweites AlbumDoors“ und startet eine größere Headliner-Tour. Wir waren in Düsseldorf dabei!

Sehr gerne verbringen wir unsere Zeit damit, noch nicht so bekannten Künstler bei ihrer Arbeit zuzuschauen. Nachdem wir ihr aktuelles Album „Doors“ im September hörten (unsere CD-Rezension kann man hier lesen), fiel Ida Gard uns auf – besser spät als nie. So war es für uns recht schnell klar, dass wir sie während ihrer aktuellen Tour besuchen, wozu es uns dann ins Pitcher nach Düsseldorf verschlagen hat.

Ida Gard „Need A Break“ live @ Pitcher Düsseldorf:

Um 20:45 Uhr betritt Ida Gard, deren Schlagzeugerin noch am Bühnenrand auf ihren Einsatz wartet, die Bühne und beginnt, mit „Swan“ den ersten Song zu singen, sich selbst mit der E-Gitarre begleitend, ein Lied über die Trennung der Eltern. „We’ve been writing a lot of new songs lately, so I’ve wanted to share them. I hope, it’s okay„, spricht sie in das noch verhaltene Publikum, das eine gewisse Distanz zur Bühne wahrt und stellt „Get You Once Again“ vor. Die Dänin scheint den Zuschauerraum auflockern zu wollen und redet immer wieder mit ihnen. So IDA GARD liveerzählt sie beispielsweise, dass „In Case You Haven’t Heard“ unter anderem einen Grund enthüllt, wieso sie keinen Plattenvertrag unterschrieben hat – ‚ein Däne namens Thomas war ehrlich gesagt der Hauptgrund‘, das könne sie ja sagen, denn es gibt ja viele Thomasse.

Es ist ein erstaunlicher „voller“ und klarer Sound, dafür dass lediglich zwei zarte Damen auf der Bühne stehen, doch die bringen wirklich ordentlich Wumms mit: Ida Gard mit ihrer Stimme und den wechselnden, hübschen Gitarren und Anne Kirstine Winkler hinter den Drums, sodass die Musik live noch geschmeidiger wirkt als auf CD, fast schon einen Reggae-Touch mit sich bringt, wie nachfolgend auch „Doors“ und „Good Enough“ beweisen. Dass die sympathische Sängerin auch über Themen schreibt, über die nicht jeder gerne redet, zeigt ihr Song „My Two Feet„. Doch es ist ganz und gar nicht das, wonach es klingt, denn es gehe hier um das, was die Füße zu tragen haben und dass sie einen irgendwie immer dorthin bringen, wo man sein sollte – wenn sie Angst hat, auf die Bühne zu gehen, dann gehen ihre Füße einfach los und plötzlich stehe sie da, gibt sie ihre wertvollen, philosophischen Gedanken Preis. Eine weitere ungewöhnliche Tatsache ist, dass man nur ein Liebeslied in dem Gard-Repertoire findet: „Beginners„. Der Grund ist einfach: „I was about to write a love song because that’s what you do and then it sounded like I love you, blabla, I kill you‘„, bringt sie das scheinbar langsam warm-werdende Publikum zum Lachen.

Eine weitere Story, die die Fans zum Schmunzeln bringt, hat Ida auch parat: In einem Interview, das sie heute gegeben hat, wurde sie gefragt, ob sie Aura Dione kenne, da diese ja auch aus Dänemark kommt. Ihre Geschichte dazu ist sehr bezeichnend, denn Dione habe sich die Füße angemalt, Dinge in die Haare gesteckt, etc. und sie flechtet sich einfach nur 2 Zöpfe als ‚Markenzeichen‘, sodass sie damals dachte: „Damn, it IDA GARD livewas my no 1 single! And then, of course I wrote a song about it!„, grinst sie, da es ihr Leitsatz ist, „because that’s what I do!„. Und weil die Songtexte so lebensnah sind, da sie zu bestimmt 99% so von ihr selbst oder Freunden/Bekannten erlebt wurden, findet man sich auch schnell mal darin wieder. Da Ida auch schon immer nach Deutschland wollte, tat sie es einfach und die Leute sind ja irgendwie da. Man braucht also keinen großen Zirkus, wenn man etwas erreichen möchte. Aber den Song „Germany“ gibt es dennoch, man fühlt sich geschmeichelt.

We wanted to play a song that everybody knows„, leitet sie nachfolgend ihr CoverRunning Up That Hill“ von Kate Bush ein: „So that’s why we picked a song which is not mine„, und auch die Schlagzeugerin ist sich sicher: „When Kate Bush ever goes up on a stage again, I’ll be there. And you too!„, lädt sie Ida fast ein. Eine gelungene Auswahl für einen Cover-Song, da die Beiden sich den Song zu eigen machen, wie es sich heutzutage jeder Casting-Show-Juror wünschen würde. Weiter erfahren die gut unterhaltenen Gäste, dass Ida aus einem Dorf mit 5.000 Einwohnern kommt, sodass man nicht viel ‚rumfoolen‘ könnte, so besingt sie es auch in dem Titel „On His Knees„. Düsseldorf hätte es da einfacher mit rund 600.000 Einwohnern. Natürlich darf zum Ende eines gelungenen Abends die aktuelle Single „Need A Break“ nicht fehlen, ein wahrer Ohrwurm, bei dem man sehr schnell mitsingen kann. Eine Erfahrung muss die Dänin noch loswerden, bevor sie ein paar Zugaben spielt, die das Pitcher auch verlangt: „I love Sanifair. It’s so clean. We don’t have that in Denmark„, lobt sie das Toilettensystem auf vielen Raststätten des Landes und schließt den musikalischen Abend dann mit „Anker/Gigolo„, einem Song für den Sohn ihrer besten Kindergartenfreundin, ab.

Insgesamt bietet Ida mit ihrer Schlagzeugerin Anne einen fantastischen Konzertabend, dessen ca. 1 1/2 Stunden wie im Fluge vergehen. Eine gute Mischung aus den beiden bisher veröffentlichten Alben sowie neuen Songs. Ida Gard ist eine Songschreiberin, durch und durch, die während des Auftrittes zwischendurch wie versunken in ihrer Musik und ihren Texten wirkt, was ein schöner Anblick ist. Auch wird man unglaublich gut unterhalten und hat immer was zu lachen.

Übrigens: Ida Gard ist ab Februar 2015 wieder auf Tour, das sollte man sich nicht entgehen lassen!

>> Hier geht’s zur Foto-Galerie Ida Gard, 04.12.2014 Düsseldorf.

(c) Konzertfotos: C. Söhnchen, R. Bektas

 

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