REVIEW: Jennifer Rostock | 20.11.2014 Dortmund, Westfalenhalle 3a

Veröffentlicht: November 28, 2014 in Live-Reviews
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Jennifer Rostock LiveNach den Festivals ist vor der Tour: Der Sommer vergeht sang- und klanglos, es wird Zeit für einen wärmenden Hoffnungsfunken für die kalten Tage: Jennifer Rostock besatteln wieder das Tourneegefährt! Nach ausverkauften Hallen im Frühjahr und prallgefüllten Freiluftbühnen in der heißen Jahreszeit geht es nun wieder ans Eingemachte. Ein Monsun aus Schweiß und Konfetti, Moshpits und eine Band zum Angrabbeln. Menschen, Biere, Sensationen. Wir waren in Dortmund dabei!


Es ist 20:05 Uhr, als KMPFSPRT die Bühne der Westfalenhalle 3a in Dortmund betreten und beginnen, halbwegs melodische Musik, mit viel zu viel Bassdröhnung, zu präsentieren – zu den Texten kann man als Nichtkenner erstmal wenig sagen, denn man versteht vielleicht jedes fünfte WortJennifer Rostock LIVE des Geschreis. „Vielen Dank, Dankeschön. Wir wollen uns etwas aufwärmen mit euch!“, sind die sprechenden Worte, die wir dem Mund des Sängers nach dem ersten Song entnehmen können; irgendwas mit „tanzen“ verstehen wir auch noch, aber das war’s dann auch schon. Das ist gerade so wie in einem Arbeitszeugnis: Wir wollen niemanden schlecht machen, den wir nicht kennen, aber eigentlich weiß jeder, was die Formulierungen bedeuten. Das Publikum scheint anderer Meinung zu sein, denn von dort ertönt Jubel, auch wenn die Zuschauer die Performance über eher still für die laute Musik waren. Positiv finden wir, dass sie am Ende was über Nazis erzählen, wovon leider akustisch auch nicht viel ankommt, außer „Genauso wie wir, habt ihr keinen Bock auf die Wichser“ und eine „Nazis raus“-Antwort aus dem Zuschauerraum, und dass der letzte Titel ein Anti-Nazi-Titel ist. Die Message kommt nicht rüber, denn wie zuvor verstehen wir keinerlei Textzeilen (die Leute um uns herum auch nicht), als sich die Band verabschiedet: „Vielen Dank, wir waren Kampfsport aus Köln, viel Spaß mit Jennifer Rostock!“.

Nachdem die Herren um 20:46 Uhr die Bühne verlassen haben, betreten Jennifer Rostock nach einer halbstündigen Pause um 21:15 Uhr ihr Zuhause für diesen Abend, das mit kreischendem Jubel der Fans und einer Lichtershow zum Intro begonnen wird, bevor Jennifer Weist zum ersten Titel „Insekten im Eis“ wie aus dem Nichts plötzlich auf der Empore auftaucht und sich in ihrem Netzoutfit sexy eintanzt und ihren Feinemäusen einen „wunderschönen guten Abend, Dortmund“ inmitten der ersten Performance wünscht. Hinter ihr ist eine Kaleidoskop-Projektion zu sehen. Ein Pluspunkt im Vergleich zur Vorband: Der Sound ist zwar auch ziemlich überzogen und verläuft sich in dem leeren Mittel der nicht ansatzweise ausverkauften Westfalenhalle 3a, aber Weist versteht man klar und deutlich. Schon recht zu Beginn wird klar, dass, trotz anderer Setlist, die eigentliche Show sich nicht viel verändern wird: Die Jungs spielen eine hübsche (oder vier hübsche) Nebenrolle(n), Jennifer ist der Mittelpunkt Jennifer Rostock LIVEder Show und Alkohol ist natürlich auch wieder en masse im Spiel („Erstmal ‘n Schnäpschen, erstmal zur Einstimmung. Zicke zacke, zicke zacke, hoi hoi hoi“), aber auch die Konfettibombe platzt bereits während des zweiten Songs „K.B.A.G.“.

Obwohl Jennifer Rostock im Verlauf der Jahre auch immer häufiger Popsongs produzierten, gibt’s allein durch den Ruf „Feueeeeer“ schon wieder richtiges Rock-Feeling, was mit dem neuen Song und Tourtitel „Kaleidoskop“ nicht weniger wird. „Dortmund. Riesengroße Halle hier!“, stellt Jennifer fest, doch dass sie nicht so gut besetzt ist, merkt man kaum, kreischen die Anwesenden doch als wäre sie ausverkauft. Als Spezialgast war Nico angekündigt, der auch zum fünften Song prompt die Bühne betritt: „Der Nico gehört ja jetzt mindestens schon 7 Jahre zu unserer Jennifer Rostock Familie! Wir sind ganz stolz. Wie so häufig, wird auch heute Abend ein rockiger Part durch einen ruhigen ausgeglichen, um mal Luft holen zu können: „Im Februar hatten wir kein Unplugged Set dabei, aber ein bisschen schmusen muss jeder mal können“, erzählt Jennifer, sich an ihren Intimbereich fassend, „Passt auf, Leute, das wird jetzt echt emotional!“, leitet sie „Schlaflos (Pt. 2)“ ein – für viele Fans eine Einladung, ihr Handy zu zücken, um zu fotografieren und zu filmen, für die Sängerin ein Grund zu trinken: „Das war mir jetzt zu emotional, brauche erstmal einen Schnaps“, kommentiert sie und erzählt daraufhin, dass nach 7 Jahren ein „neues Tourgetränk“ hermusste und somit der Whiskey mit Wodka ausgetauscht wurde. Aha. Vielleicht eine Info für ‚NEON Unnützes Wissen‘. Oha, da trauen wir unseren Ohren kaum: „Ladies and gentleman, get yourself ready fort he legendary Kopf oder Zahl!“, ertönt die Stimme des Bassisten Christoph Deckert, der mal nicht sein „Stil vor Talent“-Shirt trägt. DAS beides ist so unerwartet, dass wir erst einmal einen Schnaps brauchen. Nein, Gott sei Dank nicht.

Um auf den Anfang unseres Berichtes zurückzukommen, der sagte, es sei alles gleich: Die zwei Fans kommen natürlich auch passend zu „Der Jennifer Rostock LIVEKapitän“ auf die Bühne, erhalten ihre Mützen und jeder singt eine Strophe plus Refrain des Songs und das Publikum entscheidet am Ende. An diesem Abend hat der Junge gewonnen, das Mädel war wohl zu frech, vorlaut, wie auch immer, aber jedenfalls hat sie ein cooles Foto aus der Perspektive von der Bühne gemacht und somit eine bleibende Erinnerung. Finden wir cool! Mit „Kein Sommer“ stellt die Band einen weiteren Song ihrer neuen EPKaleidoskop“ vor, die a) die erste Veröffentlichung auf dem eigenen Label ist und b) aktuell exklusiv auf Tour zu kaufen ist, als Dankeschön für die Fans: „Das war der beste Sommer ever! Wir hatten immer Sonne bei den Festivals, nur eine Regenshow. Mit dem Song möchten wir euch DANKE sagen, ohne euch wäre das alles nicht möglich!“. Hach. So romantisch. Im Umgang mit ihren Fans ist die Band definitiv weit vorn‘ dabei. „Ihr habt den Song jetzt erst kennengelernt, aber ihr werdet den jetzt schon mit uns singen“, fordert Jennifer das Publikum auf, „Alles, was ihr machen müsst, ist 3x hintereinander „Kein Sommer“ singen“. Klappt auf jeden Fall gut, wie auch das Fan-Hochspringen und Mitmachen zu „Himalaya“, das sie sich soeben gewünscht hat. Zum letzten Song dürfen die Jungs sich mal wieder oberkörperfrei machen („Mädels, alle mal kurz in die Mitte gucken!“) und sich gegenüberstellen, sodass sie gleich mit den eingefeuchteten Brustwarzen gegeneinander prallen können. Naja, okay. Manch ein Mädel verbringt die Zeit auch im BH auf den Schultern ihres Freundes, Nico ist auch wieder da und stagedived ein wenig, während die Leaderin noch einmal die Standardmessage loswerden möchte: „Das dürft ihr nie vergessen, wenn ihr irgendwo mal mit Jennifer Rostock in Verbindung kommt… NAZIS RAUS, SCHWANZ REIN!“, bevor es in die Zugaben übergeht.

JJENNIFER ROSTOCK Liveennifer Rostock haben mit ihrem „Schlaflos“-Album eines der besten rausgebracht, auch die „Kaleidoskop“-EP gefällt uns sehr gut, sodass wir von dem Live-Konzert ein wenig enttäuscht sind und nicht zuordnen können, ob es an der Westfallenhalle 3a liegt oder ob die JR-Alben immer besser, aber die Live-Gigs immer eintöniger werden bzw. konstant gleich bleiben. In Oberhausen am Anfang des Jahres fanden wir sie noch großartig, heute Abend war es eine solide Leistung auf gutem Niveau, aber wir schieben es wirklich auf die Location, die vielleicht zu groß gebucht war, denn an sich sind wir große Freunde der Jennifer-Rostock-Live-Karawanne.

>> Hier geht’s zur Foto-Galerie Jennifer Rostock / Kmpfsprt, 20.11.2014 Dortmund.

(c) Konzertfotos: C. Söhnchen

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