REVIEW: Wakey!Wakey! | 14.11.2014 Köln, Gebäude 9

Veröffentlicht: November 18, 2014 in Live-Reviews
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WAKEY!WAKEY! liveIm Juli war es endlich soweit: Die neue Platte von Wakey!Wakey! erschien um uns alle zu erlösen. Das zumindest deutet der Albumtitel „Salvation“ an, und die Fans glauben natürlich an das Brooklyner Projekt rund um Sänger, Songschreiber und Schauspieler Michael Grubbs. Nach seiner US-Tour sollte es auch eine Europa-Tour geben, denn zwischenzeitlich wurde mit „Salvation Stripped“ noch eine ohne-Band-Version des neuen Albums veröffentlicht – und so machte sich Grubbs mit seinem „Piano“ auf, den Fans Geschichten zu erzählen und zu singen. Wir waren in Köln dabei!

Da wir Köln-Konzerte oftmals an anderen Orten erleben, haben wir uns gefreut, mit dem Gebäude 9 heute Abend mal wieder eine andere, urige Location zu sehen, was sich auch als schön rausstellte (bis auf die stickige Luft, woran auch die laute Lüftung nichts ändern konnte).

Gegen 20:30 Uhr kam mit dem wuschelhaarigen Casey Shea ein sympathischer Typ auf die Bühne. Nach einem ungefähr 3-minütigen Monolog, in dem er es aber noch nicht schaffte, sich vorzustellen, erzählte er von Gott und der Welt, bis er selbst zu dem Entschluss kam: „Wer weiß, ob ich FR8A4383klüberhaupt singe“ – doch das tat er kurz darauf mit einer Gitarre bewaffnet: „Ich freue mich, heute Abend hier spielen zu dürfen!“, brachte er sogar auf Deutsch über die Lippen. Neben seinem Song „Chelsea“, für den er des Publikums unterstützende Stimmen brauchte und auch bekam (auch die wenigen Männer waren sehr stimmstark), spielte er auch ein paar Balladen, die ebenfalls gut bei den Besuchern ankamen; jedoch nicht so gut wie die schnelleren Nummern, wie er auch selbst feststellte: „You’ve made it through the slow songs!“. Nebenbei erzählte Casey immer geduldig viel und machte zum Ende hin auch noch ein Foto des Publikums, solche Erinnerungen hat man bekanntlich ja sehr gerne. „I love your breakfast, I mean… the bread, it is amazing!“, ließ der Sänger das Publikum noch wissen und konnte sicherlich einige Fans dazu gewinnen.

Kurze Zeit später kam Michael Grubbs plötzlich auf die Bühne, er schlich sich einfach an, ohne großes Drumherum. Er setzte sich hinter sein Piano und begann, mit „Always And Forever“ den ersten Titel seiner Stripped-Down-Sets zu spielen: Nur er und das Piano, das sollte sich den ganzen Abend über nicht ändern. Eine sehr gute Entscheidung, wie sich rausstellt, sind die Fans doch auf diese Art und Weise erst auf Wakey!Wakey! aufmerksam geworden. Trotzdem (oder gerade deshalb) sollte dieser Abend ein ganz besonderer werden: Mike nahm sich vor, zu jedem Song ein bisschen über den Titel oder seine Entstehungsgeschichte zu erzählen – und das tat er auch sehr erfolgreich und heimste so einige Lacher ein. Ein Schauspieler und Sänger, der gleichzeitig auch Komiker sein könnte. Trotz der oftmals ruhigen, teilweise traurigen Songs, ist ein Wakey!Wakey!Konzertabend also unter Garantie sehr lustig und unterhaltsam.

Through The Night“ hat er beispielsweise während eines Schreibprozesses in Los Angeles geschrieben: „L. A. is always dangerous for me. Almost the whole cast of One Tree Hill is living there”, erinnert er sich lächelnd zurück, „Let’s get drunk“, haben sie ihm immer vorgeschlagen; mit dem Unterschied, dass man betrunken und betrunken sein kann. Wir können uns vorstellen, unter welchen Umständen und Nachwehen diverser Partynächte der One Tree Hill Stars unter sich dieser Song entstanden ist. Vielleicht macht das den Song nur noch besonderer.

Wakey!Wakey! „Through The Night“ live @ Cologne, Gebäude 9:

Natürlich spielt er nicht nur Songs der aktuellenSalvation“-Platte, die wir euch jedoch ans Herz legen möchten, sondern auch Titel des ersten Albums, darunter auch „Dance So Good“: „Dance doesn’t actually mean dance. It is like a code word. I can’t tell because there are younger people here. I’m good at watching television”, erzählt Michael Grubbs grinsend. Weiterhin erzählt er den Fans, dass die Songs des ersten Albums wie Tagebucheinträge waren – er dachte, niemand würde es jemals hören, bevor dann jedoch One Tree Hill ins Spiel kam, alles seinen erfolgreichen Lauf nahm und er dann in den Gedankengang kam: „Oh my God, I have to write another album!“, was ihn für eine Weile ein wenig unter Druck setzte, weshalb die Veröffentlichung des neuen Albums womöglich einen Moment länger andauerte.

Auf einer Reise ans Meer merkte er, wie sehr sich das Wort „ocean“ in seinem Kopf verankerte, sodass plötzlich in seinem Kopf automatisch alles mit „ocean“ verbunden und verglichen wurde, was er so aber gar nicht wollte: „There are great ocean songs, but not mine“, stellte er fest. So hat er den Titel „Great Lake Love“ benannt, den er über eine ehemalige Freundin schrieb, da die Liebe einfach nur so groß wie ein „great lake“ und nicht wie ein „ocean“ war. Gute metaphorische Lösung, wie wir finden: „Our love was not like an ocean, only a great lake – not as big as I wanted it to be“. Von einer traurigen Liebesgeschichte kommt es zu einem sehr lustigen Part der Show, den man kaum beschreiben kann, man muss ihn erleben, aber wir versuchen es. Grubbs stellte sich, hinter seinem Piano sitzend, vor, dass die Rollen in seinem Song „Irresistible“ von Bruno Mars und Rihanna gespielt werden! Und ja: Er meint das ernst. Er stellt es sich so sehr vor und beschreibt es so genau, spielt es sogar nach, dass man selbst denkt, dass es so ist: „I’m an actor, you know!“. Oh, ja, spätestens jetzt wird uns das wieder bewusst, bevor er noch einmal in aller Deutlichkeit anmerkt: „It all takes place in my head right now!“. Faszinierend, dass seine Konzentration den Song dann doch noch so wunderbar präsentieren konnte. Wir müssen jetzt noch lachen, nicht nur, wenn wir an seine ‚dance moves‘ denken. Die Fans zögern keine Sekunde, den Sänger beim „Ohweohwe“-Mitmachpart zu unterstützen. Am Ende dieser unterhaltsamen Nummer gibt der Popmusikliebhaber zu: „It was good! I felt like I was actually Bruno and Rihanna!“.

Casey Shea kommt als „Special Guest“ noch einmal auf die Bühne, um die Songs „War Sweater“ und „Almost Everything“ zusammen mit Michael Grubbs zu performen, sodass die beiden Titel neben dem Piano auch noch von der Gitarre und einer zweiten Stimme begleitet werden: Damals, als „War Sweater“ in der Serie One Tree Hill zum ersten Mal lief, war auch ein Song von Casey zu hören die beiden haben sich die Episode WAKEY!WAKEY! livezusammen angeschaut und Selfies vor dem TV gemacht – und auch jetzt zückt Casey spontan sein Handy und macht ein Selfie von sich und Mike, natürlich mit den Fans im Hintergrund. Überhaupt stellt Michael fest, dass Traurigsein das Beste war, was ihm passieren konnte: Er schrieb den Song „Car Crash“, der es zurück in die Setlist geschafft hat, als seine ehemalige Freundin ihn einfach allein in ihrem gemeinsamen Apartment zurückließ.

Zum Schluss blieb es nur noch, sich zu bedanken und sich vorzustellen, als würde man „Zugabe“ rufen, denn es blieb keine Zeit mehr und Wakey!Wakey! ist eh nicht der Act, der auf sowas Zeitraubendes steht, und so durfte man als Zugabe noch „Wake Up (Lily, I Love You)“ und „Light Outside“ genießen, bevor es für die meisten Fans in Richtung Merchandise-Stand ging, wo man Michael und Casey natürlich noch antreffen konnte. Eine Sache wollte Grubbs aber doch noch loswerden: „You came to see me instead of Michael Bublé who is playing two streets from here!” – und wir wetten, dass das heute Abend mal wieder niemand bereut hat und so beobachten wir am Schluss noch kurz, wie von Tour-Shirts über CDs/Vinyls bis hin zu Postern einiges verkauft wird. Ein gleichermaßen unterhaltsamer, schöner, emotionaler und perfekter Abend!

>> Hier geht’s zur Foto-Galerie Wakey!Wakey! / Casey Shea, 14.11.2014 Köln.

(c) Konzertfotos: C. Söhnchen, R. Bektas

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