REVIEW: The 1975 | 08.10.2014 Köln, Live Music Hall

Veröffentlicht: Oktober 15, 2014 in Live-Reviews
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Mit den Songs aus ihrem selbstbetitelten Debüt-Album sorgen The 1975 bereits weltweit für Gänsehaut-Feeling. Besonders im UK zählen sie schon länger zu den absoluten Stars der Stunde. Das britische Quartett, bestehend aus Frontmann und Sänger Matthew Healy, Gitarrist Adam Hann, Bassist Ross MacDonald und Schlagzeuger George Daniel, liefert unbeschwerte Melodien und starke Schlagzeugparts. Die unterschiedlichen Einflüsse der vier jungen Männer aus Manchester prägen den neuen Sound dieser Band. Um ihre neuen Songs vorzustellen, machten sie auch wieder Halt in Deutschland. Wir waren in Köln dabei!

Es gibt eins, das wir total gut finden: Club-Shows. Wenn die dann noch lange vorher restlos ausverkauft sind, kann es eigentlich nur eines von dreien heißen: a) Die Band ist live total großartig, b) es handelt sich um eine UK-Indie-Band oder c) man befindet sich in Köln oder einer dieser typischen Club-Gig-Städte. Um es kurz vorwegzunehmen – wir möchten gerne a, b und c ankreuzen. Und so war’s dann insgesamt in der Live Music Hall am 8. Oktober 2014:

Pünktlich um kurz nach 20 Uhr betritt die Vorband Pool die Bühne der Live Music Hall und blickt auf eine ausverkaufte Halle. Direkt starten sie mit ihrem ersten Titel, der gefühlt Pool liveerstmal fünf Minuten andauert – eine typische Indie-Rock-Band, Fokus voll auf den Sounds, auf der Musik; alle drei Bandmitglieder fühlen jeden Ton so sehr mit und singen auch jede Zeile mit, auch wenn sie gerade nicht an der Reihe sind. Erst einmal sieht man drei unscheinbare „Normalos“, die ihr Ding durchziehen und ihre Musik lieben und leben. Ungewohnt: Der Schlagzeuger spricht zunächst als Einziger mit dem Publikum und übernimmt so den Part des Frontmanns. Auf die lauten ausziehen“-Rufe des weiblichen Publikums reagiert er prompt und reißt sich sein Shirt vom Leib, was mit Gekreische belohnt wird. „Wir waren in Paris, Brüssel – ihr seid bisher okay, Köln,…“, versucht der symphatische Schlagzeuger die Gäste zu mehr Radau zu ermutigen, was nicht nur aufgrund seines freien Oberkörpers gelingt: Das mädchenhafte Gekreische nach dem vierten Titel der Band ist lauter als das bei der Nachfrage „Freut ihr euch schon auf The 1975?“. Abschließend wird’s ein wenig ruhiger, der Drummer hält ein Feuerzeug in die Höhe und hofft auf das Mitmachen der Fans: „Wow, das sieht schön aus!“, bedankt er sich, bevor sie von der Bühne verschwinden und Selfies mit einigen Neu-Fans machen dürfen.

Die Umbaupause vergeht für eine UK-Indie-Band ungewohnt schnell, sodass The 1975 um kurz nach 21 Uhr bereits auf der Bühne stehen und den Auftakt ihrer Deutschland-Tour mit „The City“ beginnen. Noch während des ersten Songs schnappt Publikumsliebling Matt Healy sich ein Handy eines Fans aus der ersten Reihe, um das Geschehen aus seiner Sicht kurz zu filmen. Sofort ist also klar: Das wird ein Konzert mit Publikumsinteraktion. Auch die weiteren Songs „Milk“, „M.O.N.E.Y.“ und „So Far (It’s Alright)“ kommen live sehr gut an, obwohl der Sound der Live Music Hall in den hinteren Reihen bekanntlich nicht der beste ist. Matthew hält sehr oft Augenkontakt mit Fans, was ihm sehr wichtig zu sein scheint, worauf er prompt mit Rosen belohnt wird, die er zunächst in der Hand und dann im Mund hält. Ein wahrer Mädchenheld mit zerfetzter Jeans und lässiger Frisur, der auch noch singen kann, sympathisch wirkt und mit seiner Band tolle Indie-Pop-Songs schreibt.

Are you enjoying yourselves, Cologne? Thank you so much for coming out, this is a sold out show. We love you so much. Thank you, thank you, thank you,…”, bedankt er sich plötzlich unerwartet bei den treuen Fans. Immer wieder nimmt er das Wort „Cologne“ zwischendurch in den Mund und ist sichtlich erfreut und hat Spaß an der Sache. Die Show der Band wird vor allem durch die Interaktion des Frontmannes und der Licht-Show ausgemacht und aufgewertet – es ist schon fast ein The 1975 liveLichtspiel der Scheinwerfer, die hinter der Band zu finden sind. Ansonsten ist das Bühnenbild recht mager, es gibt nur das leuchtende Rechteck, das ansonsten um das Logo der Band zu finden ist, was aber gar nicht schlimm ist, denn weniger ist hier definitiv mehr. Bei jedem einzelnen Song wird die Textsicherheit der Fans hörbar bewiesen, sie erkennen den Titel meist ab der ersten Sekunde – und man hört zwischendurch immer Aussagen á la „Das fühlt sich die ganze Zeit an wie Nadelstiche, das hatte ich noch nie“; die Mädels scheinen überall kurz vor der Ohnmacht.

Zwischendurch kommt dann noch ein Saxophonist auf die Bühne, der von Healy mit einem lächelnden „let me introduce our newest member“ vorgestellt wird. Die Live-Instrumente scheinen The 1975 sehr wichtig zu sein, sodass die Songs wirklich absolut schön erklingen könnten; hätte man das Konzert nur nicht vom Gloria hochverlegt. Auch scheint Matthew Healy auf eine Sache Wert zu legen: „Don’t watch this song with the phone, laptop. This is really important to me. Watch it with your eyes!!!”. Die Fans gehorchen natürlich und so sieht man vorerst kein Handy oder ähnliches im Publikum, während Matt „Me“ mit vollster Emotion singt; bis es dann eine kleine Unterbrechung gibt: „Do you have a light on your phone? Put it up … perfect“; und das ist es wirklich, perfekt, eine perfekte Stimmung zu einem sehr persönlichen Song, was auch der Sänger findet: „Thank you so much, Dankeschön“. Dass The 1975 keine Partyband ist, beweisen die vier Briten auch mit „fallingforyou“, einer sehr gefühlvollen Ballade, dessen Part „I don’t wanna be your friend, I wanna kiss you“ Matthew sehr tief und emotional heraussingt, fast schon schreit. Zum nächsten Song „You“ wird es wieder etwas aktiver, sodass man den Frontmann auf dem Schlagzeugpodest vorfindet; das Licht musiziert sozusage im Takt mit. Das Licht, die Band, die Songs entsprechen einer Einheit, was ein unglaubliches Gefühl vermittelt. Matt, der mittlerweile lässig mit geöffnetem Hemd da steht, geht zum Song „Girls“ mindestens genauso ab wie die Fans.

Für drei Zugaben kehren die Vier noch einmal zurück auf die Bühne: „Thank you so much, Cologne. You guys in the back – on the side. Thank you! This is a love The 1975 livesong”, leitet er die erste Zugabennummer „Robbers“ sichtlich dankbar ein, bevor es dann mit „Chocolate“ weitergeht und Matthew Healy zum Abschluss ein weiteres Mal seinen Dank ausspricht: „Thank you so much. This is gonna be our last show in Cologne until our new album. We will be doing a new album. It’s great, I love it. This is our final song…” – und natürlich gibt’s als allerletzten Titel die Erfolgssingle „Sex“, die dem Live-Event das i-Tüpfelchen aufsetzt. The 1975 sollte man sich live anschauen, aber am besten von ‘mittendrin und weiter vorne‘, um den Frontmann Matthew Healy am besten miterleben zu können, denn ihn muss man einfach erleben.

>> Hier geht’s zur Foto-Galerie The 1975 / Pool, 08.10.2014 Köln.

(c) Konzertfotos: R. Bektas

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