REVIEW: Mark Forster | 01.10.2014 Bochum, Zeche

Veröffentlicht: Oktober 2, 2014 in Live-Reviews
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Mark Forster liveFebruar, Berlin. April, Hannover. August, Breslau. Oktober, Motril. Mark übernimmt mehr Regie, schraubt nicht so sehr am Sound, interessiert sich eher für Atmosphäre, Fläche und das Wroclaw Score Orchestra auf 600qm Rundfunksaal. Auf Mark Forsters neuem Album wird geliebt, gedacht und gejagt; nach Geistern, die manchmal traurig machen. Nicht sexy Schriftsteller-traurig, sondern hässliches Rumhäng-traurig – weil es das nun mal gibt. Es geht um den Konflikt zwischen Herz und Verstand, bekommt deshalb den passenden Titel: „Bauch und Kopf“. Höchste Zeit, nach einem erfolgreichen Festival-Sommer mit dieser Platte die Clubs der gleichnamigen Tour auszuverkaufenwir waren in Bochum vor Ort!


Die eingefleischten Bochumer (Fußballfans) wissen wahrscheinlich schon, wie Mark Forster live so ist, denn sie haben sich den Durchstarter sicherlich bei seinem sommerlichen Aufritt auf dem kostenlosen Bochum Total 2014 Festival angesehen. Seither sind ein paar Monate vergangen, der Sommer ist vorbei – doch „Au Revoir“ ist noch immer ein großartiges Erinnerungsstück an diesen besonderen Fußballsommer, als kein geringerer als Herr Forster alle Mannschaften nach Hause gesungen hat und Deutschland musikalisch zum vierten Stern begleiten durfte.

Eingeheizt wird der ausverkauften Zeche in Bochum von Daniel Nitt, einem Freund und Bandmitglied von Mark Forster, der heute Abend seine aktuelle EP mitgebracht hat. Der hübsche Sänger (dieser Fakt wird eindeutig von den kreischenden „ausziehen“-Rufe der Mädels im Publikum bestätigt) wäre der perfekte Kandidat für die US-Ausgabe TheDaniel Nitt live Voice: Man stelle sich vor, man sitze bei The Voice auf einem dieser gemütlichen, roten Drehstühle und alles was man hört, ist diese Stimme – man würde definitiv nicht lange brauchen, um zu buzzen und sich dann umzudrehen. Und was sieht man, wenn man sich umgedreht hat? Eine kleine One-Man-Show, die Daniel an seinem Keyboard sitzend zeigt, völlig versunken in die Melodien und Beats, die er rausholt, und dazu noch irgendwie mit dieser kräftigen Stimme, die übrigens zwischenzeitlich an Mattafix erinnert, singt. Zeilen wie „You love me more than I love you“ wirken im Vergleich zu den leichten Melodien schwer, wodurch ein starker Kontrast zwischen Musik und Text entsteht. Mit „Nothing But Everything“ gibt’s dann noch einmal die volle kontrastreiche Dröhnung, denn Nitt hat auf eine Paul van Dyck Nummer nochmal seine Melodie und seine Lyrics gelegt. Und es hört sich so verrückt an, wie es klingt, doch gerade das macht’s wahrscheinlich aus.

Daniel Nitt „You“ feat. Mark Forster live:

Auf den Sekundenschlag genau, betritt erst die Band, dann Mark Forster um 20:30 Uhr die Bühne. Augenblicklich ertönt die laute Musik zu „Flash mich“ und das Publikum jubelt los wie verrückt: Da ist der Mann zurück in Bochum, der das diesjährige Festival so bereichert hat. Ein Willkommensgruß vom Feinsten! Nach einer Begrüßung, erklärt Mark auch schon: „Wir haben das Album mit Orchester aufgenommen, das ist heute nicht hier. Aber es ist so: Stellt euch vor, das Orchester ist der FC Bayern München…„, wo er sofort Buhrufe kassiert, und sofort weiter erklärt: „Der FC Bayern München ist heute aber nicht hier. Dafür haben wir hier in der Band die Jungs vom VfL Bochum„, was das Publikum auch noch nicht ganz zufrieden stimmt: „Naja, oder vom FC Schalke oder Dortmund!„, womit er dann scheinbar am ehesten richtig liegt.

Bochum und Mark verstehen sich bestens. Um das aber immer mal wieder im Blick zu haben, klärt Mark die Zuschauer über ihr Zeichen auf: „Bochum, das ist so. Wenn wir Zuneigung verspüren, dann zeigen wir das immer so“ (Erklärung für die Nichtkonzertbesucher: Die Hände in die Höhe strecken und winken, indem man die Hand zur Faust werden lässt und wieder aufklappt – ganz leger natürlich). Zuvor haben Mark und Band noch die Songs „Stadtflug„, „Du und ich“ und „Immer immer gleich“ präsentiert, wobei der Ablauf und die Eintönigkeit in diesen ersten vier Songs irgendwie wie ein soeben genannter Titel klang. Zwischendurch fühlt es sich an, als hätte es gar kein Debütalbum von Mark gegeben, klingt der eigentlich so großartige SongZu dir (weit weg)“ plötzlich wie die Titel, die für „Bauch und Kopf“ aufgenommen wurden.

Königin Schwermut“ ist mal wieder ein Lied, das Bochum schon von mehrfach erwähntem Festival kennt, weshalb Mark nur sagen muss: „Das machen wir so schön wie bei Bochum Total“ – und in Nullkommanichts bewegen sich alle Hände von links nach rechts und es sieht wunderbar aus, was auch Mark noch einmal ins Schwärmen bringt und er sich erinnert: „Damals waren wir hier zum Tourabschluss, da war die Zeche noch nicht ausverkauft!„. Und da hat sicherlich auch noch nicht das ganze Publikum so viel Zuneigung verspürt wie heute Abend, denn die Menge ist wirklich pausenlos außer Rand und Band, und auch Mark hüpft wie wild auf der Bühne umher. „Bochum, wenn ihr vorhattet, heute einmal zu springen, dann ist jetzt die Gelegenheit„, leitet der Sänger die spezielle Version des Titeltracks des Debütalbums, „Karton„, ein – und die Zeche hört auf’s Wort. Die neue Live-Version von „Karton“ ist aber auch einfach unfassbar gut – zwar auch deutlich und stark abgeändert, jedoch einfach so grandios, dass es für uns ganz klar der Song des Abends ist, dicht gefolgt von „Hundert Stunden„, der auch ohne Caro von Glasperlenspiel überzeugt.

Mark Forster „Au Revoir“ unplugged:

Mit „Wo ist dein Feuer?“ gibt es die bislang einizge Ballade aus dem heutigen Set, bei der alle ihre Feuerzeuge und Handylichter rausholen dürfen, um die Location erleuchten zu lassen, während Mark mit seiner souligen Stimmfarbe noch mehr überrascht als zuvor. Immer wieder zieht Forster das Publikum mit kleinen Geschichten in seinen Bann: Einmal erzählt er vom „blauen Ding„, das er damals für 25€ bei eBay gekauft hat, um „Die kleinen Dinge“ zu schreiben, ein weiteres Mal berichtet er davon, dass ihm ein Mädel mal auf Facebook schrieb, dass ihr Freund mit dem TitelFroh seindie Beziehung beendet hat, indem er ihr einen Link zum Video schickte – ein Song, der den Moment des Schlussmachens beschreibt. Und zu guter Letzt nimmt er Bochum in den „heiligen Kreis“ auf: „Seit wir diesen Titel spielen, haben wir das immer so gemacht. Geht mal alle in die Hocke. Und wenn dann das Go kommt, springt ihr hoch und rastet aus!“ – gesagt und getan, Bochum ist wie immer voll dabei und Mark freut sich wie ein kleines Kind, als er sich das Spielchen anschaut. Mit „Au Revoir“ verabschiedet er sich dann vorerst, um die Zugabenwünsche danach natürlich noch zu erfüllen.

Die erste Zugabe zeichnet auch sofort den Moment, vor dem Mark am meisten Angst hat: „alleine, ohne meine Band, auf der Bühne zu sein„. Er singt „Oh Love“ also Mark Forster livevollkommen alleine und begleitet sich selbst mit dem Keyboard. Kurz darauf kommt die Band zurück, um mit „Einer dieser Steine“ und „Bauch und Kopf“ noch weitere Zugaben zu spielen, wozu es auch noch die ein oder andere Geschichte zu hören gibt – beispielsweise erfahren wir, dass „Auf dem Weg“ damals Sidos Road-Trip-Song mit seiner Freundin war und dass er unbedingt einen Song mit Mark zusammen machen wollte. Nachdem sich Mark mit „vielen, vielen, vielen, vielen, vielen, Dank“ zigmal bedankt hat und gerade verschwinden will, kommt er doch noch einmal zurück: „Bochum! Einen haben wir noch! Den machen wir nicht immer – nur wenn wir ganz besonders verknallt in das Publikum sind! … Dazu brauchen wir jetzt aber bitte absolute Ruhe!“, bittet er seine Fans, die fast sofort hören, während fünf Barhocker aufgestellt werden, auf die sich die komplette Band setzt und mit „Ich trink‘ auf dich“ den allerletzten Titel des Abends zum Besten gibt.

Ein unterhaltsames und nettes Konzert, das Herr Forster hier gespielt hat. Ein Animationskünstler ist er zu 100% und gute Songs schreibt er ebenfalls. Wir finden nur, dass eine liebevollere Live-Umsetzung ruhig hätte sein können – die kurze Performance und das Ausleben zum SongKarton“ war das, was wir erwartet oder erhofft haben. Trotzdem ein insgesamt runder Abend, nicht zuletzt auch durch Daniel Nitt. PS. Wer eine Live-DVD vom Konzert haben möchte, sollte das Mädchen ausfindig machen, das vor uns stand, denn sie hat fast den kompletten Gig mitgefilmt. Zwar nur ziemlich wackelig mit ihrem iPhone, aber hey, immerhin.

>> Hier geht’s zu unserer kleinen Foto-Galerie von Mark Forster, 01.10.2014 Bochum!
>> Hier
könnt ihr unser Interview mit Mark Forster noch einmal nachlesen!

(c) Konzertfotos: C. Söhnchen, R. Bektas

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