REVIEW: Luke Sital-Singh | Köln Luxor

Veröffentlicht: September 24, 2014 in Live-Reviews
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Luke Sital-Singh liveIn der britischen Presse wird der 26-Jährige bereits wahlweise als „der britische Bon Iver“ (The Guardian) oder „ein junger Neil Young“ (NME) gepriesen, und auch bei uns konnte der Musiker aus London mit seiner Single „Nothing Stays The Same“ bereits einen Hit landen. Zurecht, denn Luke Sital-Singh besticht durch seine seine tastende, verletzliche und unglaublich eindringliche Stimme und zutiefst ehrliche und zeitgemäße Texte, dazu gesellen sich großartige, von Folk und Indie-Rock getragene Melodien. Für die optimale Einläuting des Herbstes 2014, kam der Sänger für drei Konzerte nach Deutschland. Wir waren in Köln dabei!


Der 23. September ist bekanntlich der kalendarische Herbstanfang: Trotz der scheinenden Sonne, sinken die Temperaturen immer tiefer, die Blätter verlieren ihr Grün und werden rot-gelb-bräunlich. Für diesen Kalendertag hätte man sich nichts Passenderes aussuchen können, als ein Konzert von Luke Sital-Singh und seinem Support M.Borgard zu besuchen, weshalb wir mal wieder nach Köln reisten.

Wenige Leute waren bereits in dem kleinen Club, der sich mit dem Fortschreiten des Uhrzeigers immer weiter füllte, sodass die Location passend mit dem Bühnenbetreten von M.Borgard um 20:30 Uhr schon recht gut besucht war. Der Herr aus Köln-Ehrenfeld betrat selbstsicher die Bühne, stimmte die Gitarre noch kurz, bevor er dann direkt mit dem Musizieren begann: Ein passender Support, was sich nicht nur dank der Tatsache rausstellt, dass Michael Borgard auch Gitarre spielt und ein Singer-Songwriter ist – viel mehr wird das recht früh dadurch bewiesen, dass die Zuschauer seinen Songs Aufmerksamkeit schenken und in einem bestimmten Lalalala„-Part im SongJosie Come Home sogar gerne mithelfen. Der Kölner Sänger war international unterwegs, hat keinen „typisch deutschen Akzent“, während er seine englischen Texte vorträgt und liefert mit Songs wie „Not Enough“ oder „A Ladies‘ Man“ absolut solide und gut ab. Zwischendurch sucht der witzige Typ immer wieder den Kontakt zum Zuschauerraum, auch wenn er „hinten nur Silhouetten sieht“ – er erzählt von einer verflossenen Bekanntschaft, die sehr schön war, er jedoch wenige Tage vor ihrer Rückreise nach Spanien erst kennengelernt hat – und natürlich gibt’s darüber auch einen Song, der die Geschichte von der kurzen Zeit mit Nuria erzählt.

M.Borgard „Not Enough“ Live Session:

Nachdem ein smarter Roadie die Bühne samt Instrumenten für Luke Sital-Singh bereit gemacht hat, betritt dieser 20 Minuten später die Bühne und startet mit dem Song „Dark„, der nicht auf seinem Debüt-Album zu finden ist. Luke verliert sich bereits zu Anfang völlig in seiner Musik und präsentiert diesen Titel durchgehend mit geschlossenen Augen am Keyboard. Was für eine Hingabe! Für den nächsten Song, „Bottled Up Tight„, wechselt der Brite die Position und nimmt die Gitarre zur Hand. Nach einer kurzen Begrüßung interpretiert er seinen Titel mit viel Gefühl, wie alle Stücke des Abends, die größtenteils ruhig sind: „Ich war kürzlich auf Festivals unterwegs. Ich hasse Festivals! Die Leute wollen Spaß haben – dafür ist meine Musik nicht geeignet. Ich mach‘ deshalb hier mein eigenes ‚Deprestival‘!„, womit er seine Konzertbesucher zum Lachen bringt und selbst ein seltenes Schmunzeln auf den Lippen trägt.

Luke Sital-Singh „Bottled Up Tight“ live @ Köln:

Neben Albumtracks (wie beispielsweise „21st Century Heartbeat„, „Cornerstone“ oder „Greatest Lovers“ – letzteres erhält übrigens einen Freudenaufschrei seitens des genießenden Publikums) seines kürzlich erschienenen Debüts „The Fire Inside„, hat Sital-Singh in seinem Repertoire auch Titel, die nicht auf selbigem zu finden sind. So stellt er mit „Luna“ einen Killerwal vor, für den er ein Liebeslied geschrieben hat. Warum auch nicht? Es gibt viele Themen und Dinge auf der Welt, weshalb wir es vollkommen legitim Luke Sital-Singhfinden, einfach mal ein Liebeslied über einen Killerwal zu singen und sowohl den Wal als auch den Songtitel „Luna“ zu taufen – vor allem auch noch dann, wenn es so ein tolles Musikstück wird.

Luke Sital-Singh pendelt an dem Abend zwischen Keyboard (sitzen) und Gitarre (stehen), überzeugt an beiden Instrumenten jedoch mit gleicher Leidenschaft. Für den dramatisch-schönen Titel „Nearly Morning„, den es auf seiner Website in einer Demo-Version als Free-Download gibt, setzt Luke sich wieder ans Keyboard und versinkt in seiner Welt, größtenteils mit geschlossenen Augen: Es scheint so, als könne er die Musik so noch besser empfinden. Mit „Nothing Stays The Same“ leitet er den letzten Track ein, kündigt jedoch gleichzeitig an, dass es ja noch eine Zugabe geben wird – und da ist dieses kleine, hinreißende Lächeln noch einmal. Zum Abschluss wird es also noch einmal ein wenig lauter, die traurig-depressive Stimmung entschwindet kurzzeitig, bevor diese mit dem wirklich letzten SchwermutsliedFail For You“ wieder in die Wände des Luxor einkehrt und folgenden Anblick übrig lässt: Luke Sital-Singh bedankt sich mit einem freundlichen „Thank you for coming out tonight, thank you very much“ und die Gesichter der Gäste könnten nicht zufriedener aussehen; wobei diese sicher gerne noch eine Zugabe erlebt hätten, zu der es aber leider nicht mehr kam.

>> Hier gibt’s unsere Live-Fotos von Luke Sital-Singh aus Köln!

(c) Pressefoto: Warner Music Germany, (c) Livefotos: R. Bektas

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