CD-Check: „Lejana“ von Lejana

Veröffentlicht: Mai 18, 2014 in Neuerscheinungen
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LEJANALejana. Ein Name, wie er schöner nicht klingen könnte. “Die Entfernung” heißt es übersetzt. Kommt aus dem Spanischen. Eigentlich hätten sie es verdient, bereits jetzt eure volle Aufmerksamkeit gehabt zu haben, aber eine Info fehlt noch, um auch die Letzten aufmerksam zu machen: die Sängerin der Band ist Linda Marlen Runge, die in der RTL-Erfolgssoap “Gute Zeiten, schlechte Zeiten” aktuell die Rolle der Anni Brehme übernommen hat. Und jetzt bitte weiterlesen – und vor allem: reinhören, kaufen!

Wie Lejana mit ihrem Intro „Zero“ eindringlich in den Rest ihres Debüts einleiten, ist überraschend angenehm und passend: Man erwartet pauschal erstmal nichts, da man die Richtung schon hier nicht definieren kann – das Intro sorgt dafür, dass die Spannung steigt.

What’s inside of me / Is what I want you to see“, leitet Sängerin Linda Marlen Runge sanft und doch bestimmend in den eigentlichen Opener „The City” ein, der zwischendurch neben Schlagzeug, Synthesizer, Gitarre und Bass vom Pfeifen musikalisch untermalt wird und im zweiten Part auch eine männliche Gesangsstimme bekommt, die das gewisse, mystische Etwas des Liedes verstärkt. Überhaupt, es ist unglaublich, wie eindringlich Musik sein kann – insbesondere, wenn sie mit den ‚richtigen‘ Texten kombiniert wird. Man kann die Musik von Lejana schlecht definieren, doch man weiß, dass man von der Musik gepackt wird. Das ist unumgänglich, sogar für diejenigen, die anfangs etwas Befremdliches in dieser Art von Sound sahen. „April“ knüpft gekonnt daran an und sorgt ebenfalls für ein Gefühl, das man im Inneren bekommt und so vielleicht noch gar nicht kannte. Es ist fast so, als würden Lejana dank ihrer Kombination Musik – Lyrics – Mystik – Stimme Gefühle in einem wecken, von denen man nicht einmal wusste, dass man sie hat – und die man nur schwierig beschreiben kann, wirklich selbst erleben muss.

Hinter den vermeintlich teilweise einfach gestrickten Songzeilen steckt eine tiefe Bedeutung. Das ist das, was man spürt (als Tipp: das spürt man auf einem Live-Konzert der Band noch intensiver!). „Why“ ist wohl der mainstreamigste Titel des gesamten Albums, zumindest könnte man sich ihn am ehesten im Radio vorstellen. Auch „The Girl“ ist eine dieser mystischen Popnummern! Doch speziell bei „Why“ beispielsweise merkt man die Intensität vielleicht erst zum Ende des Songs, sozusagen ab Minute 3:56, wenn die Musik – entschuldigt, aber eindringlich ist einfach das perfekte Wort – noch einmal eindringlicher wird und der Text lyrisch so zerstückelt aufgesagt wird, dass es fast schon als ein Charles Bukowski Gedicht durchgehen könnte:
You can do
All that you want
If you
Realize
You’re not as
Wise
As you thought
Some time ago

Lejana „Why“ live @ Evil Sessions:

One“ wurde neben „Why“ bereits im Dezember 2013 als Vorgeschmack veröffentlicht und steht für eine Ballade. Eine Ballade, die bedrückend ist und tief geht. (An dieser Stelle sei sicherheitshalber noch einmal erwähnt: Selbst der rockigste Lejana-Song geht tief.) So tief, dass man absolut eintaucht und erstmal nicht mehr hochkommen möchte, da es ziemlich befreiend und schön ist in den Spähren, in die man abdriftet. Und weil es da so schön ist, darf man dank „The Fool“ noch ein bisschen versunken bleiben und die ruhige (und beruhigende) Stimme der Linda Marlen noch ein bisschen lauschen, bis man mit „Your Voice“ wieder auftaucht, „when everything turns dark and grey“. Im späteren Verlauf des Albums begrüßt den Hörer mit „Fire“ glücklicherweise noch einmal ein solcher Abtauch-Song, bei dem man gar nicht so recht weiß, wohin man denn nun abtaucht: in Lindas unfassbare Stimme, in die Trommelschläge zwischendurch, in die Musik allgemein oder in den Text. Wahrscheinlich in alles, denn wie eingangs bereits erwähnt, steht Lejana für diese genussvolle Kombination.

Für die eher Rock liebenden Lauscher gibt’s die Tracks „Run“ und das experimentelle „Great Expectations“, das mit dem Interlude „Die Reise“ eingeleitet wird: Sturmgeräusche, Trompeten. Ziemlich spirituell, doch absolut passend für diejenigen, die das Album wirklich von vorne bis hinten durchhören. Da es wirklich unfassbar speziell im positiven Sinne ist, braucht man diese Pausen zwischendurch und bekommt sie mit „Zero“, „Con la Luz de Tus Ojos Iluminé Mi Camino“ und „Die "Lejana" von Lejana gibt's seit dem 4. April 2014Reise“ geliefert. „Run“ ist ein Poprocksong mit zig Elementen, durch die man aus dem zuvor eingetauchten Wasser rausspringen möchte, nahezu fliegen, und mit der Macht des Wassers über den Ozean schweben mag. „Great Expectations“ ist ein Abschlusssong, der besser nicht hätte gewählt werden können: Linda Marlen singt tatsächlich Deutsch. Der Song beginnt zunächst langsam, bis irgendwann DER Kracher kommt und man innerlich so aufgewühlt ist, dass man Bäume ausreißen könnte. Mindestens. Den Song zu Ende hören soll doch bitte aber jeder selbst, hier möchte man nicht zu viel vorwegnehmen.

Warum so viele ihr Debüt mit dem Bandnamen betiteln? Keine Ahnung. Warum Lejana ihr Debüt mit ihrem Bandnamen betiteln? Weil Lejana hoch zehn drin ist, weil diese 13 Songs Lejana beschreiben und ausmachen. „Magic is when you can’t tell why things happen in that way“ ist ein Zitat der ersten Zeile aus Lejanas „The Fool“ – und wir projizieren diese Zeile auf das Gesamtkunstwerk der Band: Magie ist nämlich auch genau dieses. Magie ist, dass wir zwar jetzt ungewohnt viel zu einer Platte geschrieben haben, aber dieser mit keinen Worten gerecht werden können, da sie einfach zu speziell, zu einzigartig, zu noch nie da gewesen ist, um sie so simpel zu beschreiben. Man würde ja auch einem lyrischen Werk eines Bukowski, Hesse oder Rilke nicht gerecht werden, wenn man nur fast 800 Wörter darüber schreibt und gar keinen Raum für wirkliche Interpretationen hat.

Diese Platte übertrifft alle Erwartungen, wenn man für Neues offen ist.
Diese Platte sollte man sich zulegen – Punkt.
Diese Platte ist.

!

 

(Zu einer speziellen Platte gehört ein spezielles Review.)

Lejana“ von Lejana erschien am 4. April 2014 als Download via iTunes und Amazon.

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