REVIEW: Marcus Wiebusch | 03.05.2014 Köln Bürgerhaus Stollwerck

Veröffentlicht: Mai 8, 2014 in Live-Reviews
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Marcus Wiebusch LIVEMit seinem ersten Soloalbum „Konfetti“ probiert er sich aus – und zwar in jede Richtung. Es ist ein dermaßen offenes, breites und vielseitiges Album geworden, dass man zunächst vollkommen überrascht ist. Vieles, was darauf geschieht, hätte man als Kenner der Kettcar-Musik einfach niemals erwartet. Dieses Orchestrale, Große, Raumgreifende der Songs, die Breite im Arrangement, die sich von der klassischen Piano-Ballade bis zum tief pumpenden Electro-Track dehnt: Bemerkenswert, was passiert, wenn man einen wie Marcus Wiebusch einfach mal von der Leine lässt. Auf seiner dazugehörigen Tour stelle er die Songs live vor – nicht ganz alleine. Wir waren im ausverkauften Bürgerhaus Stollwerck in Köln dabei

Eine Band, die vom Band kommt. Besser gesagt: von der Schallplatte. Eine Idee, die wir so bisher noch nicht vorgefunden haben; die uns spontan jedoch begeistert hat. Nicht so die One-Man-„Show“, die Tobias Siebert aka And The Golden Choir für eine gute halbe Stunde ablieferte. Auch das Publikum um uns herum ist geteilter Meinung – die einen finden, es klänge „ein bisschen wie Oasis“ und die anderen müssen „erstmal wieder wach werden“. And The Golden Choir ist ruhig. Nichts, was man erwartet, wenn man auf ein Konzert von Marcus Wiebusch geht. Aber: Es ist was anderes und die Band-Vinyl-Idee finden wir großartig, wie auch manche Songs des Herrn. Auf jeden Fall könnte dieser kleine Goldling gut als Support-Act für Stu Larsen auftreten, denn DAS Publikum wäre sicherlich einstimmig verliebt.

Morgenstund‘ hat Gold im Mund. Vielleicht war eben dieses aus dem Grund verloren, da Marcus Wiebusch erst um 22 Uhr die Bühne des ausverkauften (und somit heißen, überfüllten) Bürgerhaus Stollwerck in Köln betritt.

Mit „Off“, wie auch auf der Platte, beginnt der Hamburger sein Konzert. Was heißt hier der Hamburger? Der gute Herr Wiebusch ist nicht alleine: Er ist mit 7-köpfiger Band angereist: 3 Bläser, 1 Schlagzeuger, 1 Gitarrist, 1 Bassist, 1 Keyboarder. Wow! Das kann ja nur laut werden – und das wurde es auch. So laut, dass der Gesang von Marcus sehr oft übertönt wurde, was vielleicht aber auch nicht zuletzt am schlechten Sound lag. In wenigen Worten erzählt Marcus zwischendurch viel zu den Songs und ihrer Entstehungsgeschichte. So erfährt das Publikum, dass „Springen“ der einzige Song der nicht in Berlin, sondern in Köln entstanden ist, was -natürlich- im Kölner Publikum für Jubel sorgt und Herr Wiebusch klärt auch die Symbolik des Songs „Der Fernsehturm liebt den Mond“ auf: Es geht um eine unerfüllte Liebe (der Fernsehturm wird den Mond nie erreichen, weil der ja lieber die Sonne haben möchte).

Marcus Wiebusch „Der Tag wird kommen“ Lyric Video:

Bei „Haters gonna hate“ darf durchschnittlich 30-jährige Publikum auch mal bouncen, es geht ja schließlich um Hass und da muss man mal alles geben und rauslassen, wenn man schon mal die Chance hat. Marcus Wiebusch wirkt ein wenig introvertiert und schüchtern, ein bisschen wie ein Bewegungslegastheniker, dreht sich immer wieder zur Band und weg vom Publikum. Und das, obwohl er langjährige Live-Erfahrung besitzt. Dabei unterstützen ihn doch echt 7 Leute auf der Bühne und das ganze Stollwerck feiert ihn! Er kommt gut an – und man merkt, dass er eher Songwriter als Sänger ist. Oder sein will. Sein sollte?! Er ist solide, alles ist nur solide, obwohl das Album doch so großartig ist. Vielleicht wäre weniger einfach mehr gewesen.

Neben seiner ersten Single „Was wir tun werden“, werden natürlich auch die Songs „Nur einmal rächen“ und „Der Tag wird kommen“ als Abschlusslieder live zum Besten gegeben. „Ich habe noch nie ein Lied geschrieben, das so polarisiert hat“, leitet Marcus „Der Tag wird kommen“ ein: „Die Homophoben finden’s natürlich Marcus Wiebuschscheiße. Viele finden’s aber auch gut. Das Blödeste, was ich jetzt gehört habe, ist ‚das ist ein gut-Mensch-Getue‘. Was ist denn gut-Mensch-Getue daran, wenn ich sage, dass der Sex von jedem die eigene Sache ist?!“ – Applaus dafür. Natürlich. Und wir persönlich finden ja, dass der der offizielle WM-Song 2014 sein sollte. Auch „Nur einmal rächen“ behandelt ein spezifisches Thema: „Es geht um die Zuckerbergs dieser Welt. Es gibt wahrscheinlich Leute, die nur diesen Song von mir gekannt haben und sich deswegen vielleicht ein Ticket gekauft haben…“. Das mag sein, immerhin kursierte dieser Titel schon fast ein Jahr im Netz rum.

Peter Fox und Jan Delay haben es gemacht – sie nehmen einen Song ihrer Band…“, zack, und der Jubel bestätigt das, was jetzt kommen wird: Marcus Wiebusch spielt eine kettcar-Nummer. Nicht nur das: Mit dem bekannten Song „Balkon gegenüber“ kündigt er an, es gibt eine neue Version. Nach der ersten Strophe heißt es: „Wenn ihr dachtet, dass das die neue Version war… falsch! Ich habe eine zweite Strophe geschrieben.“. Und eben jene zweite Strophe wird gefeiert und wir merken uns: es kommt auf’s Glück an. Glück ist alles!

Marcus Wiebusch hat ein solides Konzert abgeliefert, für dessen miserable Soundtechnik er natürlich nichts kann. Es ist dennoch schade, dass man ihn teilweise kaum verstehen konnte, zumal wir den Eindruck hatten, dass „Konfetti“ ein Album ist, bei dem es vorrangig um die wahnsinnig guten Texte geht – von denen haben wir leider an diesem Abend wenig hören können. Eine Party mit lauter Musik war’s allemal.

 

(c) Pressefoto: GHVC

 

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