REVIEW: Luxuslärm | 29.03.2014 Bochum RuhrCongress

Veröffentlicht: März 31, 2014 in Live-Reviews
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Luxuslärm LIVEZweifelsohne gehören Luxuslärm zu den wichtigsten und erfolgreichsten Rockbands Deutschlands der letzten Dekade. In Zeiten von am Reißbrett inszenierten Acts und mitunter beliebigen Castingshows setzen Sängerin Jini Meyer, Schlagzeuger Jan Zimmer, Gitarrist Freddy Hau, Bassist David Müller und Keyboarder Christian Besch auf einen klassischen Weg. Ihr am 7. März 2014 erschienenes neues AlbumAlles was du willst“ lebt von der kreativen Interaktion fünf unterschiedlicher Musikcharaktere, allesamt ausgestattet mit der Gabe, sich auch mal zurückzunehmen, um im entscheidenden Moment zu einem Ganzen zu verschmelzen. Aktuell stellen sie ihr viertes Werk live auf Tour vor.

Vielleicht’ lebt nicht / vielleicht liebt nicht heißt es im Opener „Gib mir einen Grund“ und könnte symbolisch auch für die Arbeitsweise der Luxuslärmer stehen: Es gibt nichts Halbes, kein „nur ein bisschen“. Es sind immer 100%. Die Erfolgsformel scheint schlicht, besitzt jedoch Seltenheitswert: Luxuslärm begegnen ihrem Publikum auf Augenhöhe, sie reiben sich an der Wechselwirkung von Musiker und Fan und wachsen daran.

Was kann man an einem Samstagabend also Besseres tun, als sich davon zu überzeugen? Kaum etwas. So haben wir Frontfrau Jini Meyer und ihre Jungs am 29. März im sehr gut besuchten Bochumer RuhrCongress besucht und eine fast 2-stündige, mitreißende Live-Show erlebt.

Zum Aufwärmen gibt’s guten, deutschen Rock/Pop aus Bayern auf die Ohren: alt bekannte Gesichter sehen wir mit REDWEIK wieder, die mit ihrem Titeltrack ihres Debüts „Keine Liebe“ loslegen und sich mit einem einfachen „Wir sind REDWEIK“ erstmal kurz vorstellen, um dann ihre Begeisterung über die große und mit Menschen gefüllte Location mit REDWEIKeinem „Oh mein Gott“ auszudrücken. Kurz darauf erzählt Sänger Robert Redweik eine Anekdote, dass es manchmal auch Tage gibt, an denen man über die Liebe nachdenkt und nicht so begeistert von selbiger ist: „…und dann stand ich da an dieser Supermarktkasse und die Kassiererin fragte mich: Sammeln Sie Herzen? Genau daraus ist dann unser nächster Song entstanden. Viel Spaß mitSammelst du Herzen„“. Das ist also die Geschichte mit den Herzen! Nicht immer so einfach, über Gefühle zu sprechen und dazu ein kleines Tüpfelchen Ironie zu geben – die Liebe eigentlich kritisch zu betrachten. Doch für REDWEIK ist das kein Problem. Auch die Alltagsmonotonie kann die Band mit „Maschine“ wunderbar zusammenfassen – jeder wollte doch schonmal irgendwie ausbrechen. Für die Lieder „Ich lieb‘ dich sehr“ („Jetzt wird’s traurig!„) und „Hochhaus“ setzt sich der Frontmann ans Keyboard und lässt die Frauenherzen höher schlagen – doch auch die Männer um uns herum freuen sich über die Musik der vier Herren: „Die CD kauf‘ ich mir gleich erstmal!“, hören wir einen Mann mittleren Alters sagen, als Robert auf der Bühne sagt, man könne ihr Album und Merchandise vor Ort kaufen und sie gerne bei Facebook liken. „Uns ist richtig die Buchse gegangen… jetzt stotter ich schon… weil wir noch nie in so einer großen Halle gespielt haben!„, stellt Robert noch fest, bevor mit „Du weinst nie“ der letzte Song angestimmt wird und die Fans ihnen zujubeln, nicht nur weil der Hauptact noch einmal angekündigt wird: „Macht euch doch schonmal warm für… LUXUSLÄRM“ – und nicht nur, weil der Bandname extra laut gerufen wird, applaudiert die Masse. Den Luxuslärm-Fans scheint’s sehr gefallen zu haben. Und einige CDs haben die Jungs sicher am Merch signiert und verkauft!

REDWEIK „Sammelst du Herzen“ offizielles Musikvideo:

Um knapp vor 21 Uhr beginnt ein verspieltes Licht-Intro, mit dem der männliche Luxuslärm-Part die Bühne stürmt, die Instrumente schonmal einspielt, vom klatschenden Jubel begrüßt wird und mit den Fans im Takt klatscht, als auch schon der Star des Abends die Bühne betritt: „BOCHUUUUUM„, hüpft Jini Meyer raus und eröffnet den Samstagabend mit dem Song „Gib mir einen Grund„. Die Fans sind in ausgelassener Stimmung, jubeln, klatschen, springen, die Disco-Light-Show sorgt für noch mehr Euphorie – Jini begrüßt „BOCHUUUUUM“ erneut und hält das Mikro bereits in die Menge: „…und jetzt bin ich hiiiier!„, hört man diese gröhlen. Kaum 3 Minuten auf der Bühne, sind Luxuslärm schon angekommen. Aber hallo! Und alle sind mit ihnen. Auch mit „Weiße Fahne“ ändert sich das nicht: „Bochum, seid ihr am Start?“ – und wie Bochum am Start ist. Da muss sich Jini auch gleich erstmal bedanken: „Herzlich willkommen hier in Bochum. Ist das geil, euch hier zu sehen uns zittern noch immer die Knie! Wir können’s noch immer nicht glauben: IHR habt uns auf Platz 4 der deutschen Charts katapultiert.“ Glückwunsch. Verdient. Und dass die meisten Anwesenden das Album besitzen, erkennen wir an der Textsicherheit. Auch beim dritten Titel „Ein neuer Morgen“ sind alle dabei und Jini wird nicht enttäuscht, als sie ihr Mikro zwischendurch immer wieder in die Masse hält und auch nach dem Song ihrer Freude Ausdruck verleiht: „Schön, dass ihr hier seid. Mwah!

Nach der Live-Vorstellung drei neuer Songs, wird festgestellt, dass man natürlich auch ältere Songs nicht vergessen darf – man habe ja immerin bereits drei alte Alben. Den Start macht „Atemlos„, wonach auch der berühmte ‚Rockmove‚ mit einem Augenzwinkern präsentiert wird: „…das heißt, diese Masse von 85.000 Menschen muss sich Luxuslärmeinmal von links nach rechts bewegen. Ich erklär’s euch einmal. Hier ist linksund hier ist rechts… wenn jemand nicht mitmacht, einfach wegschubsen!“ – das Publikum begreift’s und es sieht herrlich aus. Dann gibt’s noch eine Laolawelle. Mit „Liebt sie dich wie ich?“ wird ebenfalls ein Song der älteren Luxuslärm-Generation gespielt und vor allem die Ladies sind aus dem Häuschen. Darunter natürlich auch die bezaubernde Jini: „Alter Schwede. Kriegen wir eure Hände?“ Sie braucht den Satz gar nicht aussprechen, schon sind die Hände aller Gäste hoch oben. Viel Publikuminteraktion einer auf dem Boden gebliebenen Band. So ist es wahrscheinlich, wenn man sich ewig kennt, anfängt zusammen Musik zu machen und alles, wirklich alles, alleine macht – bis dann endlich das Wunschlabel mit dem perfekten Vertrag kommt. Luxuslärm sind selbstständig und machen, was sie wollen und nicht das, was man ihnen sagt. Und darum ist es so authentisch, echt eben.

Mit „…, dass du bleibst“ widmen sie sich einem ruhigeren Song des neuen Albums, der wohl den größten Zuspruch gefunden hat: „Ihr habt uns Briefe geschrieben, Mails, alles Mögliche. Manchmal kann Musik helfen„. Nach dem Träumen ist vor dem Träumen! „Wir möchten euch mit den nächsten Titel entführen. Viel Spaß mit ‚1000km bis zum Meer‘„, eine minimale Version, die ein bisschen klingt, als würde Jini ihre tolle Live-Stimme ohne Mikrofon einsetzen, tut sie aber gar nicht. Entführung geglückt. Man musste ja auch mal ein wenig runterkommen, nachdem man nun fast eine Stunde schon voll dabei war. Durchatmen! Fast. Für die Lärmer, wie die Fans sich nennen, gibt’s wohl keine Pause. Beim Song „Mehr Gewichtwerfen sie zu passender Textstelle lauter Haribo auf die Bühne und der Bassist rappt den Culcha-Candela-Part, bekommt sogar eine kleine Konfettidusche gratis. „Es folgt unser Alltime-Favoruite … EVERYBODYYY … live your dreams tonight“ – ein Backstreet Boys Interlude zu „Leb‘ deine Träume„.  Wie lustig ist das denn? Daraufhin folgen „Verschenkt“ und „Nach einer wahren Geschichte„, wobei letzteres auf einer Bühne inmitten des Publikums präsentiert wird, nachdem mitten in der Menge ein Foto mit den Fans gemacht wurde. Man muss ja mal was anderes machen und nicht immer dieses typische Bühnenselfie. Ideen haben die! Und noch so eine: „Macht ihr doch mal ein Foto mit der Person, mit der ihr hier seid und schreibt uns eure Geschichte, während wir wieder auf die andere Seite laufen!“ Toll. Tolle Erinnerungen für Jedermann und gratis Inspiration für neue Tracks der Band. „Du hältst die Zeit an„, „An dich„, „Regen, der nach oben fällt“ und „Das letzte Mal“ rocken nochmal so richtig los. „Wir möchten uns bedanken. Ey, ihr seid so vieleeinen Riesenapplaus auch nochmal für REDWEIK. Es macht so Spaß mit den Jungs auf Tour zu sein!„. Nach diesem Dank verabschieden sie sich mit „Einmal im Leben“ und bedanken sich mehrfach, verbeugen sich – und können’s wirklich nicht glauben, dass sie mittlerweile in einer so großen Halle spielen, die fast ausverkauft wirkt.

Luxuslärm „Einmal im Leben“ offizielles Musikvideo:

Noch als sie auf der Bühne sind, folgen laute Zugaberufe! Und die soll das brave Publikum natürlich mit „Nichts ist zu spät“ und „Unsterblich“ bekommen. Auch zwischen den Zugaben folgt ein weiteres Danke: „Es tut so gut, euch zu hören! Ihr habt uns getragen – ein Riesenapplaus für die Menschen, die heute nicht hier im Rampenlicht stehen, sondern uns tragen und ertragen. Danke an…“ – und es folgte eine Liste, in der sicherlich niemand zu kurz gekommen ist. Mit „Yeah, Yeah, Yeah (So könnte es immer sein)“ verlassen Luxuslärm nun endgültig die Bühne und meinen den letzten Satz sicherlich auch so: Denn so könnte es wohl wirklich immer sein. In beidseitigem Einvernehmen!

 

>> Live-Fotos folgen, vorab könnt ihr sie hier via Facebook anschauen.

 

 

 

(c) Pressefotos: Luxuslärm
(c) Live-Fotos REDWEIK: R. Bektas
(c) Live-Fotos Luxuslärm: C. Söhnchen

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