REVIEW: Revolverheld | 16.03.2014 Dortmund FZW

Veröffentlicht: März 18, 2014 in Live-Reviews
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Revolverheld LIVE in DortmundRevolverheld waren und sind immer da, wo eine echte Band hingehört – auf die Bühne, bei ihren Fans. Nach hunderten von Livekonzerten gelten sie als eine der mitreißendsten und besten Live-Bands der Republik. Mit diesem Selbstverständnis hat das Quartett im September 2013 ihr viertes Studio-Album „Immer in Bewegung“ veröffentlicht und befindet sich derzeit auf gleichnamiger, großer Tour durch Republik sowie Österreich und Schweiz – viele Städte sind bereits ausverkauft. Aber keine Angst: Für November/Dezember ist bereits der zweite Part angekündigt, damit Revolverheld auch ja nicht aus dem Bewegungstakt kommen. Für euch gibt’s hier unser Review aus Dortmund – mit Fotos!

Wir wollten uns natürlich live überzeugen, inwiefern Revolverheld „immer in Bewegung“ sind – also hieß es am 16. März auf nach Dortmund ins akustisch einwandfreie und an diesem Abend ausverkaufte FZW.

Den Abend eröffnete Sebastian Lind aus Dänemark: ein auf Englisch singender Singer/Songwriter, der vor zwei Jahren bereits für Clueso in Dortmund spielte, wie er verriet: „Dortmund ist eine schöne Stadt – und das sag‘ ich nicht nur so!“. Zack. Damit hatte er natürlich schon einen gut beim Publikum. Bei seinem Song „Waiting For Something“ waren die Revolverheld-Gäste also voll dabei und klatschten im Takt mit, was den sympathischen, blonden Struwelkopf sichtlich erfreute. Untypisch für einen Singer Songwriter, spielte Sebastian keine One-Man-Show, sondern brachte mit Anders Kirkegaard an der Gitarre/am Keyboard und Mathias Miang am Schlagzeug Verstärkung mit, ließ es sich aber dennoch nicht nehmen, sich selbst auch einige Songs an der Gitarre oder am Keyboard zu begleiten. Voller Einsatz also, um der Musik vollsten Klang zu geben. Und die Fans der bisherigen Tour danken es ihnen auf die beste Art und Weise: nein, nicht nur mit Applaus – sein am vergangenen Freitag erschienenes, neues Album „Waiting For Something“ hatte er auf den bisherigen vier Tourstopps dabei und es ist erfreulicherweise für ihn, zum Leidwesen der Dortmunder Fans bereits ausverkauft (aber natürlich via iTunes/Amazon erhältlich). Ein Vorzeigeschwiegersohn mit tollen Songs, eingängigen Popmelodien, anfangs etwas ruhiger und zum Schluss lauter werdend. Egal wie, die Zuhörer sind angetan.

Nach einer Umbaupause geht’s um 21 Uhr für Kristoffer, Jakob, Niels und Johannes auf die Bühne, die sie mit Keyboarder Arne Straube und Gitarrist Chris Rodriguez betreten und ihr Konzert nach einem coolen Remix-Intro mit dem Tourtitel „Immer in Bewegung“ lautstark starten. Weiter geht’s mit ein wenig älteren Songs: „Mein Leben ist super“ und „Ich werd‘ die Welt verändern“ geben die Jungs zum besten und haben anschließend ihr Publikum dank netter Begrüßung sofort auf ihrer Seite – wenn auch noch nicht ganz mitmachfreudig, ist der Publikumsgesang doch bei „Ich werd‘ die Welt verändern“ noch ziemlich verhalten. Auch bei den neuen Songs „Bands deiner Jugend“ oder „Hinter der Elbe New York“ traut sich das gefüllte FZW noch nicht wirklich, lauter zu werden.

Bei der aktuellen Single „Das kann uns keiner nehmen“ hört es sich jedoch schon ein wenig anders an und die gut durchgemischten Fans, man sieht wirklich jede Altersgruppe, singen im Refrain mit. Ein Radio-Hit eben, zu dem wir euch nun gerne auch auffordern würden, für Revolverheld zu stimmen, wie sie es selbst an diesem Abend ganz nett getan haben: „Wir könnten ja jetzt sagen, Awards sind uns nicht so wichtig. Sind sie auch eigentlich nicht – aber den ECHO wollen wir haben!“ Jedoch ging das Voting nur bis 0 Uhr und wir können den Jungs nur noch die Daumen drücken und hoffen, dass wirklich jeder vor der Abfahrt aus dem FZW für sie gestimmt hat, sodass ihnen den ECHO 2014 in dieser Kategorie weder Cro, noch Christina Stürmer, Frida Gold oder die Sportfreunde Stiller nehmen können. „Auch hier könnten wir jetzt sagen: Unsere Mitnominierten sind alle toll. Guckt euch das in Ruhe an und stimmt für euren Liebling … NEIN! … Stimmt für uns!“ Hier merkt man also, was sich wie ein Leitfaden durch die ganze Show zieht: die Jungs sind ehrlich.

Und sie haben wirklich Spaß auf der Bühne. Es ist, als würden vier beste Kumpels auf der Bühne stehen und das tun, was sie am liebsten tun: Gemeinsam lachen, gemeinsam Geschichten erzählen, gemeinsam in Erinnerungen schwelgen, gemeinsam musizieren. Schön, ihnen dabei zuzuschauen. Vielleicht verfällt man deshalb zwischendurch in diese ruhige, bewundernde Haltung, die Sänger Johannes anspricht: „Das ist der Wahnsinn, wie ruhig ihr seid.“, als er das Mikrofon zur Seite hält: „Ich könnte sogar so mit euch reden und was vom Käse erzählen!“ Und ja, das könnte er, denn wir stehen ein wenig weiter weg und verstehen jeden Ton einwandfrei. Dennoch nimmt er lieber das Mikrofon wieder vor den Mund, als er aus den gemeinsamen Studienzeiten in Bremen erzählt: „Kris, Niels und ich haben gemeinsam studiert. Einen geisteswissenschaftlichen Studiengang: Kulturwissenschaften.“ Ein paar Anekdoten aus dieser Zeit werden ans Tageslicht gebracht, alle lachen miteinander und Johannes stellt fest: „Wahrscheinlich wurden die Anwesenheitslisten wegen uns eingeführt. Ich hatte eine 30m²-Wohnung in Bremen, Niels und Kris blieben oft über Nacht, nach dem Motto ‚nur noch einen Drink‘ – dann dachten wir uns: Ach, 12-Uhr-Vorlesung reicht auch. Doch dann war’s 14 Uhr“ und Kris ergänzt: „Dann dachten wir uns immer: Jetzt waren wir schon wieder die ganze Woche in Bremen und nicht einmal in der Uni!“ Fast jeder Student kann sich wahrscheinlich wiederfinden.

Nach dem kurzen Akustikset, wo u.a. Akkordeon, Banjo und Gitarre zum Einsatz kommen, und den Songs „Das kann uns keiner nehmen“ sowie „Sommer in Schweden“ in dieser ganz klaren und leiseren Form, gibt’s eine Frage ans Publikum: „Erlebt hier jemand grad das allererste Konzert in seinem Leben? Ich meine nicht sein erstes Revolverheld-Konzert, sondern sein erstes überhaupt.“ Und tatsächlich: Es gibt sogar zwei. Kevin und Caro werden diesen ersten Konzerttag jedoch wahrscheinlich noch weniger vergessen, als die vier Revolverhelden und zwei Tourbandmitglieder ihre Erlebnisse: Johannes bei den Rainbirds, Kris bei Guns’n’Roses, Niels bei Prince, Jakob bei … David Hasselhoff „und trotzdem spielt er heute hier“, kommentiert Johannes Strate dessen Erlebnis höhnisch, Chris wird Roxette nie vergessen und Arne denkt bei dieser Frage immer an Sting. Caro und Kevin werden darauf in zehn Jahren also mit Revolverheld antworten können – und wie. Das könnte in etwa so klingen: „Revolverheld. Und dieses erste Konzert habe ich nicht nur im Publikum erlebt. Ich stand sogar auf der Bühne, hab eine Capri Sonne angeboten bekommen und ein Wasser angenommen, mir wurde der Song „Spinner“ gewidmet. Und am Ende habe ich sogar noch eine Medaille geschenkt bekommen! Cool, oder?“ Ziemlich cool! Revolverheld wollten halt genau das: „Wir haben gedacht, wenn man schon sein erstes Konzert erlebt, dann wenigstens richtig!“ Und dieses Erlebnis ist ihnen gelungen. Tolle Typen, voll auf dem Boden, wenn auch immer in Bewegung.

Huch. Das kennen wir aber. Plötzlich befindet sich eine Trommel auf der Bühne, die wir mal „Imagine Dragons Trommel“ nennen wollen, haben sie sie doch bei ihren „Radioactive“-Performances immer dabei. Was zunächst wie „Stay“ von Rihanna klingt, wird schnell zu „Worte, die bleiben“ von Revolverheld – Jakob steht mit seinen Bestbuddies vorne und alle spielen gemeinsam diesen Track vom neuen Album. Die Worte bleiben wirklich oder rufen zumindest dazu auf, dass Dortmund wach wird, vom Paukenschlag á la Jakob getroffen. Beim nächsten Song „Neu anfangen“ sind die Hände voll dabei und Dortmund macht mit. Endlich! Daraufhin sagt Johannes: „Den nächsten Song kennt ihr vielleicht…“, und ja, das Publikum kennt ihn: die aktuelle Single „Ich lass für dich das Licht an“, mal wieder eine dieser schönen Revolverheld-Balladen. Die textsicheren Fans freuen sich und singen und filmen tatkräftig mit. Im wahrsten Sinne des Wortes werden hier also die (Handy-)Lichter angelassen. Nach der Ruhe kommt der Sturm: „Ich werde nie erwachsen rockt richtig los, viele klatschende Hände sichten wir und „Die Welt steht still“ sowie „Keine Liebeslieder“ sind wieder favorisierte Mitsingsongs für die Gäste. „Nee, zum nächsten Song sag‘ ich nix“, kommentiert Johannes und „Halt dich an mir fest“ setzt ein – auch hier nehmen wir lautstarken Publikumsgesang wahr und am Ende des Songs gibt es die letzte Textzeile noch einmal komplett ohne Instrumente nur von Strate gesungen, bevor es mit „Darf ich bitten“ noch einmal rund geht: „Hier könntet ihr jetzt mal den ganzen Song durchklatschen oder –tanzen, das könnt ihr euch aussuchen!“, rufen Kris und Johannes auf. Und Dortmund hört auf’s Wort, so klatscht sich die eine Hälfte ihre Muskeln an und die andere Hälfte tänzelt ein bisschen rum. Ein solides Konzert mit einer guten Song-Mischung aus allen vier Alben der Band, wobei auch die Singles nicht zu kurz kommen dürfen. Es gab noch viele Anekdoten und Witze, nahliegend war natürlich auch Hoeneß und Fußball ein Thema, aber wie heißt es so schön: What happens in Dortmund, stays in Dortmund. (Nur so viel sei gesagt: es war ein lustiger Abend und die Jungs können über andere und über sich selbst lachen, nehmen nicht alles so furchtbar ernst und haben ihr Publikum im Griff. Johannes Strate ist ein wahrer Entertainer.)

Revolverheld lassen es sich natürlich nicht nehmen, eine Zugabe zu spielen. Und was für eine: relativ schnell tauchen sie auf dem Podest/Rang wieder auf und stehen mit ihren Instrumenten inmitten vom zur Bühne am weitesten entfernten Balkonpublikum, welches mit „Deine Nähe tut mir weh“ wohl einen der schönsten Momente des Abends erleben darf, vollkommen nah an den vier Jungs. Die zweite Zugabe „Lass uns gehen“ wird vom Klavier und von der Pauke begleitet, die Live-Band ist wieder vollständig, die Performance findet wieder auf der Bühne statt. Mit ihrem damaligen Hit „Freunde bleiben“ schließen die Jungs ihren Dortmund-Aufenthalt und machen zum Abschied noch ein Foto vor dem begeisterten Publikum – für die sozialen Netzwerke, das ist ja heute so üblich und so hat die Band auch immer Erinnerungen an die ausverkauften Shows dieser Tour. Und eins weiß man sicher: Freunde werden Revolverheld sicherlich für immer bleiben!

>> Hier könnt ihr unser Interview mit Kris und Niels lesen!

 

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(c) Fotos: R. Bektas

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