IM TALK: Chris Daughtry

Veröffentlicht: März 15, 2014 in Interviews
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DaughtryAnstatt sich zu wiederholen gehen Daughtry einen großen Schritt nach vorn. Mit weltweit über 7,5 Millionen verkauften Alben und 17 Millionen Singles, vier Nr. 1 Hits, vier Grammy Nominierungen und vier gewonnenen American Music Awards gehören Daughtry zu einer der erfolgreichsten Bands ihres Genres: Dennoch wollen sie sich darauf nicht ausruhen und haben den Mut gefasst, auf ihrem neuen Album „Baptized“ etwas zu verändern. „Ich brauchte einen Wechsel„, so Frontmann Chris Daughtry, „Dies ist eines der inspirierendsten Alben, die ich je gemacht habe.“ – und auch live gibt der Sänger alles, wie wir in unserem Live-Review berichtet haben. In Hamburg trafen wir den sympathischen Sänger zum Interview und möchten euch die Fragen und Antworten nicht vorenthalten!

Mehr als drei Jahre nach ihren letzten Headliner-Shows hierzulande kehrt die Band um Sänger Chris Daughtry im März 2014 für vier Konzerte nach Deutschland zurück, um ihr neues, im November erschienenes Album „Baptized“ live vorzustellen. Die Shows in Köln und Hamburg haben wir mit erlebt (siehe Live-Review hier), Böblingen (18.03.) und München (20.03.) stehen noch aus.

Die Herangehensweise an das neue Album war dabei eine komplett andere als bei den Vorgängeralben „Daughtry„, „Leave This Town“ und „Break The Spell„. Chris Daughtry arbeitete erstmalig mit Martin Johnson (Boys Like Girls), Sam Hollander (Gym Class Heroes, Coheed and Cambria) und Claude Kelly (Bruno Mars, Whitney Houston) zusammen, welche den Sound des neuen Albums maßgeblich beeinflussten.

In Hamburg trafen wir den Daughtry-Frontmann Chris in der Mittagszeit im Hotel der Band und sprachen mit ihm am Tisch – wir mit Wasser, er mit einem leckeren Starbucks-Kaffee – über das neue Album, die Live-Konzerte, Deutschland und die Welt.

Warum habt ihr euer neues Album „Baptized“ genannt – hat es eine besondere Bedeutung für die Band oder fühlt ihr euch jetzt gerade „getauft“?
Chris: Ja, es hat eine spezielle Bedeutung. Die Songs wurden bereits einige Zeit vorher geschrieben, bevor wir wussten, dass wir die CD so nennen werden. „Baptized“ war einer der ersten Songs, den wir für die CD geschrieben haben und am Ende des Schreibprozesses, wir hatten ca. 20 Songs, war das noch immer einer meiner Favoriten. Es hat sich einfach so angefühlt, als würde diese Platte so anders sein, als irgendwas, was wir zuvor gemacht haben. Es fühlte sich sozusagen wie ein Neuanfang an.

Was meinst du mit einem neuen Anfang? Meinst du einen neuen Sound oder was genau meinst du damit?
Chris: Oh, ich meine wir haben drei CDs gemacht, die wesentlich… okay, jeder weiß das. Es fühlte sich an der Zeit, etwas zu Chris Daughtry im Gespräch mit unsmachen, das nicht notwendig anders ist, als das, aber trotzdem ein neues Kapitel. Wir werden diese CDs immer haben und wir werden diese Songs immer haben und spielen. Es fühlte sich für uns einfach an, als wäre es an der Zeit, sich weiterzuentwickeln.

Warum habt ihr euch dann dazu entschieden „Waiting for Superman“ als erste Single zu wählen und eben nicht „Baptized“?
Chris (lacht): Leider ist das keine klassische, politische Entscheidung. „Waiting for Superman“, so gerne ich den Song auch mag, war nicht meine erste Single-Wahl. Ich hätte mich wohl für „Battleships“ entschieden, aber an dieser Entscheidung sind nunmal viele Personen beteiligt, die da mitbestimmen dürfen. Ich habe da zwar Mitspracherecht, kann aber nicht alleine die finale Entscheidung treffen.

Also ist „Waiting for Superman“ für dich nicht der repräsentativste Song des Albums?
Chris: Nein, „Waiting for Superman“ fasst nicht die ganze Platte zusammen.

Kannst du uns einen Einblick in den Schreibprozess und die Entstehung des Albums geben?
Chris: Es war ehrlich gesagt das erste Mal, dass ich das meiste Material wirklich im Studio geschrieben und dann direkt am gleichen Tag aufgenommen habe. Sonst haben wir uns dafür Wochen frei genommen, eine handvoll Songs geschrieben, Demos aufgenommen und sie dann so produziert, wie es sich in dem Moment für uns richtig angehört hat. Dieses Mal habe ich die Songs mit der jeweiligen Person geschrieben, mit der ich auch zusammen gearbeitet habe und erst dann aufgenommen. Wir haben dieses Mal sozusagen mehr Zeit damit verbracht, die Songs zu schreiben, als mit der eigentlichen Aufnahme.

Was kommt bei euch als erstes: Die Texte, die Melodie..?
Chris: Für mich auf jeden Fall die Melodie. Für das Schreiben der Texte muss ich wirklich inspiriert sein und meistens diktiert die Melodie den Inhalt. Bei manchen der Songs sind  wir mit 1 oder 2 Zeilen gestartet und haben dann drum herum weiter geschrieben. Es ist aber eigentlich nie der gleiche Ablauf. Ich wünschte, es gäbe da so einen perfekten Ablaufplan.

Welcher Daughtry Song ist dein persönlicher Favorit – von all den bisherigen?
Chris (lacht): Oh, da muss ich aber wirklich drüber nachdenken. Ich würde aber sagen,“September“ ist noch immer einer meiner Favoriten, von all den Songs, die ich je geschrieben habe. Wir spielen ihn noch immer bei jedem Konzert – er sollte also auch heute besser auf der Setlist sein.

Stimmt es wirklich, dass du deine erste Gitarre, wie im Song „Long Live Rock & Roll“ erwähnt, 1996 bekommen hast?
Chris: Es war in ’96 – ich war im 2. Highschool-Jahr. Es war keine gute, aber ich dachte, dass es irgendwie ironisch klingt: „Summer of ’69“ („He got his first real six-string“) und wenn man es umdreht dann eben „’96“. Ich fand das war ein nettes, lyrisches Wortspiel.

Hast du sie behalten?
Chris: Nein. Ich glaube, ich hab‘ sie an jemanden für etwa 100 Dollar verkauft. Ich habe nicht gedacht, dass es sich lohnt, sie zu behalten (lacht).

Was bedeutet für dich Rock & Roll – wofür steht es deiner Meinung nach?
Chris: Ich denke, es ist nicht das, wofür alle es halten. Für mich ist es einfach ein Gefühl, eine Einstellung. Das Lustige an „Long Live Rock & Roll“ ist, dass es eigentlich ein Folk-Song ist, der wie ein Rock Song klingt, der quasi dagegen rebelliert, ein "Baptized" von Daughtry - seit 15.11. überall!Rock-Song zu sein.

Hat sich deine Ansicht gegenüber Rock & Roll mit den Jahren verändert?
Chris: Ja, ich meine ich bin mit dem 90er Grunge und den 80er Langhaarbands aufgewachsen, also war das auch meine Vorstellung von Rock & Roll und Bob Seger war quasi meine Einführung in diese Musikrichtung. Ich würde also sagen, dass es eine andere Bedeutung bekommen hat, je älter und reifer ich wurde. Denn ich meine, Elton John wurde auch als Rock & Roll bezeichnet.

Ja genau – wer ist denn nun besser: Elton John oder Billy Joel?
Chris: Für mich gewinnt Elton John immer!

Warum seid ihr nicht eher nach Deutschland zurück gekommen?
Chris: Erstens waren wir sehr lange mit 3 Doors Down in den Staaten auf Tour, die gefühlt ewig gedauert hat (lacht) und zu dem Zeitpunkt haben wir auch noch an „Break the Spell“ gearbeitet. Der eigentliche Plan war, dieses Jahr (2014) ein neues Album heraus zu bringen, aber als wir der Plattenfirma die neuen Songs vorgespielt haben, wollten sie die Platte so schnell wie möglich veröffentlichen – und so kam sie dann doch schon im November 2013 raus. Das hat unsere komplette Promo-Planung über den Haufen geschmissen. Wir haben dann aber beschlossen, dieses Mal auf jeden Fall zuerst in Europa zu touren und dann in den USA.

War es aus diesem Grund auch schwieriger, die Setlist zusammen zu stellen? Weil ihr eben länger nicht hier gespielt habt?
Chris: Ja, es war sehr schwierig, denn da gibt es die Songs, die in den Staaten sehr gut ankommen und die auch in Europa als Single veröffentlicht wurden. Und dann gibt es da natürlich auch den einen Fan, der fragt „Warum spielt ihr nicht diesen oder jenen Song?“, aber er ist eben der Einzige, der ihn hören will. Man ist also im Zwiespalt, denn man will den Song eigentlich spielen, weiß aber, dass derjenige die einzig glückliche Person im Publikum ist. Also versuchen wir, Songs auszuwählen, die wir gerne spielen, denn wir müssen sie ja schließlich auch spielen, und dann die, die die Leute erwarten – und gleichzeitig versuchen wir noch, andere Songs unter zu kriegen, die nicht unbedingt eine Single waren. Wir haben ja schließlich vier Alben, aus denen wir wählen können. Manchmal stellen wir aber auch erst beim Konzert fest, dass ein Song nicht wirklich passt und stellen die Setlist dann entsprechend nochmal um.

Was war die letzte CD, die du dir gekauft hast?
Chris: Physisch oder als Download? Beides? Das ist aber wirklich eine schwierige Frage (überlegt) … Letzte CD, die ich gekauft habe – das ist ja furchtbar, ich kann mich noch nicht mal daran erinnern. Letzter Download, das ist viel einfacher! Das war ehrlich gesagt ein altes Album – „Speakerboxx“ von Outkast, weil ich unbedingt das Lied „Roses“ hören wollte.

Was ist dein aktueller Lieblingssong?
Chris: „Counting Stars“ von OneRepublic. Die habe ich letztens erst live gesehen – das war super! Lustigerweise haben die Jungs Chris Daughtry LIVE in Hamburgfür uns schon als Voract gespielt, als in den Staaten noch niemand wusste, wer sie eigentlich sind. Dann haben sie „Apologize“ rausgebracht und wurden sehr berühmt. Ryan ist ein guter Freund von mir. Als wir kürzlich einen Tag frei hatten und erfahren haben, dass sie in der gleichen Stadt spielen, haben wir uns die Show angeschaut. Falls ihr die Chance habt, euch die Show anzugucken, solltet ihr sie definitiv nutzen – es lohnt sich.

Haben Du und Ryan schon Songs zusammengeschrieben?
Chris: Wir haben es schon zweimal versucht, aber sein Terminkalender ist wirklich krass, ich weiß gar nicht, wie er das alles schafft. Jedes Mal, wenn wir angefangen haben, einen Song zu schreiben, konnten wir nie einen Folgetermin finden, um ihn zu Ende zu bringen, weil er dann mit Beyoncé und Co. zusammen gearbeitet hat. Wir haben also zwei unvollständige Songs, die wir irgendwann fertig stellen müssen. Vielleicht sollten wir die einfach zusammen packen, dann haben wir zumindest einen ganzen.

Hast du irgendwelche Erwartungen für die deutschen Shows?
Chris: Jedes Mal, wenn wir in Deutschland gespielt haben, war das Publikum voller Energie und hat uns mit offenen Armen empfangen. Das sollte sich besser nicht geändert haben (lacht).

Ist das europäische Publikum anders als das amerikanische?
Chris: Oh, da muss ich aber aufpassen, denn ich will unsere amerikanischen Fans ja nicht verägern. Ich denke, der Unterschied ist, dass wenn du eine amerikanische Band hast und ständig in Amerika tourst, fühlt es sich fast so an, als würdest du deinen Kumpel beim Karaoke besuchen. Die Leute denken sich „ach, ich geh‘ einfach nächste Woche hin“. Es ist keine Rarität für die Leute, dich zu sehen, weil sie dich vor ein paar Monaten erst gesehen haben. Hier ist das anders – es herrscht eine gewisse Vorfreude und Erwartung, weil die Leute dich zwei Jahre oder länger nicht gesehen haben. Sie haben gar keine Chance, genug von uns zu bekommen, das ist der Clou.

Nochmal zurück zum CDs-Kaufen: Das Internet ist zu einer riesiegen Platform herangewachsen, grad für junge Künstler..
Chris (unterbricht): Ja! Ich glaube, ich habe aufgehört, mir selbst CDs zu kaufen, als man die Booklets auch downloaden konnte und man somit Platz sparen konnte.

Würdest du sagen, dass es heutzutage einfacher für unbekannte Künstler ist, populär zu werden?
Chris: Absolut! Mein Sohn kennt Bands, von denen ich noch nie etwas gehört habe, die aber Millionen von Klicks auf YouTube haben, ohne je im Radio gespielt worden zu sein. Ich denke, es ist in der heutigen Zeit extrem einfach. Es gab noch nicht mal MySpace, als ich damals in einer Band war, wir hatten noch nicht mal Handys. Ich denke also, es ist eine sehr große Möglichkeit für die jungen Künstler, um ihre Musik zu verbreiten und Fans zu gewinnen. Ich find’s super!

Vielen Dank an Yasemin K., Blaine B. und vor allem an Chris Daughtry für das nette Interview!

(c) Fotos: x-why-z, C. Söhnchen

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