CD-CHECK: „Glück und Benzin“ von Miss Platnum

Veröffentlicht: März 14, 2014 in Neuerscheinungen
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Miss PlatnumMiss Platnum ist tot, es lebe Miss Platnum“ – diese Promotion-Aufkleber zieren ganz Deutschland. Schmerz, Trauer, Wut und die schwarze Galle der Melancholie. Lebenslust, Freude und balkanische Feierlaune. Schmeißt die Gläser an die Wand! Miss Platnum singt jetzt auf Deutsch – mit großer Bandbreite. Inzwischen ist der vormalige Fantasiecharakter nämlich zur vollkommenen und erwachsenen Künstlerin gereift. Die weiß genau, wie eine Stimme einzusetzen ist und wie man sagt, was man sagen will. Und das hört man auf dem heute erscheinenden Album „Glück und Benzin„.


Miss Platnum hat früher auf Englisch gesungen. Miss Platnum wurde vom Publikum abgelehnt. Doch diese Miss Platnum ist tot. Auf ihrer Single und dem Album-Opener „99 Probleme“ besingt sie genau das, was sie erfahren und durchgemacht hat: Ruth Renner, so ihr bürgerlicher Name, thematisiert, wie es sich anfühlt, vom Publikum abgelehnt zu werden: „Mein Label hat’n Tip, mach mal’n Hit / dann noch’n Hit, noch’n Hit, noch’n Hit / ich mach da nicht mit, dann lieber Kunst/ mach keine Musik für kleine Mädchen und Jungs / kuck mal nach im Netz, was die Masse so sagt / sie lieben lila Wolken, aber hassen meinen Part“. Na und? Vielleicht hat sie gerade das stark gemacht. Denn nicht selten bringt so eine Kritik den meisten Ehrgeiz!

Miss Platnum „Glück und Benzin“ offizielles Video:

Auf dem Album befindet sich mit „Gläser an die Wand“ ein weiterer Track, der im Selbstmitleid ertrinkt, wie man schon zu Beginn hört: „Ich weiß ich bin schwierig, dass du mich manchmal hasst / du hättest so vieles an meiner Stelle ganz anders gemacht„. Manchmal ist die Kombination von Schreiben und Musik eben die beste Art, über seine Sorgen zu reden, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen; gerade deshalb nimmt man dem Fräulein Platnum ihre ehrlichen Zeilen, die mit schönen, sanften Hip-Hop-Beats und Soul-Stimme unterlegt sind, wohl ab. Bei den zu Anfang genannten Themen – Schmerz, Trauer, Wut – muss man eben ein wenig ruhiger musizieren und singen. Das Ergebnis: in sich geschlossene und stimmige Songs.

Natürlich gibt es neben diesen eher textlich melancholischen Nummern auch Songs, die tanzbar sind und als kleine Hip-Hop-Hymnen bezeichnet werden können, so beispielsweise „Letzter Tanz“ (6 Minuten Spieldauer!) oder „Hüftgold“ (feat. Nico von K.I.Z.). Das sind keine Lieder der Traurigkeit und Platnums Stimme kommt zur Geltung. Wunderbar, so hören wir das gerne! „Perfekte Illusion“ ist wohl das beste Stück, um ihre großartige Soul-Stimme hervorzuheben. Fast erinnert das schon ein wenig an Cassandra Steen, nur eben ein bisschen beatgefüllter und weniger melancholisch. Ein Track, den wir gleich nochmal anspielen wollen – und gerne auch noch ein drittes Mal. Nicht zu kurz kommen darf der Titeltrack „Glück und Benzin“ (feat. Yasha) – eine sehr gut produzierte Pop-Hymne mit Rap-Akzent (Danke Yasha), die mit Marteria als Dritten im Boot vielleicht sogar „Lila Wolken„-Charakter hätte (ein paar Beats fehlen hier jedoch, aber es sollte ja auch keine "Glück und Benzin" von Miss Platnum - ab 14.03. überall!Kopie werden und das ist gelungen): „Alle Häuser gucken auf uns runter“ (aus „Glück und Benzin“) vs. „Jung und ignorant, stehen auf’m Dach(aus „Lila Wolken“).

Es muss ja so sein, dass Marteria auf dem Album auch zu hören ist – beim Schreiben war er dabei, natürlich, nun wird sein anderes musikalisches Ich, Marsimoto, auf dem letzten Track „1000 Jahre telefonieren“ gefeatured – ganze sieben Minuten und einundzwanzig Sekunden lang: „Ohne dich ist es hier nur halb so schön„. Ja, Marteria scheint dazuzugehören. Und vielleicht schafft Miss Platnum eines Tages auch das, was ihr Buddy schon geschafft hat: Nummer 1, ausverkaufte Touren, neuer Liebling. Wir gönnen’s ihr. Auch wenn viele Titel ein wenig ruhiger sind, gibt es keine richtige „Ballade“ im klassischen Sinn – „Frau Berg“ (eine Balkan-R’n’B-Soul-Nummer, die zum kurzzeitigen Träumen verleitet), „Nur die Liebe“ (wieder ein Hoch auf ihre Stimme!) und „Kleiner Schmerz“ („Du hast gesagt du bleibst für immer / Gehst nie weg„) kommen am ehesten an eine Ballade ran, wenn man sich die manchmal lauteren Background-Beats wegdenkt.

Mit 12 Songs ist es an sich ein kurzes Album, beachtet man jedoch die Länge der einzelnen Songtitel – von 3:09 Minuten bis 7:21 Minuten ist alles dabei – ist es ein Album, an dem man lange zu hören hat. Und man hört es ganz gerne. Miss Platnum hat sich auf jeden Fall gemacht und bringt ihre Stimme deutlich zur Geltung, das sollte sie auch weiterhin tun. Musikrichtung? Genre? Gibt’s nicht wirklich. Vielleicht intimer Soul-Pop-Hip-Hop-Rock mit Wahnsinnsstimme. Oder irgendwie so. Für eine sonnige Frühlingsautofahrt mit offenem Fenster über eine Landstraße kann man sich das mal gönnen – und live sollte man sich das Ganze vielleicht auch nochmal angucken, entweder aktuell als Support für Marteria oder auf ihrer eigenen

„Glück und Benzin“-Tour im Mai:
05.05.2014 München Ampere
06.05.2014 Leipzig Werk 2 / Halle D
08.05.2014 Berlin Lido
09.05.2014 Krefeld KuFa
10.05.2014 Heidelberg Karlstorbahnhof
12.05.2014 Köln Club Bahnhof Ehrenfeld
13.05.2014 Hamburg Mojo
>> Tickets gibt’s hier!

Glück und Benzin“ von Miss Platnum erscheint am 14. März 2014 als Download und auf CD!

(c) Foto: Cheesecake

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