IM TALK: William Fitzsimmons

Veröffentlicht: Februar 28, 2014 in Interviews
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William FitzsimmonsDer Reiz und Klang von William Fitzsmmons‚ Musik ist bezeichnend für seine außergewöhnliche Erziehung und Lebensgeschichte. Als Kind blinder Eltern übernahm Klang und insbesondere Musik, einen integralen Part in der Kommunikation zwischen Eltern und Kind. Eine Sammlung von Gitarren, Pianos und anderen Instrumenten war Teil des Hauses und William wurde früh die Musik von James Taylor, Joni Mitchell und Leonard Cohen nahegebracht. Nach seinem Studium arbeitetete Fitzsimmons für viele Jahre als Psychotherapeut, bevor er sich vollständig der Musik widmete.

Im Rahmen der Veröffentlichung seines sechsten Albums „Lions“ (seit 14. Februar erhältlich) und der aktuellen Tour, sprachen wir mit William Fitzsimmons über die Musik, sein Leben und die Liebe.

Du hast klein angefangen und deine Songs zu deinen ersten Alben „Until when we are ghosts“ und „Goodnight“ zu Hause aufgenommen. Wie kann man sich das Gefühl vorstellen, zu wissen, dass du gerade auf engerem Raum, in deinen vier Wänden, nur für dich singst und das bald aber die ganze Welt hören könnte?
Ich denke, dass der einzige Grund ist, durch den ich in der Lage war, genau das zu tun: dass ich niemals gedacht hätte, dass jemand außer mir das jemals hören würde. Es war etwas, das ich einfach für mich selbst tun musste. Und ich hatte keine Ahnung, was ich tat! Es war komplette Spekulation. Ich habe Millionen verschiedene Sachen probiert, mit dem einfachen Test, zu gucken, ob es mich etwas Tieferes fühlen lässt. Ich erinnere mich daran, dass Orsen Wells einmal sagte, dass wenn er „auf dem richtigen Weg“ ordnungsgemäß ausgebildet worden wäre, Filme zu machen, wäre er nicht in der Lage gewesen die Dinge zu tun, die er tat. Ich fühle weitgehend dasselbe darüber, wie ich angefangen habe, Musik zu machen.

Vor deiner Musikkarriere hast du Psychologie studiert und sogar als Psychologe therapiert. Welche Erlebnisse haben dich während dieser Zeit besonders geprägt – und sind durch manche Patienten sogar Geschichten in deinen Liedern entstanden?
Da sind absolut Elemente, insbesondere in früheren Songs, die aus meiner Zeit sind, in der ich als Therapeut gearbeitet habe – und von den Menschen, mit denen ich das Vergnügen hatte, zu arbeiten. Wenn du so intim wie möglich mit jemandem arbeitest, der dich therapiert, kannst du nicht anders, als dadurch beeinflusst zu sein. Von Zeit zu Zeit werde ich noch immer von diesen Erinnerungen besucht. Und das ist genau das, was ich am meisten an dieser Arbeit vermisse: die Reise eines Lebens mit jemandem zu teilen, sogar in seinen schwersten Momenten.

William Fitzsimmons‘ „Took“ Acoustic @ Hotel Café L.A.:

Musik als Therapie. Eine Sache, die viele Menschen nutzen. Ist dir klar geworden, dass Musik deine Erlebnisse auch besser verarbeiten kann als eine richtige Therapiestunde mit einem Psychologen?
Ich glaube nicht, dass es ein Aspekt von besser oder schlechter ist: Musik ist eine wunderbare Form der Heilung. Es ist wohlklingend; subtil, aber anhaltend und es hat in mir Dinge zum Vorschein gebracht, was möglicherweise durch nichts anderes geschehen wäre. Aber, Musik an sich ist kein Wundermittel, jemanden von all seinen Problemen zu kurieren. Ich denke, es ist genau genommen gefährlich, zu erwarten, dass irgendeine Art von Kunst dich heilen könnte. Kunst ist für mich eher ein Spiegel, in dem du deine Anstrengungen reflektieren kannst und ihnen ins Gesicht blicken kannst. Aber das ist lediglich der erste Schritt in einem längeren Prozess.

Deine Eltern haben sich scheiden lassen. Dennoch hast du auch geheiratet und musstest dich ebenfalls einer Scheidung unterziehen. Bist du ein hoffnungsloser Romantiker, der, trotz viel erlebtem Mist, noch immer an das Ideal der Liebe glaubt?
Wisst ihr,  je älter ich werde, desto weniger glaube ich an Romanzen und desto mehr glaube ich an die Liebe. In meiner Jugend habe ich gedacht, dass das beides dasselbe ist. Aber das ist es nicht! Romanzen sind eine flüchtige Illusion, es ist ein vorübergehendes, wenn auch wunderbares, Gefühl; es ist ein Genuss, der so vergänglich ist, wie der Wind. Liebe ist nicht einfach eine neuro-physische Reaktion als Reiz, es ist eine aktive Wahl, etwas oder jemanden zu schätzen, stärker als William Fitzsimmonsdich selbst. Romanzen sind leicht. Liebe ist hart. Und aus diesem Grund ist sie viel schöner.

Du besingst auf deinen Alben meist persönliche Dinge, die du eben so auch teilweise verarbeitest, wie zB. deine eigene Scheidung oder die deiner Eltern. Dein neues Album klingt jedoch deutlich fröhlicher: bist du einer dieser starken Löwen, die den Schmerz verarbeitet haben und sich dennoch mit ihrer Mähne irgendwie schützen und mittlerweile der Zukunft wieder optimisch(er) entgegen blicken?
Das ist absolut eine andere Platte. Ich denke für mich ist der Hauptunterschied nicht, dass es eine „fröhliche“ Platte ist, denn das ist sie für mich nicht – aber sie räumt mehrere Emotionen und Gedanken ein, die den gleichen Raum einnehmen. Und diese Möglichkeit ist für mich völlig neu. Ich neige dazu, eine sehr kurzsichtige Person zu sein, die nur in der Lage dazu ist, eine begrenzte Reichweite zu sehen, einen Gedanken zu einem bestimmten Zeitpunkt zu denken etc. Aber ich lerne langsam, wie es ist, von diesem Kontrollzwang loszulassen und einfach die Dinge um mich herum zu akzeptieren. „Lions“ ist größtenteils über Dualität; die Wege, in denen ungleiche Stücke zueinander passen: Freude und Schmerz, Freiheit und Verbindlichkeit; Verlust und Zufriedenheit etc. In diesem Sinne ist es natürlich nicht so dunkel oder bedrückend wie irgendeine meiner vorherigen CDs. Aber fröhlich ist sie nicht.

Deine Songs klingen immer sehr intensiv, mit einem Hang zum Perfektionismus in den Tönen. Man sagt, es gibt die „Textmenschen“ und „Musikmenschen“. Wo würdest du dich einordnen und wie hat sich sowohl dein Musik- als auch dein Textverständnis verändert?
Ich sehe mich selbst definitiv eher als Texter. Aber es gibt keinen Weg, gute Songs zu machen und eins von beidem nicht zu beachten. Die Melodien formen die Stimmung und die Worte leiten die Geschichte. Aber wenn ich ein Geschenk habe, ist es definitiv mehr auf der Seite des Schreibens. Die musikalische Seite der Dinge benötigt mehr Arbeit und Aufwand.

Wenn du bei Konzerten in die Gesichter der aufmerksamen Zuhörer blickst, die meistens auch jede Zeile schwärmend mitsingen können. Ist das nicht pures Balsam für die Seele und lässt jede Scheiße, die du vielleicht gerade besingst, plötzlich glänzen?
Es ist auf jeden Fall Balsam! Tatsächlich ist es eine der größten Höhen, die ich jemals als Performer erleben kann. Sogar noch mehr, wenn jemand Teile seiner Geschichten mit mir teilt; was die Songs für denjenigen als Individuum bedeuten. Aber es lässt dich niemals die Erinnerungen und Geister vergessen. Ich denke, die leben für immer mit dir. Aber es bringt ihnen Bedeutung und Substanz. Es hilft mir, zu verstehen und zu würdigen, dass ein Grund dahinter steckt.

Unsere CD-Review zu „Lions“ könnt ihr hier nochmal nachlesen!

Wir bedanken uns bei Vivien/Verstärker und William Fitzsimmons für das Interview!

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